Integrierte Börsenhandels- und Informationssystem (IBIS I vs. IBIS II) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: International Accounting Standards Committee (IASC) Nächster Begriff: Identitätsdiebstahl
Ein elektronisches Handelssystem der Frankfurter Wertpapierbörse, das ab 1991 automatisierte Orderverarbeitung, Kursfeststellung und fortlaufenden Handel für liquide Aktien parallel zum Parketthandel ermöglichte
Das Integrierte Börsenhandels- und Informationssystem (IBIS) war ein elektronisches Handelssystem der Deutschen Börse, das in den 1990er-Jahren den Parketthandel zunehmend ergänzte und teilweise ersetzte. Es stellte einen wichtigen Schritt in der Entwicklung hin zu vollständig elektronischen Handelssystemen dar und bildete die Grundlage für spätere Systeme wie Xetra. IBIS wurde in zwei wesentlichen Entwicklungsstufen betrieben, die als IBIS I und IBIS II bezeichnet werden.
Entstehung und Zielsetzung von IBIS
IBIS wurde eingeführt, um den Börsenhandel effizienter, transparenter und international wettbewerbsfähiger zu gestalten. Der klassische Präsenzhandel auf dem Parkett war durch physische Anwesenheit und begrenzte Geschwindigkeit gekennzeichnet. Mit der zunehmenden Globalisierung der Finanzmärkte entstand der Bedarf nach elektronischen Systemen, die eine schnellere Orderausführung und eine bessere Informationsverarbeitung ermöglichen.
Das System sollte insbesondere folgende Funktionen erfüllen:
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Elektronische Erfassung und Verarbeitung von Kauf- und Verkaufsaufträgen.
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Zentrale Zusammenführung von Angebot und Nachfrage.
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Bereitstellung von Marktdaten in Echtzeit.
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Erhöhung der Transparenz im Handelsprozess.
IBIS I: Erste Generation des elektronischen Handels
IBIS I wurde Anfang der 1990er-Jahre eingeführt und stellte die erste Version des Systems dar. Es handelte sich um ein elektronisches Orderrouting- und Informationssystem, das den traditionellen Börsenhandel unterstützte, jedoch nicht vollständig ersetzte.
Ein wesentliches Merkmal von IBIS I war, dass es den Handel nicht vollständig automatisierte. Stattdessen wurden Orders elektronisch erfasst und an den Börsenhandel weitergeleitet, wo sie häufig noch durch Skontroführer oder Makler ausgeführt wurden. Das System diente somit als Schnittstelle zwischen elektronischer Auftragserfassung und traditioneller Handelsabwicklung.
Die wichtigsten Eigenschaften von IBIS I lassen sich wie folgt zusammenfassen:
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Elektronische Orderübermittlung an die Börse.
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Unterstützung des Präsenzhandels, aber keine vollständige Automatisierung.
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Bereitstellung von Kursinformationen und Marktdaten.
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Begrenzte Integration von Handels- und Abwicklungsprozessen.
IBIS I war somit ein Übergangssystem, das die Vorteile elektronischer Technologien nutzte, ohne den bestehenden Handelsmechanismus grundlegend zu verändern.
IBIS II: Weiterentwicklung und höhere Automatisierung
Mit IBIS II wurde das System weiterentwickelt und stärker auf eine elektronische Handelsumgebung ausgerichtet. Ziel war es, die Automatisierung zu erhöhen und die Abhängigkeit vom Parketthandel weiter zu reduzieren.
IBIS II ermöglichte eine direktere Zusammenführung von Kauf- und Verkaufsaufträgen innerhalb des Systems. Dadurch wurden Handelsprozesse beschleunigt und effizienter gestaltet. Die Rolle der traditionellen Intermediäre wurde reduziert, auch wenn sie nicht vollständig entfiel.
Zu den zentralen Merkmalen von IBIS II zählen:
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Erweiterte elektronische Orderverarbeitung mit höherem Automatisierungsgrad.
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Schnellere Ausführung von Transaktionen.
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Verbesserte Markttransparenz durch umfassendere Datenbereitstellung.
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Stärkere Integration von Handels- und Informationsfunktionen.
IBIS II stellte somit einen wichtigen Schritt in Richtung vollelektronischer Handelssysteme dar und bereitete den Übergang zu moderneren Plattformen vor.
Vergleich von IBIS I und IBIS II
Die Unterschiede zwischen IBIS I und IBIS II lassen sich vor allem im Grad der Automatisierung und der Integration des Handelsprozesses erkennen.
IBIS I war primär ein unterstützendes System, das den traditionellen Handel ergänzte. Die eigentliche Preisbildung und Orderausführung erfolgten häufig weiterhin manuell. IBIS II hingegen verfolgte einen stärker integrierten Ansatz und verlagerte wesentliche Teile des Handelsprozesses in das elektronische System.
Ein strukturierter Vergleich verdeutlicht die Unterschiede:
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Automatisierungsgrad
IBIS I: gering, unterstützend
IBIS II: deutlich höher, teilweise automatisiert -
Rolle des Parketthandels
IBIS I: zentrale Bedeutung
IBIS II: reduzierte Bedeutung -
Orderausführung
IBIS I: häufig manuell
IBIS II: zunehmend elektronisch -
Markttransparenz
IBIS I: begrenzt
IBIS II: verbessert
Diese Entwicklung zeigt den Übergang von einem hybriden System hin zu einem stärker digitalisierten Handelsumfeld.
Bedeutung für die Börsenentwicklung
IBIS hatte eine grundlegende Bedeutung für die Modernisierung des Börsenhandels in Deutschland. Es stellte einen Zwischenschritt dar, der den Übergang vom traditionellen Parketthandel zu vollständig elektronischen Systemen ermöglichte.
Die Erfahrungen mit IBIS flossen direkt in die Entwicklung von Xetra ein, das später als vollelektronisches Handelssystem eingeführt wurde und IBIS schließlich ablöste. Xetra übernahm viele Konzepte von IBIS, insbesondere die zentrale Orderbuchführung und die elektronische Preisbildung, entwickelte diese jedoch weiter.
IBIS trug dazu bei:
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Die Effizienz des Handels zu steigern.
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Die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Deutschen Börse zu verbessern.
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Den Zugang zum Handel zu erleichtern.
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Die Grundlage für moderne elektronische Handelssysteme zu schaffen.
Einordnung im historischen Kontext
Die Einführung von IBIS fällt in eine Phase tiefgreifender Veränderungen im globalen Finanzsystem. Technologische Innovationen ermöglichten neue Formen des Handels, während gleichzeitig der Wettbewerb zwischen Börsen zunahm.
Viele Börsen weltweit entwickelten in dieser Zeit elektronische Systeme, um den Anforderungen internationaler Investoren gerecht zu werden. IBIS war Teil dieser Entwicklung und spiegelte den Übergang von traditionellen zu modernen Marktstrukturen wider.
Fazit
Das Integrierte Börsenhandels- und Informationssystem (IBIS) war ein bedeutendes elektronisches Handelssystem der Deutschen Börse, das den Übergang vom Parketthandel zum vollelektronischen Handel einleitete. Während IBIS I vor allem als unterstützendes System für den traditionellen Handel diente, stellte IBIS II eine Weiterentwicklung mit höherem Automatisierungsgrad dar. Beide Versionen trugen wesentlich zur Modernisierung des Börsenhandels bei und bildeten die Grundlage für spätere Systeme wie Xetra. Insgesamt markiert IBIS einen wichtigen Schritt in der Digitalisierung und Effizienzsteigerung der Finanzmärkte.