Lido Finance (stETH) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Kashi Nächster Begriff: Litecoin-Adressen
Eine liquide Staking-Lösung für Ethereum, die es Nutzern ermöglicht, beliebige Mengen ETH zu staken, stETH-Token zu erhalten und diese in DeFi-Anwendungen zu nutzen, während sie tägliche Staking-Belohnungen verdienen
Lido Finance ist ein dezentrales Protokoll zur Bereitstellung von Liquid Staking für Proof-of-Stake-Blockchains, mit besonderem Fokus auf Ethereum. Über Lido können Nutzer ihre ETH staken und erhalten im Gegenzug den Token stETH („staked Ether“), der die gestakten ETH plus die kumulierten Staking-Rewards repräsentiert. Damit bietet Lido eine Lösung für ein zentrales Problem im Ethereum-Staking: die Illiquidität der gestakten Token. Durch die Ausgabe von stETH wird gestaktes Kapital für andere Anwendungen im DeFi-Ökosystem nutzbar, ohne die Sicherheits- und Netzwerkfunktionalitäten des Stakings aufzugeben.
Hintergrund: Ethereum-Staking und Liquiditätsproblem
Mit der Umstellung von Ethereum auf den Konsensmechanismus Proof of Stake (PoS) – vollständig umgesetzt durch das „Merge“-Update im Jahr 2022 – ist das Netzwerk auf das Staking von ETH zur Sicherung und Validierung angewiesen. Nutzer, die am Staking teilnehmen möchten, müssen ETH in einen Smart Contract einzahlen und übernehmen so eine Validierungsrolle im Netzwerk. Die dafür notwendigen Voraussetzungen (mindestens 32 ETH pro Validator, technisches Know-how, Betrieb eines Nodes) stellen jedoch für viele private Nutzer eine Hürde dar.
Ein weiteres zentrales Problem besteht in der Bindung der gestakten ETH. Einmal im Staking-Vertrag hinterlegte ETH können nicht direkt bewegt, verkauft oder anderweitig genutzt werden. Dies reduziert die Kapitalflexibilität erheblich, insbesondere in einem dynamischen Marktumfeld.
Funktionsweise von Lido Finance
Lido Finance setzt genau an diesem Punkt an. Das Protokoll ermöglicht es Nutzern, beliebige ETH-Mengen zu staken – ohne eigene Infrastruktur – und stellt dafür im Gegenzug stETH-Token aus, die:
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den Anspruch auf die zugrunde liegenden gestakten ETH,
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sowie alle bis dahin angesammelten Staking-Rewards
repräsentieren. Der stETH-Token ist wertmäßig an ETH gebunden, wobei der Token nicht über einen festen Preismechanismus, sondern über die proportional wachsende Tokenmenge in ETH gedeckt ist. Das heißt: 1 stETH entspricht nicht zwangsläufig 1 ETH, sondern wächst kontinuierlich im Wert durch die Integration der Staking-Erträge.
Mechanismen im Detail
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Einzahlung in Lido: Nutzer senden ETH an das Lido-Protokoll. Diese ETH werden in Validierungs-Accounts weitergeleitet, die von einem dezentralen Netzwerk von Node-Betreibern verwaltet werden.
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Ausgabe von stETH: Im Gegenzug erhält der Nutzer stETH in entsprechender Menge. Diese Token sind vollständig liquide und können gehandelt, als Sicherheit hinterlegt oder für andere DeFi-Dienste verwendet werden.
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Staking-Erträge: Die durch das Staking generierten Belohnungen werden automatisch dem stETH-Wert gutgeschrieben. Dies erfolgt durch eine tägliche Anpassung der Tokenmenge auf der Grundlage der akkumulierten Erträge – ohne dass neue stETH ausgegeben oder zusätzliche Transaktionen erforderlich sind.
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Verwendung im DeFi-Ökosystem: stETH kann auf verschiedenen Plattformen (z. B. Aave, Curve, Yearn, MakerDAO) genutzt werden – etwa als Sicherheit für Kredite, zur Bereitstellung von Liquidität oder für Ertragsstrategien.
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Unstaking und Rücktausch: Seit der Freischaltung von Withdrawals in Ethereum nach dem „Shanghai“-Upgrade können Nutzer über Lido auch den Rücktausch von stETH in echtes ETH anfordern. Die Auszahlung erfolgt über eine Warteschlange („Withdrawal Queue“) und unterliegt netzwerkbedingten Zeitverzögerungen.
Governance und Sicherheitsstruktur
Lido wird durch eine DAO (Decentralized Autonomous Organization) gesteuert. Diese ist verantwortlich für:
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die Auswahl und Überwachung der Validatoren,
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die Protokollparameter (z. B. Gebühren, Sicherheitsrichtlinien),
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sowie die Integration neuer Features und Blockchain-Unterstützungen.
Die DAO entscheidet durch Token-basierte Abstimmungen, bei denen der LDO-Token als Governance-Token fungiert. Die Einnahmen des Protokolls – primär aus Gebühren auf Staking-Erträge – werden teilweise an LDO-Inhaber weitergeleitet oder zur Finanzierung der Protokollentwicklung verwendet.
Zum Schutz der gestakten Vermögenswerte setzt Lido auf Audits, Bug-Bounty-Programme und ein System zur Dezentralisierung der Validatoren. Risiken wie Slashing (Verlust von ETH durch Fehlverhalten eines Validators) werden über ein Pooling- und Versicherungssystem innerhalb des Protokolls abgefedert.
Risiken und Herausforderungen
Trotz der Effizienz und Akzeptanz von Lido im DeFi-Bereich bestehen verschiedene Risiken:
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Zentralisierungsrisiko: Da ein erheblicher Anteil der gestakten ETH über Lido erfolgt (Stand 2025: über 30 %), besteht die Gefahr einer zu starken Machtkonzentration im Netzwerk. Dies widerspricht den Grundprinzipien der Dezentralisierung.
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Smart-Contract-Risiken: Wie alle DeFi-Protokolle basiert auch Lido auf komplexen Smart Contracts, die trotz Sicherheitsüberprüfungen fehleranfällig sein können.
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Liquiditätsrisiko bei stETH: In Stressphasen des Marktes kann es zu Diskrepanzen zwischen dem Marktpreis von stETH und dem von ETH kommen (De-Pegging), da stETH nicht sofort in ETH rücktauschbar ist.
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Regulatorische Unsicherheit: Als intermediäres System zwischen Nutzer und Ethereum-Staking kann Lido in den Fokus von Regulierungsbehörden geraten, insbesondere im Hinblick auf Wertpapierregulierung und Transparenzanforderungen.
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Abhängigkeit von Oracles und Dritten: Die Preisfindung und Risikosteuerung hängen auch bei Lido von externen Komponenten wie Oracles und Validierungsinfrastrukturen ab.
Marktstellung und Bedeutung
Lido hat sich seit seiner Einführung zu einem der größten Staking-Anbieter im Ethereum-Ökosystem entwickelt. Der stETH-Token gehört zu den am weitesten verbreiteten Derivaten im Bereich Liquid Staking. Seine Integration in zentrale DeFi-Plattformen hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Staking nicht mehr nur eine passive Form der Kapitalbindung ist, sondern aktiv in Strategien mit eingebunden werden kann.
Durch die hohe Liquidität von stETH und die breite Akzeptanz im DeFi-Sektor gilt Lido heute als kritische Infrastrukturkomponente von Ethereum. Parallel dazu arbeitet das Protokoll an der Unterstützung weiterer Netzwerke wie Solana, Polygon oder Polkadot, um Liquid Staking auch dort zugänglich zu machen.
Fazit
Lido Finance stellt mit stETH eine innovative Lösung für das Liquiditätsproblem im Ethereum-Staking bereit. Das Protokoll ermöglicht es Nutzern, ETH zu staken und gleichzeitig liquide zu bleiben, indem sie stETH als handelbares und multifunktionales Derivat erhalten. Dank der Integration in das DeFi-Ökosystem können diese Token vielseitig verwendet werden, was eine hohe Kapital- und Nutzungseffizienz schafft. Gleichzeitig bestehen Risiken hinsichtlich Zentralisierung, Liquidität und regulatorischer Unsicherheit, die langfristig überwacht und adressiert werden müssen. Insgesamt bietet Lido jedoch einen wesentlichen Beitrag zur Weiterentwicklung von Ethereum als dezentralem, aber nutzerfreundlichem Finanzsystem.