SETS (Stock Exchange Electronic Trading Service) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Fremdwährungsanleihen Nächster Begriff: SEAQ (Stock Exchange Automated Quotations)
Ein elektronisches Handelssystem der London Stock Exchange, das den automatisierten Kauf und Verkauf von Wertpapieren ermöglicht, um Liquidität und Transparenz im britischen Aktienmarkt zu gewährleisten
Das Stock Exchange Electronic Trading Service (SETS) ist das zentrale elektronische Handelssystem der London Stock Exchange (LSE), das für den automatisierten Handel mit den liquidesten Aktien des britischen Marktes entwickelt wurde. Es wurde 1997 eingeführt und ersetzte schrittweise die traditionellen, telefonbasierten Handelssysteme. SETS bildet heute das Rückgrat des Orderbuchhandels in London und spielt eine zentrale Rolle bei der Preisfindung sowie bei der Abwicklung von Wertpapiergeschäften in Echtzeit. Das System steht im Gegensatz zu quotenbasierten Handelsplattformen, da es auf einem Orderbuchmodell basiert, bei dem Kauf- und Verkaufsaufträge automatisch abgeglichen werden.
Funktionsweise des SETS-Systems
SETS basiert auf einem zentralen Orderbuchverfahren, bei dem alle eingehenden Kauf- und Verkaufsorders nach Preis und Zeitpunkt priorisiert werden. Marktteilnehmer, wie Banken, Broker oder institutionelle Investoren, platzieren ihre Aufträge direkt in das elektronische System. Dabei unterscheidet man grundsätzlich zwischen Limit Orders, die zu einem festgelegten Preis ausgeführt werden sollen, und Market Orders, die sofort zum bestverfügbaren Preis ausgeführt werden.
Das Orderbuch von SETS ist vollständig transparent für alle Marktteilnehmer, was bedeutet, dass die besten fünf Kauf- und Verkaufsangebote (die sogenannte Markttiefe) öffentlich einsehbar sind. Diese Transparenz trägt maßgeblich zur effizienten Preisbildung bei. Der Abgleich der Orders erfolgt nach dem Prinzip des „Preis-Zeit-Vorrangs“: Ein Auftrag mit besserem Preis wird bevorzugt, bei gleichem Preis zählt die frühere Eingabezeit.
Teilnehmerstruktur und Zugang
SETS ist ausschließlich professionellen Marktteilnehmern zugänglich, die eine entsprechende Zulassung bei der London Stock Exchange besitzen. Diese Teilnehmer sind sogenannte Exchange Members, die über spezialisierte Handelssysteme oder über ein Direct Market Access (DMA) verbunden sind. Zu den Hauptnutzern zählen Investmentbanken, Brokerhäuser, Market Maker und institutionelle Investoren.
Privatanleger können nicht direkt auf SETS zugreifen, sondern handeln über Vermittler, die den Zugang zu SETS ermöglichen. Die Orders von Privatanlegern werden über Retail Service Provider (RSP) oder durch Weiterleitung an das zentrale Orderbuch in SETS eingespeist, sofern dies marktgerecht ist.
Abwicklung und Clearing
Nach Ausführung eines Handels im SETS-System erfolgt die Abwicklung in mehreren standardisierten Schritten. Zunächst werden die Geschäfte automatisch zur Bestätigung an ein zentrales Clearinghaus, wie LCH Ltd. (ehemals London Clearing House), übermittelt. Das Clearinghaus übernimmt dabei eine Zwischenrolle als zentraler Kontrahent (Central Counterparty – CCP), indem es gegenüber beiden Handelspartnern auftritt. Dies minimiert das Gegenparteirisiko erheblich.
Die tatsächliche Lieferung der Wertpapiere und die Zahlung des Kaufpreises finden anschließend über das zentrale Abwicklungssystem CREST statt. Dieses wird von Euroclear UK & Ireland betrieben und stellt die ordnungsgemäße und fristgerechte Übertragung der Wertpapiere sowie die Zahlung sicher.
Abgrenzung zu anderen Handelsplattformen
Neben SETS existieren weitere Handelsplattformen innerhalb der London Stock Exchange, die je nach Marktsegment und Liquidität unterschiedliche Funktionen erfüllen:
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SEAQ (Stock Exchange Automated Quotations): Ein quotenbasiertes System, das hauptsächlich für weniger liquide Aktien des Alternative Investment Market (AIM) verwendet wird. Hier stehen Market Maker im Zentrum des Handels.
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SETSqx (Stock Exchange Electronic Trading Service – quotes and crosses): Eine Mischform, die sowohl Elemente des Orderbuchhandels als auch des Market-Maker-Systems kombiniert. Dieses System wird für Aktien verwendet, die nicht die Liquidität aufweisen, um in SETS aufgenommen zu werden.
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International Order Book (IOB): Eine Plattform für den Handel mit internationalen Depositary Receipts, insbesondere aus Schwellenländern wie Russland oder Kasachstan.
SETS unterscheidet sich insbesondere durch seine vollständige Automatisierung und Orderbuchtransparenz von diesen anderen Systemen, was eine höhere Effizienz bei der Preisbildung und eine engere Geld-Brief-Spanne ermöglicht.
Liquidität und Handelszeiten
SETS umfasst die liquidesten Aktien des Main Markets, darunter die Titel des FTSE 100, FTSE 250 sowie ausgewählte internationale Aktien. Durch die hohe Anzahl an Marktteilnehmern und den kontinuierlichen Handel entsteht ein hohes Maß an Liquidität, das insbesondere institutionellen Anlegern zugutekommt.
Die Handelszeiten für SETS entsprechen den regulären Börsenzeiten der London Stock Exchange:
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Vorhandelsphase (Pre-Trading): 07:00 – 08:00 Uhr
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Reguläre Handelsphase (Continuous Trading): 08:00 – 16:30 Uhr
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Nachhandelsphase (Post-Close): 16:30 – 17:15 Uhr
Die Auktionen zu Handelsbeginn, -mitte und -ende sind dabei wichtige Mechanismen zur Preisfeststellung, insbesondere bei hoher Volatilität oder bei Aktien mit geringer Handelsfrequenz.
Rolle von Market Makern
Obwohl SETS primär auf dem Orderbuchmodell basiert, können Market Maker auch in diesem System eine Rolle spielen. Insbesondere bei größeren Orders oder in volatilen Marktphasen stellen sie durch die kontinuierliche Bereitstellung von An- und Verkaufspreisen Liquidität sicher. Im Gegensatz zu SEAQ sind sie jedoch nicht verpflichtet, durchgängig Quotierungen zu stellen.
Darüber hinaus gibt es spezielle Marktteilnehmer, die als Designated Market Makers (DMM) fungieren, um bei bestimmten Titeln die Liquidität aufrechtzuerhalten. Diese Funktion ist allerdings bei SETS seltener erforderlich als bei quotenbasierten Systemen, da der kontinuierliche elektronische Handel mit hoher Transparenz bereits ein hohes Maß an Marktliquidität gewährleistet.
Technologische Entwicklungen
SETS wurde seit seiner Einführung mehrfach technologisch überarbeitet. Die heutige Plattform basiert auf der Millennium Exchange-Technologie, die eine extrem niedrige Latenzzeit bei der Orderverarbeitung bietet und damit den Anforderungen des algorithmischen Handels entspricht. Diese technologische Basis macht SETS besonders attraktiv für Hochfrequenzhändler (High Frequency Traders – HFT), die auf schnelle Orderausführung angewiesen sind.
Die Plattform ermöglicht auch sogenannte Iceberg Orders, bei denen nur ein Teil der gesamten Order sichtbar ist, während der Rest im Orderbuch verborgen bleibt. Dies dient dazu, große Orders ohne signifikanten Einfluss auf den Marktpreis auszuführen.
Fazit
Das Stock Exchange Electronic Trading Service (SETS) ist das zentrale elektronische Handelssystem der London Stock Exchange für hochliquide Aktien. Es basiert auf einem transparenten Orderbuchmodell mit automatischem Order-Matching, das durch ein Clearing- und Abwicklungssystem unterstützt wird. SETS zeichnet sich durch hohe Effizienz, schnelle Ausführung und eine marktnahe Preisbildung aus. Es bildet somit das Fundament des modernen Börsenhandels in London und stellt ein zentrales Instrument für institutionelle Anleger und professionelle Marktteilnehmer dar. In Kombination mit moderner Technologie wie der Millennium Exchange-Plattform erfüllt SETS die Anforderungen eines zeitgemäßen Kapitalmarktes in einem hochregulierten Umfeld.