ROIC Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Free Cash Flow Nächster Begriff: World Economic Forum (WEF)

Eine der aussagekräftigsten Kennzahlen zur Bewertung der operativen Rentabilität eines Unternehmens

Return on Invested Capital (ROIC) ist eine der wichtigsten Kennzahlen zur Bewertung der Rentabilität eines Unternehmens. Sie gibt an, wie effizient ein Unternehmen sein investiertes Kapital nutzt, um Gewinne zu erwirtschaften. Investoren und Analysten verwenden den ROIC, um Unternehmen miteinander zu vergleichen und zu beurteilen, ob ein Unternehmen langfristig Wert für seine Aktionäre schafft.

Bedeutung des ROIC

ROIC misst, wie gut ein Unternehmen Kapital einsetzt, um Gewinne zu generieren. Im Gegensatz zu anderen Rentabilitätskennzahlen wie der Eigenkapitalrendite (ROE) oder der Gesamtkapitalrendite (ROA) berücksichtigt der ROIC sowohl Eigenkapital als auch Fremdkapital, das für das operative Geschäft genutzt wird.

Ein hoher ROIC bedeutet, dass das Unternehmen seine Investitionen effizient einsetzt und hohe Erträge erwirtschaftet. Wenn der ROIC über den Kapitalkosten (WACC – Weighted Average Cost of Capital) liegt, schafft das Unternehmen Mehrwert für seine Investoren. Liegt der ROIC hingegen unter den Kapitalkosten, deutet dies darauf hin, dass das Unternehmen Kapital nicht effizient nutzt und möglicherweise Verluste erwirtschaftet.

Berechnung des ROIC

Die Formel für den ROIC lautet:

\[ ROIC = \frac{\text{NOPAT}}{\text{Investiertes Kapital}} \]

1. NOPAT (Net Operating Profit After Tax)
Der NOPAT ist der operative Gewinn nach Steuern, also der Gewinn, den ein Unternehmen aus seinem Kerngeschäft erwirtschaftet, ohne Berücksichtigung von Fremdfinanzierungskosten und außerordentlichen Posten.

\[ NOPAT = EBIT \times (1 - \text{Steuersatz}) \]

  • EBIT (Earnings Before Interest and Taxes): Das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern.
  • Steuersatz: Der durchschnittliche effektive Steuersatz des Unternehmens.

2. Investiertes Kapital (Invested Capital)
Das investierte Kapital umfasst sowohl das Eigenkapital als auch das Fremdkapital, das für das operative Geschäft genutzt wird. Es wird wie folgt berechnet:

\[ \text{Investiertes Kapital} = \text{Gesamtkapital} - \text{nicht betriebsnotwendiges Kapital} \]

Oder detaillierter:

\[ \text{Investiertes Kapital} = \text{Eigenkapital} + \text{Fremdkapital} - \text{Barmittel und nicht operative Vermögenswerte} \]

Hierbei werden überschüssige Barmittel und nicht betriebsnotwendige Vermögenswerte abgezogen, da sie nicht zur operativen Wertschöpfung des Unternehmens beitragen.

Beispielrechnung für den ROIC

Angenommen, ein Unternehmen weist folgende Werte auf:

Position Betrag (in Mio. €)
EBIT 500
Steuersatz 25 %
Eigenkapital 2.000
Fremdkapital 1.000
Barmittel und nicht betriebsnotwendiges Kapital 200

Schritt 1: Berechnung des NOPAT

\[ NOPAT = 500 \times (1 - 0,25) = 375 \]

Schritt 2: Berechnung des investierten Kapitals

\[ \text{Investiertes Kapital} = 2.000 + 1.000 - 200 = 2.800 \]

Schritt 3: Berechnung des ROIC

\[ ROIC = \frac{375}{2.800} = 13,39\% \]

Dieses Ergebnis zeigt, dass das Unternehmen eine Rendite von 13,39 % auf sein investiertes Kapital erzielt.

Interpretation des ROIC

  • ROIC > WACC: Das Unternehmen erwirtschaftet eine Rendite, die über den Kapitalkosten liegt, und schafft somit Wert für die Investoren.
  • ROIC < WACC: Das Unternehmen erzielt eine zu geringe Rendite, was darauf hindeutet, dass Kapital ineffizient eingesetzt wird.

Wenn beispielsweise die Kapitalkosten eines Unternehmens bei 10 % liegen und der ROIC 13,39 % beträgt, erwirtschaftet das Unternehmen eine Überrendite von 3,39 %, was positiv zu bewerten ist.

Vergleich mit anderen Rentabilitätskennzahlen

Kennzahl Formel Bedeutung
ROIC NOPAT / Investiertes Kapital Misst die Rentabilität des gesamten investierten Kapitals.
ROE (Return on Equity) Nettogewinn / Eigenkapital Zeigt die Rendite für Eigenkapitalgeber.
ROA (Return on Assets) EBIT / Gesamtkapital Misst die Rentabilität bezogen auf das gesamte Vermögen.

Der ROIC ist aussagekräftiger als der ROE oder ROA, da er die operative Rentabilität unabhängig von der Finanzierungsstruktur eines Unternehmens darstellt.

Faktoren, die den ROIC beeinflussen

  1. Profitabilität des Kerngeschäfts: Höhere EBIT-Margen führen zu einem höheren NOPAT, was den ROIC steigert.
  2. Effizienz des Kapitaleinsatzes: Unternehmen, die ihr Kapital effizient nutzen, können den ROIC maximieren.
  3. Steuersatz: Ein höherer Steuersatz verringert den NOPAT und damit den ROIC.
  4. Investitionsstrategie: Große Investitionen in neue Projekte können den ROIC kurzfristig senken, aber langfristig zu Wachstum führen.

ROIC in der Praxis

Viele erfolgreiche Unternehmen haben einen nachhaltig hohen ROIC. Technologieunternehmen wie Apple oder Microsoft weisen oft hohe ROIC-Werte auf, da sie hohe Margen erzielen und wenig physisches Kapital benötigen. Kapitalintensive Branchen wie Automobilindustrie oder Versorgungsunternehmen haben oft niedrigere ROIC-Werte, da große Investitionen in Infrastruktur notwendig sind.

Hier sind einige Beispiele für typische ROIC-Werte in verschiedenen Branchen:

Branche Durchschnittlicher ROIC
Technologie 15–30 %
Konsumgüter 10–20 %
Industrie 8–15 %
Versorger 5–10 %

Vor- und Nachteile des ROIC

Vorteile

  • Vergleichbarkeit über verschiedene Kapitalstrukturen hinweg: Da ROIC unabhängig von der Finanzierungsstruktur ist, eignet er sich gut für Vergleiche zwischen Unternehmen.
  • Gute Messgröße für Kapitalrendite: ROIC zeigt, ob ein Unternehmen effizient mit seinem Kapital wirtschaftet.
  • Nützlich für langfristige Investitionsentscheidungen: Investoren können Unternehmen mit hohem ROIC als potenziell wertsteigernde Investments identifizieren.

Nachteile

  • Erfordert Bereinigungen: Nicht betriebsnotwendige Vermögenswerte müssen herausgerechnet werden, was die Berechnung komplizierter macht.
  • Kurzfristige Verzerrungen möglich: Große Investitionen können den ROIC vorübergehend senken, obwohl sie langfristig Wert schaffen.
  • Steuerliche Unterschiede: Der Steuersatz kann je nach Land oder Unternehmensstruktur variieren und den ROIC beeinflussen.

Fazit

Der ROIC ist eine der aussagekräftigsten Kennzahlen zur Bewertung der operativen Rentabilität eines Unternehmens. Er zeigt, wie effizient ein Unternehmen sein investiertes Kapital nutzt und ob es Wert für Investoren schafft. Ein ROIC, der über den Kapitalkosten liegt, ist ein starkes Zeichen für ein gut geführtes Unternehmen mit nachhaltiger Profitabilität. Trotz einiger Schwächen ist der ROIC eine unverzichtbare Kennzahl für Investoren, Unternehmensleiter und Analysten, um langfristige Investitionsentscheidungen zu treffen.