Sonderziehungsrechte (SZR) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Internationale Währungsfonds (IWF) Nächster Begriff: Reservewährung
Ein wichtiges Finanzinstrument des Internationalen Währungsfonds
Sonderziehungsrechte (SZR) – auf Englisch Special Drawing Rights (SDRs) – sind eine künstliche Reservewährung, die vom Internationalen Währungsfonds (IWF) geschaffen wurde. Sie dienen als Ergänzung zu den offiziellen Währungsreserven der Mitgliedsländer und sollen die Liquidität des internationalen Finanzsystems stärken. SZR sind keine klassische Währung, sondern eine Rechnungseinheit, die auf einem Währungskorb basiert. Ihr Wert wird durch eine Mischung aus führenden internationalen Währungen bestimmt.
Entstehung und Hintergrund
Die Sonderziehungsrechte wurden 1969 vom Internationalen Währungsfonds (IWF) eingeführt. Der Grund für ihre Schaffung lag in der wachsenden Sorge über die begrenzten Reserven an Gold und US-Dollar, die bis dahin als wichtigste internationale Reservewerte dienten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg beruhte das internationale Währungssystem auf dem Bretton-Woods-System, in dem nationale Währungen an den US-Dollar gebunden waren, der wiederum durch Gold gedeckt wurde. Da das globale Wirtschaftswachstum zunahm, wuchs auch die Nachfrage nach internationalen Liquiditätsreserven. Die SZR wurden als ergänzende Reserve geschaffen, um die Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern und die Stabilität des Finanzsystems zu sichern.
Nach dem Ende des Bretton-Woods-Systems 1973, als viele Länder zu flexiblen Wechselkursen übergingen, verloren die SZR zunächst an Bedeutung. In den letzten Jahrzehnten wurden sie jedoch verstärkt als Kriseninstrument genutzt, insbesondere während der globalen Finanzkrise 2008 und der COVID-19-Pandemie 2020.
Zusammensetzung des SZR-Währungskorbs
Der Wert der SZR wird durch einen Währungskorb bestimmt, der aus den wichtigsten internationalen Währungen besteht. Der Korb wird regelmäßig vom IWF überprüft und angepasst. Seit der letzten Aktualisierung 2022 setzt sich der SZR-Währungskorb folgendermaßen zusammen:
| Währung | Anteil am SZR-Korb (%) |
|---|---|
| US-Dollar (USD) | 43,38 % |
| Euro (EUR) | 29,31 % |
| Chinesischer Yuan (CNY) | 12,28 % |
| Japanischer Yen (JPY) | 7,59 % |
| Britisches Pfund (GBP) | 7,44 % |
Die Aufnahme des chinesischen Yuan im Jahr 2016 war eine bedeutende Entwicklung, da dies die wachsende wirtschaftliche Bedeutung Chinas widerspiegelte.
Funktion und Nutzung von SZR
Sonderziehungsrechte haben drei Hauptfunktionen:
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Internationale Reservewährung
- SZR werden von Zentralbanken genutzt, um ihre Währungsreserven zu diversifizieren.
- Sie dienen als Ergänzung zu traditionellen Reservewährungen wie dem US-Dollar und dem Euro.
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Kriseninstrument
- Der IWF kann SZR an Mitgliedsländer verteilen, um deren Liquidität in Krisenzeiten zu stärken.
- Beispiel: Während der COVID-19-Pandemie 2020 stellte der IWF 650 Milliarden US-Dollar in SZR bereit, um Länder finanziell zu unterstützen.
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Verrechnungseinheit im IWF
- IWF-Mitgliedsländer können SZR verwenden, um Schulden gegenüber dem IWF zu begleichen oder Währungen untereinander zu tauschen.
Vergabe und Allokation von SZR
Die Vergabe von SZR erfolgt durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) an seine Mitgliedsländer. Der Umfang wird von den Mitgliedern beschlossen und in Krisenzeiten oft erhöht.
- Die Zuteilung erfolgt proportional zur Kapitalquote eines Landes im IWF.
- Länder mit hohen Quoten (z. B. USA, China, Deutschland) erhalten mehr SZR als kleinere Volkswirtschaften.
Da SZR selbst keine physische Währung sind, können Länder sie gegen konvertierbare Währungen wie den US-Dollar oder den Euro eintauschen. Dafür gibt es spezielle Vereinbarungen zwischen Mitgliedsländern, um einen reibungslosen Austausch zu ermöglichen.
Vorteile von Sonderziehungsrechten
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Erhöhte globale Liquidität
- SZR können kurzfristig zusätzliche Reserven schaffen, ohne dass Länder ihre Währungsreserven aufbauen müssen.
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Stärkung der Finanzstabilität
- In Krisenzeiten können SZR helfen, die Zahlungsbilanz von Ländern zu stabilisieren und Währungskrisen zu vermeiden.
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Reduzierung der Abhängigkeit vom US-Dollar
- Da SZR aus einem Währungskorb bestehen, bieten sie eine Alternative zu einzelnen Reservewährungen.
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Flexibles Instrument für den internationalen Währungsfonds
- Der IWF kann SZR gezielt einsetzen, um Länder mit Liquiditätsengpässen zu unterstützen.
Kritik und Herausforderungen
Trotz ihrer Vorteile gibt es auch Kritik an den SZR:
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Ungleichmäßige Verteilung
- Da die Vergabe von SZR an die Kapitalquoten gebunden ist, erhalten wohlhabende Länder den größten Anteil, während ärmere Länder weniger profitieren.
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Begrenzte Nutzungsmöglichkeiten
- SZR können nicht direkt für Waren oder Dienstleistungen verwendet werden, sondern müssen erst in eine Währung umgetauscht werden.
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Abhängigkeit vom IWF
- Die Vergabe von SZR liegt in der Hand des IWF und erfordert internationale Zustimmung, was politische Herausforderungen mit sich bringt.
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Inflationsrisiken
- Eine zu große Menge an SZR könnte theoretisch zu globalen Inflationsrisiken führen, wenn sie in großen Mengen in den Umlauf gebracht werden.
SZR in der Zukunft
Die Rolle der Sonderziehungsrechte könnte in den kommenden Jahren weiter wachsen. Einige Experten fordern eine Stärkung der SZR als globale Reservewährung, um die Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern.
Mögliche Entwicklungen sind:
- Erweiterung des Währungskorbs: Die Aufnahme weiterer Währungen wie des indischen Rupie (INR) oder des brasilianischen Real (BRL) wird diskutiert.
- Stärkere Nutzung in Krisenzeiten: Der IWF könnte SZR noch gezielter als Finanzierungsinstrument für Entwicklungsländer einsetzen.
- Digitalisierung der SZR: Die Einführung einer digitalen Version der SZR könnte die Nutzung vereinfachen und den internationalen Zahlungsverkehr effizienter machen.
Fazit
Die Sonderziehungsrechte (SZR) sind ein wichtiges Finanzinstrument des Internationalen Währungsfonds (IWF). Sie dienen als internationale Reservewährung, Kriseninstrument und Verrechnungseinheit für Zentralbanken. Obwohl sie keine klassische Währung sind, spielen sie eine bedeutende Rolle bei der Sicherung der globalen Finanzstabilität.
Während SZR in Krisenzeiten eine wertvolle Ergänzung zu nationalen Währungsreserven darstellen, gibt es Herausforderungen hinsichtlich ihrer Nutzung und Verteilung. Die Zukunft der SZR könnte durch eine Erweiterung des Währungskorbs, eine digitale Version und eine verstärkte Nutzung im internationalen Finanzsystem weiter geprägt werden.