Rural Electrification Administration (REA) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Tennessee Valley Authority (TVA) Nächster Begriff: Federal Emergency Relief Administration (FERA)
Eine der erfolgreichsten Initiativen des New Deal, die die wirtschaftliche und soziale Landschaft der USA nachhaltig verändert hat
Die Rural Electrification Administration (REA) war eine US-amerikanische Regierungsbehörde, die 1935 im Rahmen des New Deal von Präsident Franklin D. Roosevelt gegründet wurde. Ihr Ziel war die Elektrifizierung ländlicher Gebiete, die zuvor aufgrund wirtschaftlicher und technischer Herausforderungen weitgehend ohne elektrischen Strom geblieben waren.
Hintergrund und Notwendigkeit der REA
In den frühen 1930er-Jahren hatten nur etwa 10 % der ländlichen Haushalte in den USA Zugang zu Elektrizität, während dieser Anteil in städtischen Gebieten bereits über 90 % betrug. Der Grund für diese Diskrepanz lag in der hohen Investitionssumme, die notwendig war, um abgelegene Farmen und ländliche Gemeinden mit Stromleitungen zu versorgen. Private Elektrizitätsunternehmen hielten es für unrentabel, die Infrastruktur in dünn besiedelten Gebieten auszubauen, da die Kosten für den Netzausbau pro Haushalt erheblich höher waren als in städtischen Regionen.
Diese Situation führte zu einer wirtschaftlichen und sozialen Benachteiligung ländlicher Gebiete. Ohne Elektrizität waren Bauern und Landbewohner auf traditionelle, arbeitsintensive Methoden angewiesen, während städtische Haushalte und Unternehmen von modernen Technologien profitieren konnten. Zudem erschwerte das Fehlen von Strom den Zugang zu modernen Kommunikationsmitteln, medizinischer Versorgung und Bildungseinrichtungen.
Gründung und Zielsetzung der REA
Um dieses Problem zu lösen, wurde die Rural Electrification Administration am 11. Mai 1935 durch eine präsidentielle Exekutivverordnung ins Leben gerufen. Ein Jahr später wurde sie durch den Rural Electrification Act von 1936 gesetzlich verankert. Die Behörde wurde mit der Aufgabe betraut, Kredite an ländliche Genossenschaften und andere nicht-kommerzielle Organisationen zu vergeben, die bereit waren, elektrische Netze in entlegenen Gebieten aufzubauen und zu betreiben.
Die Hauptziele der REA umfassten:
- Bereitstellung zinsgünstiger Darlehen für ländliche Elektrifizierungsprojekte
- Förderung von Elektrizitätsgenossenschaften, um eine gemeinschaftliche Entwicklung der Infrastruktur zu ermöglichen
- Senkung der Kosten für Stromnetzausbau und Elektrizitätsnutzung in ländlichen Gebieten
- Verbesserung der landwirtschaftlichen Produktivität durch Zugang zu elektrischen Geräten
- Förderung von wirtschaftlichem Wachstum in ländlichen Regionen durch neue Geschäfts- und Beschäftigungsmöglichkeiten
Funktionsweise der REA
Die REA vergab Darlehen an ländliche Elektrizitätsgenossenschaften und andere gemeinnützige Organisationen, um elektrische Netze aufzubauen und den ländlichen Strombedarf zu decken. Die Genossenschaften wurden von den örtlichen Gemeinden selbst gegründet und betrieben. Dies bedeutete, dass Landbewohner gemeinsam für den Ausbau und die Verwaltung ihrer eigenen Stromversorgung verantwortlich waren.
Der Finanzierungsmechanismus der REA beruhte auf langfristigen, zinsgünstigen Krediten. Diese wurden zunächst über einen Zeitraum von 20 bis 25 Jahren gewährt, später wurden die Konditionen jedoch angepasst, um die Rückzahlungsfähigkeit der Genossenschaften zu verbessern. Ein entscheidender Faktor für den Erfolg des Programms war, dass die REA nicht nur finanzielle Unterstützung bot, sondern auch technische Beratung und Planungshilfe leistete.
Auswirkungen und Erfolge
Das REA-Programm erwies sich als äußerst erfolgreich. Innerhalb weniger Jahre stieg der Anteil der elektrifizierten ländlichen Haushalte erheblich. Zwischen 1935 und 1950 wuchs der Anteil ländlicher Haushalte mit Zugang zu Strom von 10 % auf über 90 %. Diese Entwicklung hatte weitreichende positive Effekte:
- Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität: Elektrische Pumpen ermöglichten eine bessere Bewässerung, während elektrische Maschinen die Arbeitsbelastung der Landwirte reduzierten.
- Verbesserung des Lebensstandards: Ländliche Haushalte konnten elektrische Beleuchtung, Kühlgeräte und andere moderne Haushaltsgeräte nutzen, was ihren Alltag erheblich erleichterte.
- Wirtschaftliche Entwicklung: Die Verfügbarkeit von Strom ermöglichte die Ansiedlung neuer Unternehmen und die Schaffung von Arbeitsplätzen in ländlichen Regionen.
- Besserer Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung: Elektrifizierung unterstützte Schulen und Krankenhäuser, indem sie moderne Kommunikations- und Medizintechnologien nutzbar machte.
Weiterentwicklung und heutige Bedeutung
In den 1970er-Jahren wurde die REA in die Rural Utilities Service (RUS) umgewandelt, eine Behörde innerhalb des US-Landwirtschaftsministeriums, die sich neben Elektrifizierung auch mit der Bereitstellung von Telekommunikation und Wasserinfrastruktur in ländlichen Gebieten befasst.
Heute hat die ländliche Elektrifizierung in den USA nahezu 100 % erreicht, doch der Ansatz der REA dient weiterhin als Vorbild für ähnliche Programme in anderen Ländern. Insbesondere in Entwicklungsländern setzen Regierungen und internationale Organisationen auf die Förderung von Elektrifizierungsgenossenschaften, um abgelegene Regionen mit Energie zu versorgen.
Fazit
Die Rural Electrification Administration war eine der erfolgreichsten Initiativen des New Deal und hat die wirtschaftliche und soziale Landschaft der USA nachhaltig verändert. Durch gezielte staatliche Unterstützung wurde ein strukturelles Marktversagen überwunden und Millionen von Amerikanern der Zugang zu Strom ermöglicht. Der Erfolg des Programms zeigt, dass staatliche Interventionen in Infrastrukturprojekte langfristig zu wirtschaftlichem Wachstum und sozialer Verbesserung führen können. Die Grundprinzipien der REA – Genossenschaftsmodelle, staatliche Kredite und technische Beratung – bleiben auch heute noch ein bewährtes Konzept für die Elektrifizierung ländlicher Gebiete weltweit.