SaveTheKids-Token Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Sand Dollar Nächster Begriff: Charity-Token
Eine 2021 gestartete Kryptowährung, die als Wohltätigkeitstoken vermarktet wurde, um durch Transaktionsgebühren Kinderhilfsprojekte zu unterstützen, jedoch durch einen Pump-and-Dump-Betrug mit Influencern bekannt wurde, der den Tokenwert stark einbrechen ließ
SaveTheKids (KIDS) war ein sogenannter Charity-Token auf der Binance Smart Chain (BSC), der im Jahr 2021 Aufmerksamkeit erregte – allerdings nicht wegen seines gemeinnützigen Ziels, sondern wegen des Verdachts auf organisierten Pump-and-Dump-Betrug. Das Projekt wurde als angeblich wohltätige Initiative vermarktet, die durch jede Transaktion Spenden für Kinderhilfsorganisationen generieren sollte. Tatsächlich stellte sich jedoch heraus, dass mehrere Social-Media-Influencer – insbesondere aus dem Umfeld der Gaming- und YouTube-Szene – in ein mutmaßlich koordiniertes Manipulationssystem involviert waren, das Investoren erheblichen Schaden zufügte.
Offizielle Zielsetzung des Tokens
Nach eigenen Angaben verfolgte der SaveTheKids-Token das Ziel, über einen sogenannten "Tokenomics Charity Mechanismus" automatisch einen Teil jeder Transaktion an wohltätige Zwecke abzuführen. Die Versprechen des Projekts lauteten unter anderem:
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Automatische Spenden: Ein fester Prozentsatz jeder Transaktion sollte direkt an gemeinnützige Organisationen gehen.
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Anti-Whale-Mechanismus: Der Code sollte große Wallets und plötzliche Verkäufe einschränken, um Preisdumping zu verhindern.
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Langfristige Werteorientierung: Der Token sollte nicht für kurzfristige Spekulation, sondern für langfristige Unterstützung wohltätiger Zwecke dienen.
Diese Punkte wurden in einem Whitepaper, durch einen Token-Launch auf PancakeSwap und über Social Media kommuniziert. Der Token wurde durch Influencer-Marketing massiv beworben, unter anderem durch bekannte Persönlichkeiten aus der eSports- und YouTube-Szene.
Technische Struktur
SaveTheKids war ein BEP-20-Token auf der Binance Smart Chain. Der Smart Contract enthielt zunächst eine sogenannte "cooldown"-Funktion, die Verkäufe nach dem Kauf für eine gewisse Zeit begrenzen sollte. Diese Maßnahme sollte verhindern, dass Investoren schnell kaufen und direkt wieder mit Gewinn verkaufen (sog. "Quick Flip").
Allerdings wurde im Zuge der späteren Recherchen festgestellt, dass diese Schutzfunktion kurz vor dem Launch abgeschwächt oder deaktiviert wurde – offenbar auf Anweisung oder mit Wissen einzelner Beteiligter. Dies ebnete den Weg für schnelle Verkäufe großer Tokenmengen, unmittelbar nachdem der Preis durch den öffentlichen Verkauf angestiegen war.
Der Vorfall: Pump-and-Dump-Verdacht
Nach dem öffentlichen Launch im Juni 2021 stieg der Token-Kurs kurzfristig stark an – befeuert durch die Marketingkampagne auf Plattformen wie Twitter, TikTok und YouTube. Doch nur wenige Stunden später kam es zu einem massiven Preisverfall, der über 90 % Kursverlust bedeutete.
Blockchain-Analysen zeigten, dass mehrere große Wallets – mutmaßlich von Promotern oder nahestehenden Personen – ihre Token unmittelbar nach dem Launch verkauft hatten, obwohl sie zuvor öffentlich erklärt hatten, langfristig an das Projekt zu glauben.
Der Verdacht eines Pump-and-Dump-Schemas lag nahe: Dabei wird ein Token durch gezieltes Marketing künstlich aufgebläht („Pump“), bevor Insider oder Großinvestoren ihre Bestände mit Gewinn verkaufen („Dump“), wodurch der Preis für den Rest der Anleger stark fällt.
Beteiligung von Influencern
Besonders kritisch wurde die Rolle mehrerer YouTuber und eSports-Influencer, darunter Mitglieder des damals populären Teams FaZe Clan, bewertet. Einige von ihnen hatten den Token öffentlich beworben und erklärten, dass sie persönlich in das Projekt investiert seien. Nach dem Skandal:
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Mehrere FaZe-Mitglieder wurden suspendiert oder ausgeschlossen, darunter FaZe Kay, FaZe Jarvis, FaZe Nikan und FaZe Teeqo.
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Einige Influencer behaupteten, selbst getäuscht worden zu sein und distanzierten sich öffentlich vom Projekt.
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Andere löschten Werbevideos oder Tweets, nachdem der Vorfall öffentlich wurde.
Diese Geschehnisse führten zu einer breiten Debatte über Verantwortung im Influencer-Marketing, insbesondere im Zusammenhang mit Finanzprodukten und Kryptowährungen.
Reaktionen und Nachwirkungen
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Öffentliche Kritik und Medienberichte
Der Fall SaveTheKids erlangte breite mediale Aufmerksamkeit – sowohl in der Krypto-Community als auch in Mainstream-Medien. Kritiker verwiesen auf die geringe Regulierung des Krypto-Markts und die Ausnutzung unerfahrener Kleinanleger durch vermeintlich vertrauenswürdige Prominente. -
Blockchain-Forensik
Analysen durch unabhängige Beobachter (u. a. YouTuber „Coffeezilla“) legten detailliert offen, wie bestimmte Wallets den Code manipuliert und zum eigenen Vorteil genutzt hatten. Diese Recherchen gelten bis heute als Beispiel für öffentliche Aufklärung durch On-Chain-Analyse. -
Fehlende rechtliche Konsequenzen (bislang)
Trotz der massiven Kursverluste und der offensichtlichen Manipulation sind bislang keine strafrechtlichen Verfahren bekannt, die zu Verurteilungen führten. Dies liegt unter anderem an der internationalen Fragmentierung der Beteiligten und der unklaren regulatorischen Zuständigkeit. -
Reputationsschäden
Mehrere Influencer erlitten erhebliche Reputationsverluste. Die Affäre trug zur Diskussion bei, ob Prominente überhaupt für die Bewerbung von Finanzprodukten qualifiziert oder geeignet sind – insbesondere im unregulierten Bereich von Kryptowährungen.
Fazit
SaveTheKids war kein wohltätiger Token im eigentlichen Sinne, sondern ein Lehrbeispiel für die Risiken unregulierter Krypto-Projekte, mangelnder Transparenz und irreführenden Influencer-Marketings. Trotz der vorgeblich gemeinnützigen Ausrichtung handelte es sich in der Ausführung um ein Projekt, das zentrale Schutzmechanismen manipulierte und mutmaßlich von Insidern zum eigenen Vorteil genutzt wurde. Der Fall verdeutlicht die Bedeutung von Due Diligence, Code-Audits und regulatorischer Aufsicht, insbesondere wenn Projekte hohe soziale Ziele mit spekulativen Anlageprodukten vermengen. Anleger sollten insbesondere bei sogenannten „Charity-Tokens“ oder Projekten mit starkem Influencer-Fokus besonders wachsam sein.