Solidly Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Ramses-Protokoll Nächster Begriff: Fantom
Eine dezentrale Börse auf der Fantom- und Ethereum-Blockchain, die als AMM kostengünstige, slippage-arme Trades ermöglicht und durch ve(3,3)-Tokenomics Liquiditätsanbieter mit Gebühren belohnt
Solidly ist eine dezentrale Börse (Decentralized Exchange, kurz DEX), die auf dem Konzept der sogenannten Automated Market Maker (AMM) basiert. Solidly wurde ursprünglich von dem bekannten DeFi-Entwickler Andre Cronje konzipiert und erstmals auf der Fantom-Blockchain implementiert. Das Besondere an Solidly liegt in der Kombination aus mehreren bekannten DeFi-Modellen, insbesondere dem Uniswap-V2-AMM, Curve Finance und dem sogenannten veToken-Modell (vote-escrowed Token). Ziel ist es, eine leistungsfähige, flexible und nutzergesteuerte DEX zu schaffen, die Liquidität effizient allokiert und Anreize für langfristiges Engagement bietet.
Grundprinzipien der Funktionsweise
Die Plattform basiert auf einem klassischen AMM-Ansatz, bei dem Liquiditätspools verwendet werden, um Handelspaare ohne zentrale Gegenpartei bereitzustellen. Nutzer können Token direkt gegeneinander tauschen, indem sie in einem Liquiditätspool auf der Solidly-Plattform handeln. Dabei berechnet der AMM den Preis anhand eines mathematischen Algorithmus, typischerweise der Formel x⋅y=kx \cdot y = k, wobei xx und yy die Mengen der beiden Token im Pool sind und kk eine konstante Größe darstellt.
Darüber hinaus unterscheidet Solidly zwischen zwei Arten von Pools:
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Volatile Pools – Diese verwenden das klassische Uniswap-V2-Modell für Token-Paare mit hohem Preisschwankungsrisiko.
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Stable Pools – Diese orientieren sich am Curve-Modell für Token-Paare, die im Wert sehr nah beieinander liegen (z. B. Stablecoins).
Diese duale Struktur ermöglicht es, sowohl volatile als auch stabile Token-Paare effizient zu handeln, was zu einer besseren Kapitalnutzung und geringeren Slippage führt.
Das veToken-Modell
Ein zentrales Element von Solidly ist das sogenannte ve(3,3)-Modell, eine Weiterentwicklung des vote-escrowed-Mechanismus, der ursprünglich von Curve Finance eingeführt wurde. Nutzer können den Governance-Token von Solidly – meist mit dem Tickersymbol SOLID – sperren (engl. „locken“), um veSOLID zu erhalten. Die Sperrdauer kann dabei flexibel gewählt werden, typischerweise bis zu vier Jahre. Je länger der Token gesperrt wird, desto höher ist das erhaltene Stimmgewicht.
veSOLID ist nicht übertragbar und stellt eine Art nicht-liquiditätstragenden Token dar, der ausschließlich für Governance-Zwecke und zur Steuerung der Emissionsverteilung genutzt werden kann. Dies bedeutet, dass Inhaber von veSOLID darüber abstimmen können, welche Liquiditätspools mit neuen SOLID-Emissionen incentiviert werden. Dadurch entsteht ein dynamisches Anreizsystem, das durch Nutzerpräferenzen gesteuert wird.
Anreizstruktur und Emissionen
Die Emission neuer SOLID-Token ist nicht fix, sondern hängt von den Stimmabgaben der veSOLID-Inhaber ab. Diese entscheiden in wöchentlichen Abstimmungen, welche Pools neue Belohnungen in Form von SOLID-Token erhalten. Die daraus resultierende Allokation richtet sich also nicht zentral nach fixen Parametern, sondern wird kontinuierlich durch die Community gesteuert.
Ein weiteres zentrales Element ist der Bribe-Mechanismus: Protokolle oder Akteure können veSOLID-Inhabern „Bestechungen“ in Form von Belohnungen anbieten, wenn diese ihre Stimme einem bestimmten Pool geben. Dieser Mechanismus schafft zusätzliche Anreize und einen Markt für Governance-Stimmen.
Liquiditätsanreize und Handelsgebühren
Nutzer, die Liquidität bereitstellen, erhalten im Gegenzug sogenannte LP-Tokens (Liquidity Provider Tokens). Diese können wiederum gestakt oder anderweitig genutzt werden, um zusätzliche Erträge zu erzielen. Ein Teil der Handelsgebühren aus den Pools fließt direkt an veSOLID-Inhaber, was wiederum ein passives Einkommen für langfristig engagierte Nutzer ermöglicht.
Die Höhe der Handelsgebühren ist abhängig vom jeweiligen Pooltyp und wird protokollseitig festgelegt. Bei Stable Pools liegen diese tendenziell niedriger, während volatile Pools höhere Gebühren aufweisen, um das Risiko zu kompensieren.
Governance und Dezentralisierung
Solidly setzt auf ein vollständig dezentralisiertes Governance-Modell. Entscheidungen über wichtige Protokollparameter – wie z. B. Gebührenstruktur, Emissionsrate oder Poolzulassungen – werden durch Abstimmungen unter den veSOLID-Inhabern getroffen. Dieser Ansatz fördert ein nachhaltiges Ökosystem, das auf aktiver Mitwirkung der Community basiert.
Im Gegensatz zu zentralisierten Börsen liegt die Kontrolle also nicht bei einem einzelnen Unternehmen oder Entwicklerteam, sondern wird durch ein verteiltes Netzwerk an Stakeholdern übernommen.
Risiken und Herausforderungen
Trotz der innovativen Mechanismen bringt das Solidly-Modell auch Herausforderungen mit sich. Dazu zählen:
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Komplexität der Anreizstruktur – Das Zusammenspiel aus veTokens, Bribes, Emissionen und Governance ist für unerfahrene Nutzer schwer verständlich.
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Smart-Contract-Risiken – Als vollständig auf Smart Contracts basierende Plattform unterliegt Solidly dem Risiko von Sicherheitslücken oder Codefehlern.
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Liquiditätsfragmentierung – Die Vielzahl an Pools kann zu einer Aufsplitterung der Liquidität führen, was die Effizienz einzelner Märkte beeinträchtigt.
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Governance-Konzentration – Obwohl das Modell auf Dezentralisierung abzielt, besteht das Risiko, dass große veSOLID-Inhaber überproportionalen Einfluss ausüben.
Fazit
Solidly ist ein ambitioniertes DeFi-Projekt, das verschiedene bewährte Mechanismen miteinander kombiniert, um eine flexible, nutzergesteuerte und kapitaleffiziente dezentrale Börse zu schaffen. Durch die Integration von volatilen und stabilen Pools, das veToken-basierte Governance-Modell sowie durch zusätzliche Anreizmechanismen wie Bribes schafft Solidly ein dynamisches und komplexes Ökosystem. Gleichzeitig erfordert die Nutzung der Plattform ein gutes Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen und birgt Risiken, die vor einer Beteiligung sorgfältig abgewogen werden sollten. In Summe stellt Solidly einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung dezentraler Finanzinfrastrukturen dar, insbesondere im Bereich der durch Governance gesteuerten Liquiditätsverteilung.