Louvre Accord (1987) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Plaza Accord (1985) Nächster Begriff: Cardano (ADA)
Ein Meilenstein in der Geschichte der internationalen Währungspolitik, das den Übergang von aktiver Wechselkurssteuerung zur vorsichtigeren Marktbeobachtung markierte und die Bedeutung koordinierter makroökonomischer Maßnahmen zur Reduktion globaler Ungleichgewichte betonte
Der Louvre Accord von 1987 war ein internationales finanzpolitisches Abkommen, das als Nachfolger des berühmten Plaza Accord (1985) entstand. Während beim Plaza Accord die Abwertung des US-Dollars im Zentrum stand, verfolgte das Louvre Accord das gegenteilige Ziel: eine Stabilisierung der Wechselkurse, insbesondere des US-Dollars, der nach dem Plaza Accord als zu stark gefallen galt. Das Abkommen markierte damit einen wichtigen Wendepunkt in der internationalen Währungspolitik der 1980er-Jahre.
Historischer Hintergrund
Nach dem Plaza Accord hatte der US-Dollar gegenüber anderen führenden Währungen – insbesondere dem japanischen Yen und der Deutschen Mark – massiv an Wert verloren. Zwischen 1985 und Anfang 1987 betrug der Rückgang des US-Dollars rund 40 Prozent gegenüber diesen Währungen. Dies führte zu mehreren Herausforderungen:
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Die Wettbewerbsfähigkeit der US-Wirtschaft verbesserte sich zwar, jedoch wurde befürchtet, dass eine zu starke Abwertung das Vertrauen in den Dollar gefährden und Kapitalabflüsse auslösen könnte.
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Japanische und deutsche Exporteure litten unter der starken Aufwertung ihrer Währungen, was in diesen Ländern zu wirtschaftlicher Unsicherheit und politischen Spannungen führte.
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Volatile Devisenmärkte behinderten den internationalen Handel und erschwerten die Geldpolitik der beteiligten Staaten.
Vor diesem Hintergrund kamen Vertreter der G7-Staaten – USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kanada und Italien – am 22. Februar 1987 im Louvre in Paris zusammen, um eine neue Phase der Währungskooperation einzuleiten.
Zielsetzung und Inhalte des Louvre Accord
Das Louvre Accord hatte primär das Ziel, die Devisenmärkte zu stabilisieren und weitere übermäßige Wechselkursbewegungen zu verhindern. Im Mittelpunkt stand dabei die Vereinbarung, dass die großen Volkswirtschaften ihre Währungen innerhalb bestimmter Bandbreiten stabilisieren wollten. Es war also der Versuch, eine Art „informelles Wechselkurssystem“ einzuführen, ohne formell zu festen Paritäten zurückzukehren.
Die wichtigsten Inhalte lauteten:
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Einvernehmen über angemessene Wechselkursniveaus, die als „fundamental gerechtfertigt“ galten.
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Verpflichtung zu koordinierten Interventionen, um übermäßige Marktbewegungen zu verhindern.
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Anpassungen der nationalen Wirtschaftspolitiken, um Handelsungleichgewichte zu verringern:
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Die USA verpflichteten sich zu einer Haushaltskonsolidierung.
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Japan sagte eine expansive Fiskalpolitik zu, um die Binnennachfrage zu stärken.
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Deutschland erklärte sich bereit, durch geldpolitische Lockerung das Wachstum zu fördern.
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Mathematische Grundlage: Fundamentaler Gleichgewichtskurs
Der Begriff des „fundamental gerechtfertigten Wechselkurses“ kann ökonomisch durch das Konzept des Fundamental Equilibrium Exchange Rate (FEER) beschrieben werden. Dieser ist definiert als der Wechselkurs, bei dem ein Land mittelfristig außenwirtschaftliches Gleichgewicht erreicht, ohne seine Geld- oder Fiskalpolitik zu überdehnen.
Mathematisch kann der Zielkurs \( E^* \) als jener Wechselkurs beschrieben werden, bei dem das Leistungsbilanzgleichgewicht besteht:
\[ \text{Leistungsbilanz}(E^*) = \text{Zielwert} \]
Die Länder versuchten, ihre Währungen um diesen Zielkurs zu stabilisieren. Wurde der Marktwert \( E \) zu stark über- oder unterschritten, verpflichteten sich die Zentralbanken zur Intervention.
Marktreaktionen und wirtschaftliche Folgen
Unmittelbar nach dem Louvre Accord reagierten die Märkte zunächst positiv. Der US-Dollar stabilisierte sich und verlor nicht weiter an Wert. Die Volatilität an den Devisenmärkten nahm vorübergehend ab.
Allerdings zeigten sich bald erste Probleme:
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Schwarzer Montag (19. Oktober 1987): Der weltweite Börsencrash beeinträchtigte das Vertrauen in koordinierte Wirtschaftspolitik und führte zu einem erneuten Verfall des Dollars.
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Uneinigkeit über Interventionen: In der Praxis war es schwierig, sich auf konkrete Maßnahmen zu einigen. Die unterschiedlichen wirtschaftspolitischen Interessen der Länder führten zu inkonsequenter Umsetzung.
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Verpasste Strukturreformen: Die im Louvre Accord versprochenen wirtschaftspolitischen Anpassungen wurden nur teilweise umgesetzt.
Trotz dieser Herausforderungen war das Abkommen ein wichtiges Signal für die internationale Zusammenarbeit.
Vergleich zum Plaza Accord
| Merkmal | Plaza Accord (1985) | Louvre Accord (1987) |
|---|---|---|
| Ziel | Abwertung des US-Dollars | Stabilisierung der Wechselkurse |
| Teilnehmer | G5 | G7 |
| Form | Öffentliche Erklärung und Interventionen | Öffentliche Erklärung mit makroökonomischen Zusagen |
| Wirkung | Starke Abwertung des Dollars | Kurzfristige Stabilisierung, später erneut instabil |
| Nachhaltigkeit | Temporärer Erfolg | Begrenzter Erfolg |
Rolle der Zentralbanken
Zentralbanken spielten eine Schlüsselrolle in der Umsetzung des Louvre Accord. Ihre Aufgaben umfassten:
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Direkte Devisenmarktinterventionen, um festgelegte Wechselkursniveaus zu verteidigen.
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Abstimmung der Geldpolitik, um Kapitalflüsse und Zinsdifferenzen auszugleichen.
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Kommunikation mit den Märkten, um Glaubwürdigkeit des Abkommens zu sichern.
In der Praxis war diese Koordination jedoch schwer umzusetzen, da nationale wirtschaftliche Ziele – insbesondere Preisstabilität und Beschäftigung – im Vordergrund standen.
Bewertung und langfristige Bedeutung
Der Louvre Accord wird in der wirtschaftsgeschichtlichen Literatur differenziert bewertet:
Positive Aspekte
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Demonstrierte weiterhin den Willen zur internationalen Zusammenarbeit.
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Signalwirkung für die Finanzmärkte.
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Temporäre Stabilisierung des Wechselkursumfelds.
Kritische Aspekte
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Unklare Definition des „fundamentalen Gleichgewichtskurses“.
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Fehlende institutionelle Mechanismen zur Durchsetzung.
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Unterschiedliche wirtschaftspolitische Zielsetzungen erschwerten Umsetzung.
Langfristig scheiterte der Versuch, ein informelles Wechselkursregime zu etablieren. Dennoch gilt der Louvre Accord als letzter bedeutender Versuch, auf G7-Ebene direkt auf Wechselkursentwicklungen einzuwirken. In späteren Jahrzehnten verlagerte sich der Fokus auf flexible Wechselkurse und makroökonomische Dialoge im Rahmen von G7 und G20.
Fazit
Das Louvre Accord von 1987 war ein Meilenstein in der Geschichte der internationalen Währungspolitik. Es markierte den Übergang von aktiver Wechselkurssteuerung zur vorsichtigeren Marktbeobachtung und betonte die Bedeutung koordinierter makroökonomischer Maßnahmen zur Reduktion globaler Ungleichgewichte. Trotz seiner begrenzten Wirkung bleibt das Abkommen ein historisches Beispiel für den Versuch, internationale Währungsstabilität durch politische Zusammenarbeit zu sichern – ein Ziel, das auch in der heutigen globalisierten Finanzwelt nichts an Aktualität verloren hat.