Kassakurs Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Kassahandel Nächster Begriff: Kassamarkt

Ein am Börsentag ermittelter Preis für Wertpapiere, der durch das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage im regulären Handel festgelegt wird und als Grundlage für Transaktionen dient

Kassakurs ist ein Begriff aus dem Börsen- und Finanzwesen, der den Preis eines Finanzinstruments bezeichnet, zu dem es im sogenannten Kassahandel – also mit sofortiger Lieferung – gekauft oder verkauft werden kann. Der Kassakurs stellt den aktuellen Marktpreis dar und wird insbesondere im börslichen Handel im Rahmen einer Auktion als Einheitskurs festgestellt. In vielen Fällen werden die Begriffe Kassakurs und Einheitskurs synonym verwendet, wobei der Kassakurs den Kontext der sofortigen Erfüllung des Geschäfts besonders betont.

Bedeutung des Kassakurses im Kassahandel

Der Kassahandel (auch Spot-Handel genannt) ist ein Segment des Finanzmarktes, in dem Geschäfte mit sofortiger Lieferung und Abrechnung durchgeführt werden. Im Gegensatz dazu steht der Terminhandel, bei dem Lieferung und Zahlung zu einem späteren, festgelegten Zeitpunkt erfolgen.

Definition:
Der Kassakurs ist der Preis eines Finanzinstruments, zu dem ein Geschäft im Kassamarkt sofort abgeschlossen und abgewickelt wird.

Im Börsenkontext bedeutet dies, dass ein Wertpapier an einem bestimmten Handelstag zu einem bestimmten Preis ge- oder verkauft wird und die Erfüllung (Lieferung und Zahlung) in der Regel zwei Bankarbeitstage später erfolgt (sogenannte T+2-Abwicklung). Der Kassakurs wird regelmäßig durch Angebot und Nachfrage ermittelt und dient als zentrale Referenzgröße für verschiedenste Marktteilnehmer.

Ermittlung des Kassakurses an der Börse

An vielen Wertpapierbörsen, insbesondere im Präsenzhandel oder in elektronischen Handelssystemen mit Auktionsverfahren, wird der Kassakurs als Einheitskurs festgestellt. Dabei wird der Kurs so bestimmt, dass zu diesem Preis das größte mögliche Handelsvolumen umgesetzt werden kann.

Der Ablauf umfasst folgende Schritte:

  1. Sammlung der Kauf- und Verkaufsaufträge:
    Innerhalb eines definierten Zeitraums werden limitierte und unlimitierte Aufträge für ein Wertpapier entgegengenommen.

  2. Ermittlung des Ausgleichspreises:
    Der Preis, bei dem die größtmögliche Anzahl an Wertpapieren den Besitzer wechseln kann, wird als Kassakurs festgelegt.

  3. Ausführung und Zuteilung:
    Alle Aufträge, die zum festgestellten Kurs ausgeführt werden können, werden bedient. Bei Überhängen erfolgt eine anteilige Ausführung (Repartierung).

Der Kassakurs gilt für alle ausgeführten Geschäfte dieser Auktion – unabhängig davon, ob sie von institutionellen oder privaten Anlegern stammen.

Anwendungsbereiche des Kassakurses

Der Kassakurs hat in verschiedenen Bereichen des Finanzmarkts zentrale Funktionen:

  1. Preisbildung im börslichen Handel:
    Er ist ein maßgeblicher Kurs, insbesondere bei der Eröffnungs- und Schlussauktion sowie bei Papieren mit geringer Liquidität, die nicht im fortlaufenden Handel notiert sind.

  2. Bewertung von Vermögenswerten:
    Der Kassakurs dient als Marktpreis für die Bewertung von Portfolios oder Fondsanteilen am Bilanzstichtag.

  3. Berechnung von Indizes und Derivaten:
    Viele Aktienindizes nutzen den Kassakurs der zugrunde liegenden Wertpapiere zur täglichen Indexberechnung. Ebenso werden Optionen und Futures häufig auf Basis des Kassakurses bewertet.

  4. Grundlage für steuerliche Zwecke:
    Der Kassakurs wird zur Ermittlung des Veräußerungspreises bei der Besteuerung von Kapitalerträgen herangezogen.

  5. Transparenz und Marktvergleich:
    Als objektiver, auf Auktionsbasis ermittelter Kurs stellt der Kassakurs eine transparente und vergleichbare Preisbasis für Marktteilnehmer dar.

Kassakurs versus andere Kursarten

Zur genauen Einordnung des Kassakurses ist die Abgrenzung zu verwandten Kursarten notwendig:

Kursart Beschreibung
Kassakurs Preis bei sofortiger Lieferung (zumeist per Auktion ermittelt)
Briefkurs Kurs, zu dem Verkäufer bereit sind zu verkaufen
Geldkurs Kurs, zu dem Käufer bereit sind zu kaufen
Mittelkurs Durchschnitt aus Geld- und Briefkurs (ohne reales Geschäft)
Schlusskurs Letzter festgestellter Kurs eines Handelstages (häufig Kassakurs)
Terminkurs Kurs für ein Geschäft mit zukünftiger Lieferung
Fortlaufender Kurs Kurs, der im Echtzeit-Handel auf Basis einzelner Transaktionen entsteht

Besonderheiten bei verschiedenen Finanzinstrumenten

Der Kassakurs findet nicht nur bei Aktien Anwendung, sondern auch bei anderen Finanzinstrumenten:

  • Anleihen:
    Der Kassakurs spiegelt den Marktpreis einer Schuldverschreibung wider, exklusive Stückzinsen. Er wird häufig als Prozentwert des Nominalwerts angegeben.

  • Devisen:
    Im Devisenhandel bezeichnet der Kassakurs den aktuellen Wechselkurs für eine sofortige Lieferung (meist innerhalb von zwei Banktagen).

  • Rohstoffe:
    Auch Rohstoffe wie Gold oder Öl werden an Spotmärkten zu Kassakursen gehandelt.

Die exakte Ausgestaltung des Kassakurses hängt somit vom jeweiligen Marktsegment und Handelsplatz ab.

Einflussfaktoren auf den Kassakurs

Der Kassakurs ist Ausdruck des aktuellen Marktgleichgewichts und wird durch eine Vielzahl von Faktoren beeinflusst:

  1. Angebot und Nachfrage:
    Die klassische Marktmechanik ist die Haupttriebfeder der Preisbildung.

  2. Marktnachrichten und Unternehmensmeldungen:
    Ad-hoc-Meldungen, Quartalszahlen oder politische Ereignisse können das Verhalten der Marktteilnehmer kurzfristig beeinflussen.

  3. Liquidität des Wertpapiers:
    Aktien mit geringerem Handelsvolumen zeigen stärkere Kursausschläge und variablere Kassakurse.

  4. Technische Faktoren:
    Orderbuchstruktur, Handelsalgorithmus oder Reaktionszeit institutioneller Anleger wirken ebenfalls auf die Kursbildung.

  5. Makroökonomische Rahmenbedingungen:
    Zinsen, Inflationsdaten, Konjunkturindikatoren oder geopolitische Spannungen beeinflussen indirekt den Kassakurs über das Marktumfeld.

Vor- und Nachteile des Kassakurses

Vorteile:

  • Objektive Preisfeststellung:
    Der Kassakurs bietet einen fairen Marktpreis auf Basis tatsächlicher Nachfrage und Angebotslage.

  • Transparenz:
    Da er in der Regel öffentlich und nachvollziehbar ermittelt wird, fördert er das Vertrauen in den Markt.

  • Eignung für Bewertungen:
    Als Referenzkurs ist er geeignet für steuerliche Bewertungen, Bilanzierungen und Indexberechnungen.

Nachteile:

  • Zeitliche Verzögerung bei seltener Feststellung:
    Bei nicht fortlaufend gehandelten Papieren wird der Kassakurs nur einmal täglich festgestellt, was zu Informationslücken führen kann.

  • Begrenzte Aussagekraft bei geringer Liquidität:
    In Märkten mit geringen Umsätzen kann der Kassakurs verzerrt oder volatil sein.

  • Nicht immer vollständige Ausführung:
    Bei Auktionsverfahren kann es zu Teilausführungen oder Nichtausführungen kommen, insbesondere bei Überhängen.

Fazit

Der Kassakurs ist ein zentrales Element des Kassamarktes und bildet den Preis ab, zu dem ein Finanzinstrument aktuell gehandelt wird. Er wird häufig im Rahmen von Auktionen als Einheitskurs festgestellt und dient zahlreichen Zwecken – von der Bewertung über die Abwicklung bis zur Berechnung von Indizes und Derivaten. Trotz seiner Transparenz und Aussagekraft hängt seine Qualität wesentlich von der Liquidität und Markttiefe ab. Als objektiver Referenzkurs bleibt der Kassakurs ein unverzichtbarer Bestandteil effizienter Kapitalmärkte.