Investment Advisers Act (1940) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Custody Rule Nächster Begriff: Ramp

Ein US-Gesetz, das die Registrierung und Regulierung von Anlageberatern vorschreibt, um Anleger durch Transparenz, Offenlegung und treuhänderische Pflichten zu schützen

Der Investment Advisers Act von 1940 ist ein zentrales Gesetz des US-amerikanischen Kapitalmarktrechts, das die Registrierung, Regulierung und Aufsicht von Investmentberatern (Investment Advisers) regelt. Es bildet zusammen mit dem Securities Act von 1933 und dem Securities Exchange Act von 1934 den regulatorischen Kernrahmen des US-Finanzmarktsystems. Der Investment Advisers Act (IAA) wurde im Zuge der großen Wirtschafts- und Finanzkrise der 1930er-Jahre geschaffen, um das Vertrauen in die Finanzmärkte wiederherzustellen und Missbrauch, Interessenkonflikte und Intransparenz im Bereich der Vermögensberatung zu verhindern.

Zielsetzung und Grundprinzipien

Das Hauptziel des Investment Advisers Act von 1940 besteht darin, Anleger vor Fehlverhalten, Täuschung und Interessenkonflikten durch professionelle Anlageberater zu schützen. Der Act verlangt von Investment Advisers unter anderem die Offenlegung wichtiger Informationen, die Einhaltung treuhänderischer Pflichten (Fiduciary Duties) und die Registrierung bei der Securities and Exchange Commission (SEC) oder einer zuständigen staatlichen Behörde.

Zu den zentralen Prinzipien gehören:

  1. Treuhänderische Pflicht (Fiduciary Duty) gegenüber den Kunden

  2. Offenlegungspflichten über Gebühren, Geschäftsbeziehungen und potenzielle Interessenkonflikte

  3. Regulierte Geschäftspraktiken im Umgang mit Kundengeldern, Aufträgen und Informationen

  4. Registrierungspflicht und regelmäßige Berichterstattung gegenüber Aufsichtsbehörden

Definition: Investment Adviser

Ein Investment Adviser im Sinne des IAA ist jede natürliche oder juristische Person, die gegen Entgelt:

  1. Anlageberatung in Bezug auf Wertpapiere erteilt,

  2. Analysen oder Berichte über Wertpapiere bereitstellt, und

  3. dies regelmäßig und gewerblich durchführt.

Die Definition ist weit gefasst und umfasst nicht nur klassische Vermögensverwalter, sondern auch Finanzplaner, Fondsberater, Robo-Advisors und Family Offices – soweit diese gegen Vergütung tätig sind. Es existieren jedoch spezifische Ausnahmetatbestände, etwa für Banken, Broker-Dealer, Anwälte oder Zeitungsverlage, sofern sie bestimmte Bedingungen erfüllen.

Registrierungspflicht und Ausnahmen

Investment Advisers, die in den Geltungsbereich des Gesetzes fallen, müssen sich grundsätzlich bei der SEC oder bei einer zuständigen staatlichen Aufsichtsbehörde (State Regulator) registrieren lassen. Die Zuständigkeit richtet sich nach dem verwalteten Vermögen (Assets Under Management, AUM):

  • ≥ 100 Millionen USD AUM → Registrierung bei der SEC

  • < 100 Millionen USD AUM → Registrierung auf Bundesstaatenebene, sofern keine Ausnahme greift

Ausnahmen von der Registrierungspflicht bestehen u. a. für:

  • Berater mit weniger als 15 Kunden und keiner Werbung (unter bestimmten Bedingungen)

  • Family Offices, die ausschließlich im Familieninteresse agieren

  • Berater für ausschließlich ausländische Kunden

  • Berater für Private Funds unter bestimmten Schwellenwerten (vor allem vor dem Dodd-Frank Act, heute stark eingeschränkt)

Pflichten registrierter Investment Advisers

Sobald ein Investment Adviser registriert ist, unterliegt er zahlreichen regulatorischen Verpflichtungen. Die wichtigsten Anforderungen sind:

  1. Fiduciary Duty
    Der Berater ist rechtlich verpflichtet, im besten Interesse seiner Kunden zu handeln. Dies umfasst die Vermeidung oder vollständige Offenlegung von Interessenkonflikten, eine faire Gebührenstruktur sowie Transparenz in Bezug auf Strategien und Risiken.

  2. Form ADV
    Berater müssen regelmäßig das Form ADV bei der SEC einreichen, das umfassende Angaben zu Unternehmensstruktur, AUM, Gebühren, Strategien, Interessenkonflikten, Disziplinarmaßnahmen und Geschäftsbeziehungen enthält. Dieses Formular ist öffentlich zugänglich über die Investment Adviser Public Disclosure (IAPD)-Datenbank.

  3. Buchführungs- und Aufbewahrungspflichten
    Investment Advisers müssen alle relevanten Unterlagen zu Geschäften, Kundenbeziehungen, E-Mail-Verkehr und Geschäftsentscheidungen für eine bestimmte Dauer speichern und bei Prüfungen verfügbar machen.

  4. Werbebeschränkungen (Advertising Rule)
    Werbung muss fair, ausgewogen und nicht irreführend sein. Seit der Reform der Marketingregel 2021 dürfen Berater unter bestimmten Bedingungen auch Testimonials, Performance-Werte und Social-Media-Inhalte verwenden – allerdings unter strengen Offenlegungspflichten.

  5. Custody Rule (Rule 206(4)-2)
    Bei Verwahrung von Kundengeldern sind besondere Schutzmaßnahmen vorgeschrieben, wie die Einschaltung eines Qualified Custodian und regelmäßige Prüfungen.

  6. Code of Ethics
    Jeder Adviser muss einen verbindlichen Ethik-Kodex vorlegen, der u. a. persönliche Wertpapiergeschäfte von Mitarbeitern, Vermeidung von Insiderhandel und Umgang mit Interessenkonflikten regelt.

  7. Compliance-Programm
    Größere Advisers müssen ein schriftliches Compliance-Programm unterhalten und einen Chief Compliance Officer (CCO) benennen, der für die Überwachung der regulatorischen Anforderungen zuständig ist.

Enforcement und Prüfungen

Die SEC und die zuständigen Behörden führen regelmäßige Routine- und Sonderprüfungen (Examinations) durch. Diese Prüfungen beinhalten:

  • Kontrolle der Buchführung und Aufbewahrungspflichten

  • Bewertung der Einhaltung der Fiduciary Duty

  • Prüfung auf unzulässige Vergütungssysteme

  • Überprüfung der Kommunikation mit Kunden und Werbung

Verstöße gegen den Investment Advisers Act können mit empfindlichen Sanktionen geahndet werden:

  • Geldstrafen

  • Lizenzentzug

  • Zivilrechtliche Schadensersatzforderungen

  • Strafrechtliche Konsequenzen (bei Betrug oder grober Fahrlässigkeit)

Investment Advisers Act und Private Funds

Eine besondere Bedeutung hat der Investment Advisers Act im Zusammenhang mit der Verwaltung von Private Funds, insbesondere Hedgefonds, Venture-Capital-Fonds oder Private-Equity-Fonds. Spätestens seit dem Dodd-Frank Act von 2010 unterliegen auch viele Berater dieser Fondsarten einer Registrierungspflicht und zusätzlichen Offenlegungsvorgaben.

Diese Fondsberater müssen insbesondere:

  • Fondsstruktur, Investoren und Strategien offenlegen

  • Interessenkonflikte im Verhältnis zu Limited Partners erklären

  • Regelmäßig Compliance-Audits und SEC-Prüfungen akzeptieren

Bedeutung im digitalen und internationalen Kontext

Mit der zunehmenden Digitalisierung von Finanzdienstleistungen und der Globalisierung von Investmentstrategien hat der Investment Advisers Act zusätzliche Relevanz gewonnen. Er wird u. a. angewendet auf:

  • Robo-Advisors, die automatisierte Anlagestrategien umsetzen

  • Cross-Border-Dienstleister, die US-Kunden betreuen

  • Krypto-basierte Investmentvehikel, sofern diese als Wertpapiere gelten

Zudem dient der Act als Referenzmodell für regulatorische Ansätze in anderen Ländern, z. B. bei der europäischen MiFID-II-Richtlinie oder dem britischen Financial Services and Markets Act.

Fazit

Der Investment Advisers Act von 1940 ist das zentrale US-Regelwerk zur Regulierung von Anlageberatern und Vermögensverwaltern. Er verpflichtet zur Registrierung, zur Einhaltung der treuhänderischen Pflichten, zur transparenzorientierten Offenlegung und zu umfassenden Compliance-Maßnahmen. Durch die weit gefasste Definition eines Investment Advisers, die Einführung klarer Verhaltensstandards und die Möglichkeit behördlicher Prüfungen schafft der Act einen klaren Rahmen zum Schutz der Anleger. In einer sich wandelnden Finanzwelt – geprägt von digitalen Assets, globalem Kapitalverkehr und neuen Beratungsformen – bleibt der Investment Advisers Act ein fundamentales Instrument für Marktaufsicht und Anlegerschutz.