Scale (Entry Standard) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Einstellungen in Rücklagen Nächster Begriff: BoP (Beginning of Period)

Ein Marktsegment der Frankfurter Wertpapierbörse, das seit 2017 den Entry Standard abgelöst hat und mittelständischen Unternehmen mit moderaten Transparenzanforderungen den Zugang zum Kapitalmarkt erleichtert

Scale ist ein Marktsegment der Frankfurter Wertpapierbörse, das im März 2017 als Nachfolger des zuvor bestehenden Entry Standard eingeführt wurde. Es richtet sich gezielt an kleine und mittlere Unternehmen (KMU), die einen Zugang zum Kapitalmarkt suchen, dabei jedoch nicht die umfassenden Anforderungen des regulierten Markts erfüllen müssen oder wollen. Als Teil des Freiverkehrs (Open Market) unterliegt das Segment Scale einem eigenständigen Regelwerk mit erhöhten Transparenzanforderungen gegenüber dem restlichen Open Market. Ziel ist es, eine Brücke zwischen jungen Wachstumsunternehmen und potenziellen Investoren zu schlagen und dabei gleichzeitig ein höheres Maß an Qualität und Verlässlichkeit sicherzustellen, als es in den unteren Marktsegmenten üblich ist.

Hintergrund und Zielsetzung

Mit der Einführung von Scale reagierte die Deutsche Börse auf die Schwächen des Entry Standard. Während dieser zwischen 2005 und 2017 vor allem als „Einstiegssegment“ für wachstumsorientierte Unternehmen diente, wurde er zunehmend wegen unklarer Anforderungen, geringer Liquidität und unzureichender Marktqualität kritisiert. Scale wurde entwickelt, um diesen Herausforderungen zu begegnen, Investoren besser zu schützen und die Attraktivität des Segments sowohl für Emittenten als auch für Anleger zu erhöhen.

Ein wesentliches Ziel von Scale besteht darin, Transparenz und Effizienz im KMU-Börsensegment zu stärken, ohne den Zugang durch übermäßige Regulierung zu erschweren. Gleichzeitig soll das Segment als Wachstumsplattform fungieren und die Weiterentwicklung hin zu einer potenziellen Notierung im regulierten Markt ermöglichen.

Struktur und rechtlicher Rahmen

Scale ist – wie zuvor der Entry Standard – dem Open Market (Freiverkehr) zugeordnet. Es handelt sich daher nicht um einen regulierten Markt im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes (WpHG) oder der EU-Marktmissbrauchsverordnung (MAR). Dennoch gelten für Scale höhere Anforderungen als für den restlichen Open Market.

Die Deutsche Börse hat für Scale ein eigenes Regelwerk eingeführt, das auf freiwilliger Basis ergänzende Transparenz- und Publizitätsanforderungen vorsieht. Die Überwachung und Durchsetzung dieser Regeln erfolgt durch die Deutsche Börse AG selbst, nicht durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Zulassungsvoraussetzungen

Unternehmen, die ihre Aktien oder Unternehmensanleihen in Scale listen möchten, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen:

  1. Wertpapierprospekt: Es muss ein von der BaFin gebilligter Prospekt vorliegen, sofern keine Ausnahme nach Prospektrecht greift.

  2. Begleitung durch ein Deutsche Börse Capital Market Partner (CMP): Der Emittent muss von einem autorisierten Partner begleitet werden, der die Eignung des Unternehmens prüft und die Börsenzulassung unterstützt.

  3. Finanzhistorie: Es muss mindestens ein geprüfter Jahresabschluss vorliegen.

  4. Marktkapitalisierung bzw. Emissionsvolumen: Für Aktien ist eine Mindestmarktkapitalisierung von 30 Millionen Euro vorgesehen. Bei Anleihen gelten entsprechende Volumenvorgaben.

Transparenzanforderungen

Scale verlangt von gelisteten Unternehmen über die gesetzlichen Mindeststandards hinaus zusätzliche Informationspflichten, die für eine höhere Markttransparenz sorgen sollen:

  1. Halbjahres- und Jahresfinanzberichte: Diese müssen veröffentlicht und bestimmten formalen Anforderungen entsprechen.

  2. Unternehmenskalender: Verpflichtung zur Veröffentlichung eines Kalenders mit wichtigen Unternehmensereignissen.

  3. Research-Bericht: Ein verpflichtender Initial-Research-Bericht durch ein unabhängiges Analysehaus sowie jährlich fortgeführte Updates sollen Investoren bei der Bewertung unterstützen.

  4. Ad-hoc-Publizität: Auch wenn Scale dem Freiverkehr zugeordnet ist, wird von den Unternehmen eine adäquate Veröffentlichung kursrelevanter Informationen erwartet.

  5. Unternehmensprofil und Corporate Governance: Eine übersichtliche Darstellung der Geschäftsaktivitäten sowie Einblicke in die Unternehmensführung sind erforderlich.

Vergleich mit dem Entry Standard

Obwohl Scale formell den Entry Standard ersetzt, bestehen inhaltlich einige wesentliche Unterschiede, die auf eine Professionalisierung und qualitative Aufwertung des Segments hinweisen:

Merkmal Entry Standard Scale
Marktzugehörigkeit Open Market (Freiverkehr) Open Market (Freiverkehr)
Transparenzniveau Mittel Erhöht (z. B. durch Research-Berichte)
Zulassungspartner Optional (Designated Sponsor) Pflicht (Capital Market Partner)
Pflichtpublikationen Jahresabschluss, Zwischenbericht Jahres- und Halbjahresberichte, Kalender, Research
Regulatorische Überwachung Deutsche Börse Deutsche Börse
Existenzzeitraum 2005–2017 seit 2017

Bedeutung für den Kapitalmarkt

Scale hat sich seit seiner Einführung als Plattform für kapitalmarktorientierte KMU etabliert. Insbesondere technologieorientierte und wachstumsstarke Unternehmen aus den Bereichen Digitalisierung, Industrie 4.0 oder Life Sciences nutzen das Segment als Sprungbrett zur Eigenkapitalfinanzierung. Für Investoren bietet Scale einerseits die Möglichkeit, frühzeitig in potenziell wachstumsstarke Unternehmen zu investieren, andererseits auch ein höheres Risiko, bedingt durch die geringere Marktregulierung im Vergleich zu den regulierten Börsensegmenten.

Die erhöhte Transparenz durch verpflichtende Research-Berichte und professionelle Marktpartner soll jedoch dazu beitragen, das Risiko besser einschätzen zu können. Zudem erleichtert die Segmentierung eine klare Differenzierung zwischen reinen Penny-Stock-Werten des Open Market und qualitätsorientierten KMU mit skalierbarem Geschäftsmodell.

Herausforderungen und Kritik

Trotz der Verbesserungen gegenüber dem Entry Standard steht auch Scale vor Herausforderungen. Dazu zählen unter anderem:

  • Begrenzte Liquidität: Viele gelistete Titel verzeichnen nur geringe Handelsvolumina.

  • Begrenzte Sichtbarkeit: Im Vergleich zum regulierten Markt ist die öffentliche Wahrnehmung der Scale-Unternehmen geringer.

  • Hohe Anforderungen für kleine Unternehmen: Einige KMU empfinden die Research-Pflicht oder die Kosten für die Begleitung durch einen Capital Market Partner als Hürde.

Einige Kritiker bemängeln zudem, dass die freiwillige Natur der meisten Transparenzanforderungen zu einer inkonsequenten Umsetzung durch die Emittenten führen kann.

Fazit

Scale ist das seit 2017 bestehende Segment der Frankfurter Wertpapierbörse für wachstumsorientierte kleine und mittlere Unternehmen. Es ersetzt den früheren Entry Standard und kombiniert einen vergleichsweise einfachen Kapitalmarktzugang mit erhöhten Transparenzanforderungen. Die Einbindung unabhängiger Research-Analysen und erfahrener Kapitalmarktpartner soll das Vertrauen von Investoren stärken und die Marktqualität verbessern. Trotz einiger Herausforderungen hat sich Scale als bedeutende Plattform für KMU-Emissionen im deutschen Kapitalmarktumfeld etabliert und bietet sowohl Emittenten als auch Anlegern strukturierte Rahmenbedingungen für eine Beteiligung an wachstumsstarken Unternehmen.