Leitzins

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Was versteht man unter dem Leitzins?

Der Leitzins wird von den zuständigen Zentralbanken eines Landes bzw. einer Währungsunion festgelegt und gibt die Konditionen an, zu denen sich die Geschäftsbanken Liquidität von ihren Noten- und Zentralbanken beschaffen können. Die Höhe des Leitzinses richtet sich nach verschiedenen Faktoren, deren Gewichtung in den Leitlinien der jeweiligen Noten- und Zentralbanken festgelegt ist.

Wie wird der Leitzins festgelegt?

Die Entscheidung bei der Festlegung des Leitzinses liegt bei der zuständigen Stelle der Zentralbank. In der Europäischen Zentralbank (EZB) ist dies der EZB-Rat und in der Deutschen Zentralbank der Rat der Zentralbank. Da die Bundesbank seit Januar 1999 nur die Exekutivagentur der Europäischen Zentralbank ist, die den Hauptzinssatz festlegt, wurde dem Zentralbankrat die Verantwortung für die Festsetzung des Hauptzinssatzes entzogen. Daher wurde diese Institution im April 2002 abgeschafft. 

Der Verwaltungsrat bestimmt den Zeitpunkt, den Umfang und die Richtung (Erhöhung / Verringerung) des Leitzinses.

Wie funktioniert der Leitzins?

Die Maßnahmen der Zentralbank müssen autonom (nur abhängig von der Entscheidung der Zentralbank), reversibel (kann erhöht und verringert werden) und flexibel (kann jederzeit verwendet und zurückgezogen werden) sein und die Verpflichtung zum Abschluss von Verträgen mit verbundenen Geschäftsbanken auslösen. Der Leitzins führt diese Funktionen nicht immer aus.

Der Leitzins als Instrument der Zentralbanken:

Die Aufgaben und Ziele von Zentralbanken sind prinzipiell gleich, unterscheiden sich aber in der jeweiligen Auffassung von Geldpolitik. Die wesentlichen Aufgaben einer Zentralbank ist es Preisniveaustabilität zu gewährleisten, für Geldwertstabilität (geringe Inflationsrate) zu sorgen und die Förderung des Wirtschaftswachstums im Auge zu behalten. Die Geldpolitik einer Zentralbank kann expansiv oder restriktiv sein. Eine expansive Geldpolitik setzt tendenziell auf eine großzügige Versorgung der Märkte mit Liquidität und zeichnet sich durch häufigere sowie stärkere Eingriffe, wie durch Leitzins-Veränderungen aus. Eine restriktive Geldpolitik hingegen setzt weniger auf Konjunkturpolitik, sondern mehr auf Geldwertstabilität, welche durch einen relativ hohen Leitzins geprägt ist.

Zu was dient der Leitzins?

Der Leitzins dient als:


  • Geldpolitisches Steuerungsmittel

Die Erhöhung der Leitzinsen verteuert die Beschaffung von Liquidität für Banken. Wenn Banken daher keine Gewinneinbußen hinnehmen wollen, müssen sie dieses Wachstum an Bankkunden weitergeben. Wenn umgekehrt der Leitzins gesenkt wird, können Geschäftsbanken leichter Geld leihen, wodurch sie es an Bankkunden weitergeben können. Daher wirkt sich der Leitzins auch indirekt auf die Preisentwicklung aus, da ein niedriger Leitzins das Inflationsrisiko birgt und umgekehrt.

Der Leitzins wirkt sich auch auf die Geldschöpfung von Kreditinstituten aus, da der Anstieg des Leitzinses die Möglichkeit der Geldschöpfung von Kreditinstituten einschränkt und umgekehrt. Die Fähigkeit der Banken, Geld zu schaffen, wirkt sich auf die Geldmenge aus. Wenn die Zentralbank die Geldmenge begrenzen will, kann sie die Geldmenge indirekt durch Anhebung des Leitzinses begrenzen. Die direkte Maßnahme zur Reduzierung der Geldmenge besteht in der Erhöhung der Mindestreserve. Die Kontrolle der Geldmenge über grundlegende Wechselkurse ist ein entscheidender Faktor für die Entwicklung des Preisniveaus.


  • Währungspolitisches Steuerungsmittel

Die Änderung des Leitzinses führt auch zu einer Änderung des Außenwerts der Währung, da durch die Erhöhung des Leitzinses der Wechselkurs der jeweiligen Währung steigt. Dies wirkt sich wiederum negativ auf die Exporte aus und verbilligt die Importe, wodurch sich die Handelsbedingungen verschlechtern. Da die Hartwährung einen niedrigeren Leitzins zulässt, sind der Leitzins und der Wechselkurs für beide Seiten vorteilhaft. Infolgedessen spiegelt der Leitzins auch die Erwartungen an Wechselkurse und Inflation wider. Die Bank of England wird bei der Festlegung des Leitzinses die Zahlungsbilanzsituation und die erwartete Inflationsrate berücksichtigen.


  • Beeinflussung von Wirtschaftswachstum und Arbeitslosenquote

Die meisten Zentralbanken bestimmen die Leitzinsen nicht mehr nur auf der Grundlage des Wachstums der Geldmenge und der Inflation, sondern berücksichtigen auch Benchmarks wie die Arbeitslosenquote und Abweichungen vom natürlichen Wirtschaftswachstum. Dies modifiziert das klassische LM-Modell. Daher übernimmt die Leitzinspolitik der Zentralbank auch die Funktion, die Arbeitslosenquote und das Wirtschaftswachstum zu beeinflussen. Zum Beispiel ermutigt billiges Geld Investoren und Verbraucher, in Kredite zu investieren, wodurch das Wirtschaftswachstum gefördert wird.


  • Orientierungsfunktion

Änderungen der Leitzinsen sind in den Nachrichten besonders ausgeprägt und werden von der Wirtschaft angemessen erfasst. Änderungen der Leitzinsen signalisieren der Wirtschaft, dass die Zentralbank und ihre geldpolitischen Entscheidungen die Wirtschaft in eine bestimmte Richtung lenken werden. Wirtschaftsunternehmen werden ihr Reaktionsverhalten an Änderungen des Hauptzinssatzes anpassen. Börsen sind in der Regel am empfindlichsten, da ein niedrigerer Leitzins in der Regel zu einem Anstieg der Aktienkurse führt und umgekehrt. Dies liegt daran, dass die Menschen erwarten, dass sich das Unternehmen aufgrund sinkender Anleiherenditen verbessert und / oder Anleihen in Aktien umwandelt.

In den letzten Jahren gab es jedoch eine zunehmende Entkopplung zwischen den Leitzinsen und den tatsächlichen von den Geschäftsbanken erhobenen Fremdkapitalzinssätzen. Obwohl der Hauptzinssatz (Hauptrefinanzierungszinssatz) seit Oktober 2008 stark gesenkt wurde, haben sich die Darlehenszinssätze nicht entsprechend entwickelt, während die Kreditzinssätze erheblich gesunken sind.

Welche Auswirkungen hat der Leitzins?

Die Veränderung des Leitzinses ist ein Instrument der Geldpolitik. Durch eine Leitzinsänderung ist es der jeweiligen Zentralbank möglich die Geldmenge zu beeinflussen und die wirtschaftliche Entwicklung (Wirtschaftswachstum, Inflation) eines Währungsraumes zu nehmen. Da der Zins nicht anderes als der Preis des Geldes ist, führt eine Zinserhöhung (Leitzins-Erhöhung)zu einer Verteuerung des Geldes. Dies führt zu einer Verknappung der Geldmenge, da es für die Geschäftsbanken teurer wird sich Geld von der Zentralbank zu leihen. Die Folge ist, dass weniger Kapital zur Verfügung gestellt wird. Die gestiegenen Kosten werden von den Kreditinstituten an die Kreditnehmer (Verbraucher) weitergegeben. Der Anreiz einen Kredit aufzunehmen sinkt somit für die Privatwirtschaft. Im Gegenzug lohnen sich z.B. verzinsliche Anlagen, da diese durch die gestiegenen Zinsen attraktiver sind. Die Konjunktur kühlt sich ab und die Folge ist ein Rückgang der Inflationsrate. Modelltheoretisch bedeutet dies einen Anstieg der Sparrate und ein Absinken der Investitionsrate bei einer Leitzinzerhöhung. Bei einer Senkung des Leitzinses steigt hingegen die Investitonsrate und die Sparrate sinkt, da sich die Kredite verbilligen und dies positive Auswirkungen auf das Konsum- und Investitionsverhalten hat. Die Möglichkeit eines Konjunkturaufschwunges und einer Belebung des Aktienmarktes steigt durch eine Senkung des Leitzinses an. Durch die wachsende Geldnachfrage und Geldmenge erhöht sich die Gefahr einer steigenden Inflationsrate. Zusätzlich wirkt sich eine Änderung des Leitzinses einer Währung (Zinssenkung/Zinssteigerung) auf die Stärke derselben im Vergleich zu ausländischen Währungen aus. Ein von der EZB angehobener Leitzins erhöht den Preis eines Euro (und umgekehrt). Dadurch wird eine Steuerung des Im- und Export eines Landes bzw. einer Währungsregion möglich.


Die wichtigsten Zinssätze:

Die Leitzins-Definition variiert von Land zu Land. So ist in der Europäischen Währungsunion (Euroland), der im Allgemeinen als Leitzins geltende, Hauptrefinanzierungssatz für Offenmarktgeschäfte, von Bedeutung. In England steht die Repo Rate im Mittelpunkt und in den USA gilt die Federal Funds Rate als Leitzins. Aufgrund der Tatsache das die Geschäftsbanken den überwiegenden Teil ihres Geldes über Refinanzierungsgeschäfte, z.B. durch das Hauptrefinanzierungsinstrument der Europäischen Zentralbank (EZB) beziehen, ist dieser von der EZB auferlegte Mindestbietungssatz, der generelle Leitzinssatz. 

Der Leitzins einer Zentralbank bestimmt den Zinsverkehr im gesamten Währungsraum. Es existieren im Euroraum neben den Hauptrefinanzierungssatz noch der Spitzenrefinanzierungssatz (Obergrenze des Tagesgeldsatzes) für die Spitzenrefinanzierungsfazilität und der Einlagesatz (Untergrenze des Tagesgeldsatzes), für die Einlagefazilität. Diesen beiden Finanzierungsinstrumenten kommt aber eine wesentlich geringere Bedeutung zu.