LUNA Classic vs. LUNA 2.0 Börsenlexikon Vorheriger Begriff: LUNA 2.0 Nächster Begriff: Exit Scam

LUNA Classic ist der Token der ursprünglichen Terra-Blockchain, während LUNA 2.0 der native Token der neuen Terra-Blockchain ist, die nach dem UST-Kollaps 2022 ohne algorithmische Stablecoins gestartet wurde

LUNA Classic und LUNA 2.0 sind zwei unterschiedliche Kryptowährungen, die aus demselben Blockchain-Projekt – dem Terra-Ökosystem – hervorgegangen sind. Der Ursprung dieser Unterscheidung liegt in einem signifikanten Ereignis innerhalb der Terra-Blockchain im Jahr 2022, das als einer der dramatischsten Vorfälle in der Geschichte des Kryptomarktes gilt: der Kollaps des algorithmischen Stablecoins TerraUSD (UST) und des zugehörigen Governance-Tokens LUNA. Im Zuge dieser Krise wurde das Terra-Projekt in zwei voneinander getrennte Blockchains aufgespalten, wobei die ursprüngliche Blockchain in LUNA Classic (LUNC) und die neue Blockchain in LUNA 2.0 (LUNA) umbenannt wurde.

Hintergrund und Kollaps des Terra-Ökosystems

Die ursprüngliche Terra-Blockchain war ein dezentralisiertes Open-Source-Blockchain-Protokoll, das vor allem durch sein Stablecoin-System bekannt wurde. Das zentrale Element war der algorithmische Stablecoin TerraUSD (UST), der durch eine enge Kopplung mit dem Token LUNA stabil gehalten werden sollte. Diese Kopplung basierte auf einem Mechanismus der Arbitrage: Nutzer konnten UST gegen einen Dollarwert in LUNA tauschen und umgekehrt, was bei Angebotsschwankungen für Preisstabilität sorgen sollte.

Im Mai 2022 kam es jedoch zu einer extremen Marktverwerfung. Durch massive Verkäufe verlor UST seine Bindung an den US-Dollar. Der algorithmische Stabilisierungsmechanismus geriet außer Kontrolle, da immer mehr LUNA zur Stabilisierung von UST ausgegeben wurde, wodurch der Preis von LUNA rapide fiel. Der daraus resultierende inflationäre Effekt führte zu einem Totalverlust des Token-Wertes. Innerhalb weniger Tage verloren sowohl UST als auch LUNA über 99 % ihres Wertes, was Anleger weltweit schwer traf.

Einführung von LUNA Classic

Nach dem Kollaps wurde die ursprüngliche Blockchain nicht gelöscht, sondern in Terra Classic umbenannt. Der zugehörige Token erhielt den Namen LUNA Classic (Ticker: LUNC). Dieser Schritt diente vor allem der Trennung der alten, durch den Kollaps belasteten Infrastruktur von einem potenziellen Neustart des Projekts.

LUNA Classic blieb dabei auf der ursprünglichen Blockchain bestehen und wird heute vorwiegend von einer Community weiterentwickelt, die an eine mögliche Erholung des Tokens glaubt. Der Fokus liegt mittlerweile weniger auf dem algorithmischen Stablecoin-System, sondern stärker auf der Aufrechterhaltung des Netzwerks, Community-Initiativen und potenziellen Reorganisationsmaßnahmen, wie z. B. Token-Burns zur Angebotsverknappung.

Einführung von LUNA 2.0

Als Reaktion auf den Vertrauensverlust und den wirtschaftlichen Schaden startete das Entwicklerteam von Terraform Labs um Do Kwon eine neue Blockchain – ohne algorithmischen Stablecoin und ohne Abhängigkeit von alten Strukturen. Diese neue Blockchain erhielt den Namen Terra 2.0, der zugehörige Token heißt LUNA (manchmal auch als LUNA 2.0 bezeichnet, um ihn vom Vorgänger abzugrenzen).

LUNA 2.0 wurde am 28. Mai 2022 durch einen sogenannten Hard Fork eingeführt. Im Rahmen dieses Forks erhielten viele frühere LUNA- und UST-Inhaber sogenannte Airdrops – also kostenlose Token der neuen Blockchain – als eine Form der Kompensation für ihre Verluste. Die neue Blockchain verfolgt einen unabhängigen Weg und verzichtet auf ein Stablecoin-Modell wie das frühere UST. Stattdessen liegt der Fokus auf einem dezentralen Finanz-Ökosystem (DeFi) sowie der Förderung von Anwendungen, die auf Terra 2.0 aufgebaut werden.

Technologische Unterschiede

Obwohl beide Blockchains technisch gesehen eine ähnliche Architektur aufweisen, gibt es wesentliche Unterschiede im Governance-Modell, in den wirtschaftlichen Mechanismen und in der strategischen Ausrichtung:

  1. Blockchain-Basis: Beide Blockchains basieren weiterhin auf dem Cosmos SDK, sind jedoch voneinander unabhängig.

  2. Stablecoin-Mechanismus: LUNA Classic ist weiterhin mit den Altlasten des UST verbunden, auch wenn USTC (TerraClassicUSD) mittlerweile weitgehend entwertet ist. LUNA 2.0 verzichtet komplett auf einen algorithmischen Stablecoin.

  3. Tokenomics: Die Tokenverteilung und die wirtschaftlichen Parameter unterscheiden sich erheblich. LUNA 2.0 wurde mit einem stark überarbeiteten Emissionsmodell und Airdrops zur Schadensbegrenzung gestartet, während LUNA Classic durch Inflation und anschließende Token-Burns geprägt ist.

  4. Community und Governance: Die Entwicklung von LUNA Classic wird hauptsächlich durch eine dezentrale Community getragen. LUNA 2.0 hingegen wird stärker von Terraform Labs gelenkt.

Marktentwicklung und Börsennotierung

Beide Token werden heute separat an verschiedenen Kryptobörsen gehandelt. Während LUNA Classic (LUNC) vor allem durch spekulatives Interesse und Community-Initiativen eine gewisse Relevanz behalten hat, positioniert sich LUNA 2.0 (LUNA) als zukunftsorientierter Layer-1-Blockchain-Token.

Die Marktkapitalisierung und das Handelsvolumen beider Token haben sich seit dem Kollaps jedoch auf einem deutlich niedrigeren Niveau stabilisiert als vor dem Mai 2022. Vertrauen und nachhaltige Entwicklung sind in beiden Projekten zentrale Herausforderungen.

Risiken und rechtliche Kontroversen

Der Terra-Kollaps hat nicht nur wirtschaftliche Schäden verursacht, sondern auch zahlreiche rechtliche und regulatorische Folgen nach sich gezogen. Insbesondere gegen Terraform Labs und seinen Gründer Do Kwon wurden international straf- und zivilrechtliche Ermittlungen eingeleitet. Dies wirft einen Schatten sowohl auf die Glaubwürdigkeit von Terra Classic als auch auf die Legitimität von Terra 2.0, obwohl letzteres sich offiziell von den Altlasten abgrenzt.

Für Anleger und Nutzer besteht weiterhin ein erhöhtes Risiko, insbesondere aufgrund der instabilen Governance-Strukturen, der regulatorischen Unsicherheit und der spekulativen Volatilität beider Token.

Fazit

LUNA Classic und LUNA 2.0 stehen symbolisch für eine Zäsur in der Geschichte des Terra-Ökosystems und der Kryptowährungen insgesamt. LUNA Classic repräsentiert die alte Blockchain, die durch einen fehlerhaften algorithmischen Stablecoin kollabierte und nun von einer Community weitergeführt wird, die auf mögliche Wiederbelebung durch Angebotsreduktion und spekulatives Interesse setzt. LUNA 2.0 ist ein Versuch, mit einer neuen Blockchain und einem neu strukturierten Token Vertrauen zurückzugewinnen, indem auf den problematischen Stablecoin-Mechanismus verzichtet wird.

Beide Projekte existieren heute unabhängig voneinander, verfolgen unterschiedliche Ziele und richten sich an unterschiedliche Nutzergruppen. Während LUNA Classic in der Hauptsache ein spekulatives Asset mit Community-Charakter ist, versteht sich LUNA 2.0 als neue Plattform für dezentrale Anwendungen im Web3-Kontext. Eine fundierte Auseinandersetzung mit den jeweiligen Risiken, Governance-Strukturen und technologischen Ausrichtungen ist für jede Investitionsentscheidung unerlässlich.