KILT Protocol Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Shiden Nächster Begriff: BOTLabs GmbH

Eine dezentrale Blockchain-Plattform im Polkadot-Ökosystem, die digitale Identitäten (DID) ermöglicht, um Nutzern die Kontrolle über ihre Daten zu geben und Verifizierung in Web3-Anwendungen sicher und skalierbar zu gestalten

KILT Protocol ist ein Blockchain-basiertes Identitätsprotokoll, das im Kusama-Ökosystem als Parachain betrieben wird. Es ermöglicht die Ausstellung, Speicherung und Überprüfung von dezentralen, datenschutzfreundlichen digitalen Identitäten und Berechtigungsnachweisen (sogenannten Verifiable Credentials) durch ein selbstbestimmtes Identitätsmodell (Self-Sovereign Identity, SSI). KILT zielt darauf ab, traditionelle Identitätslösungen aus dem Web2 – etwa Login-Dienste oder zentrale Verifizierungsdienste – durch eine vertrauenswürdige, skalierbare und interoperable Web3-Alternative zu ersetzen.

Hintergrund und Motivation

Das Projekt wurde von der Berliner Firma BOTLabs GmbH ins Leben gerufen und 2021 erfolgreich als Parachain im Kusama-Netzwerk gestartet. Ziel von KILT ist es, eine sichere, datensparsame und vertrauenswürdige digitale Identitätsinfrastruktur bereitzustellen, die nicht von zentralen Plattformen oder Behörden kontrolliert wird. Dies ist besonders relevant in Anwendungsfeldern wie KYC/AML-Prüfungen, Zugangskontrollen, digitaler Zertifizierung oder der Maschinenidentität im industriellen IoT.

KILT folgt dabei einem Grundsatz: Besitz und Kontrolle über Identität und persönliche Daten sollen beim Nutzer selbst liegen.

Technologische Grundlagen

KILT basiert auf dem Substrate-Framework und ist vollständig in das Kusama-Multichain-Netzwerk integriert. Als Parachain profitiert es von der Sicherheit der Relay Chain und kann über XCMP/XCM mit anderen Parachains interagieren.

Wichtige technologische Konzepte:

  1. Self-Sovereign Identity (SSI)
    Nutzer generieren ihre Identität selbst (Decentralized Identifier, DID), speichern sie lokal und entscheiden, welche Daten sie wem zur Verfügung stellen.

  2. Verifiable Credentials (VCs)
    Digitale Nachweise (z. B. Altersnachweis, Berufsstatus) werden von vertrauenswürdigen Stellen (Attestern) ausgestellt und können von Nutzern bei Bedarf selektiv vorgelegt werden.

  3. Rollen im KILT-Ökosystem

    • Claimer: Die Person oder Entität, die eine Identität beansprucht und belegen möchte.

    • Attester: Vertrauenswürdige Dritte, die Identitätsnachweise ausstellen.

    • Verifier: Dienstleister oder Institutionen, die die Gültigkeit eines Credentials überprüfen.

    • Delegator: Akteur, der seine Stimmrechte in der Governance an andere überträgt.

  4. On-Chain DIDs (Decentralized Identifiers)
    KILT verwendet ein DID-System mit optionaler On-Chain-Ankerung, um Identitäten manipulationssicher zu verifizieren.

  5. Speicherung und Datenschutz
    KILT speichert keine persönlichen Daten on-chain. Nur kryptografische Beweise (Hashes) werden auf der Blockchain verankert. Die eigentlichen Credentials bleiben beim Nutzer.

Der native Token: KILT

KILT ist der Utility- und Governance-Token des Protokolls und erfüllt folgende Funktionen:

  • Zahlung von Gebühren: Für das Erstellen und Verifizieren von Identitäten.

  • Staking: Für Collators, die Blöcke im Netzwerk produzieren und validieren.

  • Governance: KILT-Holder können über Protokoll-Upgrades, Parameteränderungen und Treasury-Anträge abstimmen.

  • Anreize: Belohnungen für Netzwerkteilnehmer, insbesondere für Attester, Collators und Governance-Akteure.

Die Tokenverteilung ist dabei auf nachhaltige Netzwerkentwicklung ausgelegt und unterliegt der Kontrolle durch ein On-Chain-Governance-Modell.

Anwendungsfelder

KILT wird in verschiedenen realweltlichen und Web3-orientierten Szenarien eingesetzt:

  1. Know Your Customer (KYC)
    Nutzer können von Attestern geprüfte Identitätsnachweise erzeugen und bei Finanzdienstleistern oder Börsen vorlegen, ohne ihre vollständigen Daten offenzulegen.

  2. Maschinen- und IoT-Identitäten
    KILT ermöglicht es, Industrierobotern oder Maschinen eine eindeutige Identität zu geben, die verifizierbar und vertrauenswürdig ist – wichtig für Automatisierung und Industrie 4.0.

  3. Digitale Reputationssysteme
    Identitäten können mit Nachweisen über Verhalten oder Fähigkeiten angereichert werden, etwa in Freelancer-Plattformen, DAO-Governance oder Content-Erstellung.

  4. Web3-Login (SocialKYC)
    Ein datenschutzfreundliches Login-System, das sich ohne zentrale Anbieter nutzen lässt – als Alternative zu Google, Facebook oder Apple Sign-in.

  5. Zugangskontrollen und Zertifizierungen
    VCs können den Nachweis über Berechtigungen, Mitgliedschaften oder Qualifikationen ermöglichen – z. B. für digitale Events, akademische Nachweise oder berufliche Zertifikate.

Shiden-Integration und Interoperabilität

Da KILT als Parachain auf Kusama läuft, ist es nativ interoperabel mit anderen Chains im Netzwerk. Über XCM (Cross-Consensus Messaging) können etwa Identitäten in Smart-Contracts anderer Chains (z. B. Shiden, Karura, Bifrost) verwendet werden. Auch Verifiable Credentials können in dApps außerhalb von KILT eingebunden werden – beispielsweise für Zugangskontrolle oder DeFi-Identifikation.

KILT ist darüber hinaus Teil übergeordneter Interoperabilitätsinitiativen im Polkadot/Kusama-Ökosystem, insbesondere in Bezug auf dezentrale Identitätsstandards.

Sicherheits- und Datenschutzprinzipien

  1. Keine zentralisierte Datenspeicherung
    Nutzer behalten die Kontrolle über ihre Daten, die dezentral gespeichert oder lokal auf Geräten abgelegt werden.

  2. Kryptografische Verankerung
    Nur Hashes der Credentials werden on-chain gespeichert, wodurch keine Rückschlüsse auf persönliche Informationen möglich sind.

  3. Widerspruchsmechanismen
    Attester können Credentials widerrufen. Verifier prüfen bei jeder Verwendung die Gültigkeit anhand aktueller Blockchain-Daten.

  4. Open-Source und Audits
    Der KILT-Code ist quelloffen, wird regelmäßig geprüft und von der Community weiterentwickelt.

Vergleich zu zentralen Identitätslösungen

Merkmal KILT Protocol Zentrale Login-Dienste (z. B. Google, Facebook)
Datenkontrolle Beim Nutzer Beim Anbieter
Interoperabilität Ja (Cross-Chain möglich) Nein
Wiederverwendbarkeit der ID Ja Nein
Datenschutz Hoch Gering
Nachweisbarkeit (Verifiability) Ja Eingeschränkt

Herausforderungen

  1. Adoption
    Der Erfolg hängt von der Integration durch Plattformen, Behörden und Unternehmen ab – sowohl im Web3 als auch im traditionellen Sektor.

  2. Komplexität des Identitätsmanagements
    Nutzer und Entwickler müssen mit neuen Konzepten wie DIDs, Attestern und VCs umgehen lernen.

  3. Regulatorische Entwicklungen
    Dezentrale Identitätsprotokolle stehen im Spannungsfeld von Datenschutzgesetzen, eIDAS 2.0 und anderen Regulierungen.

  4. Vertrauensnetzwerk für Attester
    Die Glaubwürdigkeit des Systems steht und fällt mit der Integrität und Reputation der Attester.

Fazit

KILT Protocol bietet eine datensparsame, selbstbestimmte und interoperable Infrastruktur für digitale Identitäten, die zentralisierte Web2-Modelle ablösen kann. Durch den Einsatz von Verifiable Credentials, Self-Sovereign Identity und On-Chain-Governance schafft KILT die Grundlage für vertrauensvolle Interaktionen in digitalen Ökosystemen – von Finanzanwendungen über Maschinenkommunikation bis hin zu digitalen Bürgerdiensten. Als Parachain im Kusama-Netzwerk ist KILT zugleich ein zentraler Baustein für datenschutzfreundliche Identität im Multichain-Web3-Kontext.