Proof-of-Staked-Authority (PoSA) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Polygon-Token (MATIC) Nächster Begriff: Pure Proof of Stake (PPoS)
Ein Konsensmechanismus, der Proof of Stake mit einem Authority-Modell kombiniert, bei dem ausgewählte Validatoren, die Vermögenswerte hinterlegen, Transaktionen validieren und Blöcke in einem Blockchain-Netzwerk wie Polygon erstellen
Proof-of-Staked-Authority (PoSA) ist ein hybrider Konsensmechanismus, der Elemente von Proof of Authority (PoA) und Proof of Stake (PoS) kombiniert. Er wurde entwickelt, um die Vorteile beider Ansätze zu nutzen: die Effizienz und geringe Latenzzeit von PoA sowie die Dezentralisierung und Sicherheit durch ökonomische Anreize aus PoS. PoSA kommt insbesondere in permissioned oder semi-permissioned Blockchain-Netzwerken zum Einsatz, die sowohl Leistungsfähigkeit als auch eine gewisse Offenheit anstreben – ein prominentes Beispiel ist die BNB Smart Chain (BSC) von Binance.
Grundlagen und Zielsetzung
Die zentralen Ziele des PoSA-Mechanismus sind:
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Hohe Transaktionsgeschwindigkeit und kurze Blockzeiten
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Reduzierter Energieverbrauch gegenüber Proof of Work (PoW)
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Vertrauenswürdige, aber nicht zentralisierte Validatorenstruktur
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Ökonomischer Anreiz zur Netzwerkabsicherung durch Staking
PoSA wurde insbesondere für Netzwerke konzipiert, die skalierbar und gleichzeitig kompatibel mit der Ethereum Virtual Machine (EVM) sein sollen. Es bietet eine Alternative zu klassischen Konsenssystemen, bei denen entweder hohe Energieaufwendungen (wie bei PoW) oder hohe Anforderungen an technische Dezentralisierung (wie bei reinen PoS-Systemen) bestehen.
Technischer Aufbau
Der PoSA-Mechanismus funktioniert folgendermaßen:
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Auswahl von Validatoren (Authority Nodes)
Nur eine begrenzte Anzahl vertrauenswürdiger Teilnehmer kann Blöcke produzieren. Diese sogenannten Validatoren oder Blockproduzenten müssen eine bestimmte Menge an Tokens (z. B. BNB auf der BNB Smart Chain) hinterlegen – sie „staken“ also Tokens, um sich für die Blockproduktion zu qualifizieren. Die Auswahl ist nicht offen wie bei klassischen PoS-Systemen, sondern basiert auf Zulassungskriterien. -
Staking-basierte Teilnahme
Die Teilnahme am Konsens erfordert eine finanzielle Einlage (Stake). Dies schafft einen ökonomischen Anreiz zur Integrität: Validatoren riskieren den Verlust ihrer gestakten Tokens bei nachgewiesenem Fehlverhalten. -
Autoritätsbasierte Blockproduktion
Die Validatoren wechseln sich in einem festen oder semi-zufälligen Schema bei der Blockproduktion ab – ähnlich wie bei Proof of Authority. Die endgültige Auswahl und Reihenfolge kann auf Zufallsverfahren oder gewichteten Stimmrechten basieren. -
Slashing- und Belohnungsmechanismen
Wie in PoS-Systemen können Validatoren durch Slashing bestraft werden, etwa bei Inaktivität oder Manipulationsversuchen. Gleichzeitig erhalten sie Belohnungen aus Transaktionsgebühren und ggf. Blocksubventionen.
Unterschiede zu verwandten Konsensmechanismen
| Merkmal | Proof of Work (PoW) | Proof of Stake (PoS) | Proof of Authority (PoA) | Proof-of-Staked-Authority (PoSA) |
|---|---|---|---|---|
| Energieverbrauch | Hoch | Niedrig | Niedrig | Niedrig |
| Dezentralisierungspotenzial | Hoch | Mittel bis Hoch | Gering | Mittel |
| Teilnahmebeschränkung | Offen (Mining) | Offen (Staking) | Geschlossene Gruppe | Zulassung mit Stake |
| Blockzeit | Langsam | Variabel | Schnell | Schnell |
| Anreize/Belohnung | Mining-Belohnung | Staking-Belohnung | Kein/geringer Anreiz | Staking-Belohnung |
Vorteile
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Hohe Performance: Schnelle Blockzeiten (z. B. 3 Sekunden bei der BNB Smart Chain) ermöglichen Anwendungen mit hohen Transaktionsvolumina.
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Reduzierter Energieverbrauch: Da kein Mining erforderlich ist, ist PoSA wesentlich energieeffizienter als PoW.
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Starke ökonomische Anreize: Durch das Staking-Modell erhalten Validatoren finanzielle Motivation für korrektes Verhalten.
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Kompatibilität mit bestehenden Infrastrukturen: PoSA kann problemlos mit EVM-kompatiblen Tools, Smart Contracts und dApps kombiniert werden.
Nachteile
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Geringere Dezentralisierung: Die begrenzte Anzahl an Validatoren kann zu einer zentralisierten Kontrolle führen, insbesondere wenn die Auswahl durch zentrale Stellen erfolgt.
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Abhängigkeit von vertrauenswürdigen Parteien: Da Validatoren meist über ein Genehmigungsverfahren ausgewählt werden, besteht ein gewisses Vertrauenserfordernis („trust assumption“).
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Potenzielle Intransparenz: In Netzwerken mit wenig öffentlich einsehbarer Governance kann die Auswahl und das Verhalten der Validatoren intransparent sein.
Anwendung: BNB Smart Chain (BSC)
Ein prominentes Beispiel für die Nutzung von PoSA ist die BNB Smart Chain, die 2020 von Binance eingeführt wurde. Dort operieren:
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21 aktive Validatoren, die jeweils BNB staken müssen,
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eine große Zahl an Delegatoren, die durch Staking BNB zur Verfügung stellen und Validatoren unterstützen können,
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ein rotierendes System zur Auswahl der Validatoren auf Grundlage der gestakten Menge und Aktivität.
Die BSC kombiniert damit hohe Transaktionsgeschwindigkeit mit einer gewissen Form der wirtschaftlich abgesicherten Autorität, allerdings auf Kosten eines geringeren Dezentralisierungsgrads.
Governance und Weiterentwicklung
In vielen PoSA-Systemen ist die On-Chain-Governance begrenzt oder zentralisiert geregelt. Allerdings gibt es Entwicklungen, die darauf abzielen, PoSA transparenter und inklusiver zu gestalten – etwa durch Delegation von Stimmrechten, Community-Wahlen von Validatoren oder hybride Entscheidungsprozesse.
Darüber hinaus sind Erweiterungen denkbar, etwa:
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Dynamic Validator Sets: Dynamische Anpassung der Anzahl und Zusammensetzung der Validatoren.
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Slashing Policies: Feinjustierung von Sanktionen für Fehlverhalten.
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Cross-Chain-Kompatibilität: Einsatz von PoSA in interoperablen Netzwerken oder Sidechains.
Fazit
Proof-of-Staked-Authority (PoSA) ist ein leistungsfähiger Konsensmechanismus, der Geschwindigkeit, Energieeffizienz und ökonomische Sicherheit miteinander kombiniert. Durch die Verbindung von Proof of Stake und Proof of Authority eignet er sich besonders für EVM-kompatible Blockchains mit hohen Leistungsanforderungen, aber kontrollierter Validatorenstruktur. Während PoSA klare Vorteile in Bezug auf Performance und Implementierbarkeit bietet, sind die Einschränkungen im Bereich Dezentralisierung und Transparenz nicht zu vernachlässigen. Insgesamt stellt PoSA eine pragmatische Lösung dar, insbesondere für Anwendungen, bei denen Skalierbarkeit und Benutzerfreundlichkeit im Vordergrund stehen.