Logan Paul (CryptoZoo, 2023) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Kim Kardashian (EthereumMax, 2022) Nächster Begriff: Finfluencer
Ein Paradebeispiel für die Risiken, die sich aus der Verbindung von Promi-Marketing, unregulierten Krypto-Projekten und fehlendem Anlegerschutz ergeben
Der Fall „Logan Paul (2023)“ steht exemplarisch für die Risiken und Schattenseiten des Krypto-Hypes, insbesondere im Zusammenhang mit NFT-Projekten (Non-Fungible Tokens), Prominentenmarketing und Influencer-getriebenem Finanzvertrieb. Der US-amerikanische YouTuber, Podcaster und Unternehmer Logan Paul, der über Millionen Follower auf sozialen Netzwerken verfügt, geriet im Jahr 2023 im Zusammenhang mit seinem NFT-Projekt CryptoZoo in die Kritik. Der Vorwurf: Er habe unter dem Deckmantel eines Spiels ein nicht funktionierendes, spekulatives Investitionsprodukt beworben – mit potenziell betrügerischem Charakter.
Dieser Fall verdeutlicht, wie Prominenz und Reichweite genutzt werden können, um Kleinanleger zum Kauf hochriskanter, oft intransparent strukturierter Produkte zu bewegen – insbesondere im unregulierten Bereich digitaler Vermögenswerte wie NFTs und Kryptowährungen.
Hintergrund: Das Projekt CryptoZoo
Im Jahr 2021, zur Hochphase des NFT-Booms, kündigte Logan Paul das Projekt CryptoZoo an. Es sollte ein „spaßiges blockchain-basiertes Spiel“ sein, bei dem Nutzer NFT-Eier kaufen und daraus virtuelle Tiere züchten konnten, die anschließend miteinander kombiniert werden sollten („Breeding“), um neue Kreaturen mit verschiedenen Werten zu erschaffen. Diese Tiere waren nicht nur digitale Sammlerstücke, sondern sollten angeblich auch eine passive Einkommensquelle generieren.
Für das Projekt wurde eine eigene Kryptowährung, der ZOO-Token, verwendet. Investoren mussten zunächst Ethereum (ETH) einsetzen, um ZOO-Token zu erwerben, mit denen dann die NFT-Eier gekauft wurden. Die Vision: Spieler investieren in NFTs, interagieren im Spiel und erhalten im Gegenzug finanzielle Erträge – ein typisches „Play-to-Earn“-Modell.
Vorwürfe und Kritik
Bereits Ende 2022 mehrten sich die Stimmen, dass CryptoZoo nicht wie versprochen funktionierte. Im Jahr 2023 wurden die Vorwürfe konkreter – unter anderem durch eine vielbeachtete investigative YouTube-Serie des Content Creators Coffeezilla (Stephen Findeisen), der Logan Paul öffentlich kritisierte. Die zentralen Vorwürfe:
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Das Spiel funktionierte nie wie angekündigt
Obwohl Millionen US-Dollar durch den Verkauf von NFTs eingenommen wurden, blieb das Spiel weitgehend unausgereift und unspielbar. -
Investoren wurden im Unklaren gelassen
Viele Anleger hatten auf Grundlage der Ankündigungen hohe Erwartungen an Funktionalität und Rendite. Es gab jedoch keine realistische Roadmap, kein funktionierendes Gameplay und kaum Transparenz. -
Interne Konflikte und Intransparenz
Die Projektstruktur war von Anfang an unklar. Es kam zu öffentlichen Auseinandersetzungen mit angeblichen Mitgründern, und es wurde berichtet, dass mehrere Beteiligte bereits frühzeitig große Mengen an ZOO-Token verkauft hatten, was auf ein „Pump-and-Dump“-Schema hindeuten könnte. -
Verlust von Investorengeldern
Viele Käufer verloren ihre Investitionen, da der Marktwert der NFTs und des ZOO-Tokens rapide fiel. Teilweise wurden die Token illiquide oder wertlos, da keine Nachfrage mehr bestand und die Projektentwicklung stillstand. -
Irreführende Werbung durch Logan Paul
Obwohl Logan Paul das Projekt massiv über seine Plattformen bewarb, blieb unklar, in welchem Umfang er persönlich am Projekt beteiligt war und in welcher Weise er Einnahmen daraus erzielte.
Reaktion von Logan Paul und juristische Folgen
Zunächst wies Logan Paul die Vorwürfe von sich und bezeichnete die Kritik als einseitig. Nach massiver öffentlicher Kritik, insbesondere durch die Berichterstattung von Coffeezilla und die Reaktion der Community, kündigte er jedoch an, Investoren teilweise zu entschädigen. Er versprach, ein Rückkaufprogramm für NFT-Besitzer im Umfang von rund 1,5 Millionen US-Dollar aufzulegen. Allerdings blieb die Umsetzung schleppend, und viele Anleger zweifelten an der Ernsthaftigkeit des Angebots.
Im März 2023 wurde schließlich eine Sammelklage gegen Logan Paul und weitere Beteiligte eingereicht. Die Kläger warfen ihm unter anderem vor:
- Täuschung durch falsche Versprechen
- Verstoß gegen Verbraucherschutzgesetze
- Anlagebetrug
- unrechtmäßige Bereicherung
Die rechtliche Bewertung solcher Fälle ist jedoch kompliziert, da viele NFT-Projekte außerhalb klassischer Finanzmarktregulierung agieren. In den USA ist weiterhin umstritten, ob und wann ein NFT als „Security“ (Wertpapier) im Sinne der SEC eingestuft werden muss.
Regulatorischer Kontext
Der Fall Logan Paul zeigt exemplarisch die Grauzone, in der viele Krypto-Projekte agieren. Aktuell bestehen in den meisten Jurisdiktionen noch keine klaren Regeln für:
- Haftung von Prominenten bei der Werbung für digitale Assets
- Klassifizierung von NFTs als Finanzinstrumente oder bloße digitale Güter
- Transparenzanforderungen für Token-Verkäufe
- Pflichten zur Offenlegung wirtschaftlicher Interessen
Die US-amerikanische Securities and Exchange Commission (SEC) hat allerdings in anderen Fällen – wie bei Kim Kardashian (2022) – deutlich gemacht, dass Werbung für Finanzprodukte ohne ordnungsgemäße Offenlegung sanktioniert werden kann.
Auch in Europa wird über die Einordnung von Krypto-Vermögenswerten im Rahmen der MiCA-Verordnung (Markets in Crypto-Assets Regulation) diskutiert. NFTs fallen bisher meist nicht unter die Regulierung, könnten aber künftig bei „serieller Ausgabe“ und „Finanzcharakter“ als regulierungspflichtige Assets gelten.
Gesellschaftliche und wirtschaftliche Folgen
Der Fall hat weit über den Kryptobereich hinaus Aufmerksamkeit erregt:
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Vertrauensverlust bei Privatanlegern
Viele Nutzer, die durch die Glaubwürdigkeit und Reichweite von Logan Paul investierten, fühlten sich getäuscht. Das hat auch zu einem allgemeinen Vertrauensverlust in NFT-Projekte geführt. -
Kritik am Finfluencer-Markt
Der Fall zeigt, wie Prominente ohne Finanzexpertise und ohne Aufsichtsrahmen mit der Hoffnung und dem Geld von Kleinanlegern spielen können. -
Stärkung von Aufklärungsinitiativen
Zivilgesellschaftliche Projekte, investigative YouTuber (wie Coffeezilla) und Verbraucherzentralen haben durch solche Fälle Rückenwind erhalten, um verstärkt auf Risiken hinzuweisen. -
Regulierungsdruck steigt
Politik und Aufsichtsbehörden sehen sich zunehmend in der Pflicht, regulatorische Lücken zu schließen – etwa durch Offenlegungspflichten, Kennzeichnungsvorgaben oder Lizenzpflichten für Krypto-Plattformen.
Fazit
Der Fall Logan Paul (2023) ist ein Paradebeispiel für die Risiken, die sich aus der Verbindung von Promi-Marketing, unregulierten Krypto-Projekten und fehlendem Anlegerschutz ergeben. In der Grauzone zwischen Entertainment und Finanzprodukt haben Prominente wie Logan Paul erheblichen Einfluss auf das Verhalten von Millionen von Investoren – besonders jungen, technikaffinen Menschen. Die fehlende Transparenz, mangelnde Produktreife und unklare rechtliche Rahmenbedingungen machen solche Projekte anfällig für Betrug, Täuschung und wirtschaftlichen Schaden.
Der Fall ruft daher nach strengerer Regulierung, mehr Medienkompetenz im Umgang mit Finfluencern und einem verantwortungsvollen Umgang mit digitalem Finanzmarketing. Er zeigt: Nicht jeder Hype in sozialen Medien ist eine seriöse Anlagechance – oft ist er schlicht ein Geschäftsmodell auf Kosten gutgläubiger Follower.