PEPP-Programm (EZB) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Anleihekaufprogramme der EZB (2015–2021) Nächster Begriff: Ende des Goldstandards
Eines der wichtigsten geldpolitischen Instrumente der EZB zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie
Das Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) war ein von der Europäischen Zentralbank (EZB) im März 2020 ins Leben gerufenes Anleihekaufprogramm, um die wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie in der Eurozone abzumildern. Das PEPP war eines der wichtigsten geldpolitischen Instrumente der EZB während der Pandemie und hatte ein Gesamtvolumen von 1,85 Billionen Euro.
Ziel des Programms war es, niedrige Zinsen und stabile Finanzmärkte in der Eurozone zu gewährleisten, um eine Wirtschaftskrise zu verhindern. Durch den Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen sollte sichergestellt werden, dass Regierungen, Unternehmen und Banken weiterhin günstige Kredite aufnehmen konnten.
Hintergrund: Warum wurde das PEPP eingeführt?
Die COVID-19-Pandemie stellte die Wirtschaft der Eurozone vor enorme Herausforderungen:
- Wirtschaftlicher Einbruch: Durch Lockdowns, Produktionsausfälle und Nachfragerückgänge drohte eine schwere Rezession.
- Steigende Staatsausgaben: Regierungen mussten massive Konjunkturprogramme finanzieren, um Unternehmen und Arbeitsplätze zu retten.
- Unsicherheit an den Finanzmärkten: Die Börsen erlebten im März 2020 dramatische Einbrüche, und die Anleihemärkte gerieten unter Druck.
- Auseinanderdriften der Zinsen in der Eurozone: Hochverschuldete Länder wie Italien und Spanien mussten plötzlich höhere Zinsen auf ihre Staatsanleihen zahlen, während Länder wie Deutschland von extrem niedrigen Zinsen profitierten.
Um eine neue Eurokrise zu verhindern, entschied sich die EZB unter Präsidentin Christine Lagarde für eine massive geldpolitische Intervention – das PEPP.
Funktionsweise des PEPP
Das PEPP wurde als Ergänzung zum bestehenden Asset Purchase Programme (APP) eingeführt, unterschied sich jedoch in einigen wichtigen Punkten:
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Flexibilität
- Im Gegensatz zu vorherigen Anleihekaufprogrammen war das PEPP deutlich flexibler.
- Die EZB konnte die Käufe zeitlich und geografisch variieren, um gezielt Länder mit starkem Finanzierungsbedarf zu unterstützen.
- Besonders südeuropäische Staaten wie Italien, Spanien und Griechenland profitierten, da sie von steigenden Zinsen bedroht waren.
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Erhöhtes Volumen
- Ursprünglich war das PEPP mit 750 Milliarden Euro ausgestattet.
- Aufgrund der anhaltenden Krise wurde es mehrfach aufgestockt und erreichte schließlich ein Gesamtvolumen von 1,85 Billionen Euro.
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Breites Spektrum an Anleihen
- Die EZB kaufte neben Staatsanleihen auch Unternehmensanleihen, gedeckte Schuldverschreibungen und Wertpapiere mit Vermögensbesicherung.
- Ziel war es, die Liquidität an den Finanzmärkten zu sichern.
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Negativzinsen und Bankenliquidität
- Banken konnten überschüssige Liquidität zu negativen Zinsen bei der EZB parken, um die Kreditvergabe zu fördern.
Auswirkungen des PEPP
1. Stabilisierung der Finanzmärkte
- Nach der Ankündigung des PEPP beruhigten sich die Märkte schnell.
- Der Anstieg der Renditen für südeuropäische Staatsanleihen wurde gestoppt, was eine neue Schuldenkrise verhinderte.
2. Niedrige Zinsen für Staaten und Unternehmen
- Regierungen konnten sich extrem günstig verschulden und Konjunkturpakete finanzieren.
- Unternehmen profitierten von günstigen Kreditkonditionen.
3. Unterstützung der Wirtschaftserholung
- Das PEPP half, eine tiefe Rezession zu vermeiden.
- Die Eurozone konnte sich 2021 schneller erholen als viele andere Wirtschaftsräume.
4. Risiken und Kritik
- Übermäßige Geldschöpfung: Kritiker warnten, dass das viele billige Geld langfristig zu Inflation führen könnte.
- Verzerrung der Märkte: Durch die massiven Anleihekäufe wurden Marktmechanismen außer Kraft gesetzt.
- Abhängigkeit der Staaten von der EZB: Viele Länder verließen sich darauf, dass die EZB ihre Schulden finanzierte.
Ende des PEPP und geldpolitische Wende
- Im März 2022 beendete die EZB die Anleihekäufe im Rahmen des PEPP.
- Aufgrund steigender Inflation begann die EZB 2022 mit Zinserhöhungen, um das viele in Umlauf gebrachte Geld wieder einzudämmen.
Fazit
Das Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) war eines der wichtigsten geldpolitischen Instrumente der EZB zur Bekämpfung der wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie. Es half, die Finanzmärkte zu stabilisieren, Kredite erschwinglich zu halten und eine tiefe Wirtschaftskrise in der Eurozone zu verhindern.
Allerdings führte das massive Drucken von Geld langfristig zu Inflation und brachte neue Herausforderungen für die Geldpolitik mit sich. Die EZB steht nun vor der Aufgabe, die Wirtschaft nach dieser extrem expansiven Phase wieder auf einen stabilen geldpolitischen Kurs zu bringen.