Island Gap Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Inline Optionsscheine Nächster Begriff: Inside Day (ID)
Eine Kurslücke, die durch eine abgetrennte Preisinsel entsteht und eine starke Trendwende signalisiert, indem sie eine vollständige Trennung vom vorherigen Preisbereich markiert
Island Gap (deutsch: Insel-Gap oder Inselumkehr) ist ein Begriff aus der technischen Analyse, der eine spezielle Kombination zweier Kurslücken beschreibt, die zusammen eine Umkehrformation im Kursverlauf bilden. Das Muster signalisiert typischerweise eine Trendumkehr und zählt zu den sogenannten Reversal-Formationen. Es ist visuell auffällig und bei technischen Analysten besonders beliebt, da es mit vergleichsweise hoher Zuverlässigkeit auf einen Richtungswechsel hindeuten kann.
Definition und Struktur
Ein Island Gap entsteht, wenn ein Kursverlauf durch zwei entgegengesetzt gerichtete Kurslücken (Gaps) voneinander getrennt wird – es bildet sich ein „isolierter“ Kursbereich zwischen diesen Lücken. Die Formation ähnelt im Chartbild einer Insel, die vom übrigen Kursgeschehen abgetrennt ist.
Typischerweise setzt sich das Muster aus folgenden Elementen zusammen:
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Erstes Gap (Breakaway Gap): Kurslücke in Trendrichtung, z. B. nach oben in einem Aufwärtstrend.
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Konsolidierung oder kurze Kursphase auf dem neuen Preisniveau – „die Insel“.
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Zweites Gap in entgegengesetzter Richtung (Exhaustion Gap), das wieder auf das Kursniveau vor dem ersten Gap zurückführt.
Das Chartbild zeigt also einen vom restlichen Kursverlauf „abgetrennten“ Bereich – visuell einer Insel ähnelnd.
Typen von Island Gaps
Je nach Trendrichtung lassen sich zwei Hauptformen unterscheiden:
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Bullish Island Reversal:
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Tritt am Ende eines Abwärtstrends auf.
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Zunächst Gap nach unten (negatives Breakaway Gap).
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Danach Gap nach oben, das den Kurs zurück auf das vorherige Niveau bringt.
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Signalisiert potenzielle Trendumkehr nach oben.
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Bearish Island Reversal:
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Tritt am Ende eines Aufwärtstrends auf.
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Zunächst Gap nach oben (positives Breakaway Gap).
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Danach Gap nach unten zurück unter das Ausgangsniveau.
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Gilt als Umkehrsignal nach unten.
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Beide Varianten gelten als besonders starkes Umkehrsignal, wenn sie mit hohem Volumen einhergehen und von anderen Indikatoren bestätigt werden (z. B. RSI, MACD, Candlestick-Formationen).
Technische Relevanz
Island Gaps gelten als seltene, aber aussagekräftige Chartformationen, da sie auf plötzliche Richtungswechsel in Verbindung mit starker Marktpsychologie hindeuten. Die erste Kurslücke wird häufig durch Euphorie oder Panik verursacht, die zweite dann durch eine gegenteilige Überreaktion des Marktes.
Wichtige technische Aspekte:
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Die „Inselzone“ besteht meist aus wenigen Kerzen (1–5 Handelstage).
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Die beiden Gaps dürfen sich nicht überlappen.
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Das Schließen beider Gaps neutralisiert das Signal.
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Die Relevanz steigt mit der Größe der Lücken und der Handelsaktivität während der Inselphase.
Ursachen und Interpretation
Ein Island Gap reflektiert starke Meinungsumschwünge am Markt. Die erste Lücke zeigt eine beschleunigte Bewegung in Trendrichtung, die zweite eine plötzliche Kehrtwende – meist ausgelöst durch neue Informationen, enttäuschte Erwartungen oder das Erreichen psychologischer Kursmarken.
Beispiele für typische Ursachen:
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Quartalszahlen oder Gewinnwarnungen, die nach einer euphorischen Phase das Gegenteil auslösen.
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Makroökonomische Daten, die Marktmeinungen grundlegend verändern.
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Zinsentscheide oder geopolitische Ereignisse, die Trendüberzeugungen abrupt umkehren.
In der Praxis entstehen Island Gaps häufig in Zusammenhang mit Nachrichten, aber die Formation an sich ist rein charttechnisch definiert und erfordert keine externe Erklärung.
Strategische Anwendung
Island Gaps bieten klare Handelsansätze für technische Trader:
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Einstieg in Trendumkehrrichtung unmittelbar nach dem zweiten Gap.
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Stop-Loss-Platzierung außerhalb der „Insel“, also auf dem Kursniveau vor der ersten Lücke.
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Kurszielermittlung anhand der vorherigen Trendlänge oder technischer Unterstützungs-/Widerstandszonen.
Island-Gap-Formationen eignen sich besonders für:
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Kurz- bis mittelfristige Strategien
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Antizyklisches Handeln
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Absicherung bestehender Positionen bei Trendende
Limitierungen und Fehlsignale
Trotz ihrer Aussagekraft ist die Island-Gap-Formation nicht frei von Risiken:
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Sie ist vergleichsweise selten, insbesondere bei liquiden Großwerten.
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Geringe Kurslücken oder unklare Inselbildung können zu Fehldeutungen führen.
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Fehlende Bestätigung durch Volumen oder Folgebewegung reduziert die Aussagekraft.
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Schnelles Schließen eines Gaps (z. B. durch Intraday-Reversal) kann das Signal entwerten.
Daher sollte ein Island Gap nicht isoliert betrachtet werden, sondern stets in Kombination mit weiteren technischen Kriterien oder Marktinformationen.
Fazit
Das Island Gap ist eine besondere und visuell gut erkennbare Umkehrformation in der technischen Analyse, die durch zwei entgegengesetzte Kurslücken eine „Insel“ im Kursverlauf bildet. Es gilt als starkes Signal für eine bevorstehende Trendumkehr, vor allem wenn es mit erhöhtem Volumen und weiteren Indikatoren bestätigt wird. Trotz seiner Seltenheit bietet das Muster klare Handelsansätze und kann in übergeordneten Trends oder nach Nachrichtenereignissen wertvolle Hinweise für das Timing von Ein- und Ausstiegen liefern. Wie bei allen charttechnischen Signalen sollte das Island Gap nicht isoliert verwendet, sondern in den Gesamtzusammenhang der Marktstruktur eingeordnet werden.