Straddle-Strategie Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Fibonacci-Retracement-Pullback Nächster Begriff: Stop-Loss-Jagd (Stop Hunting)

Eine effektive Methode, um von starken Kursbewegungen zu profitieren, ohne die Richtung des Marktes vorhersagen zu müssen

Die Straddle-Strategie ist eine Optionsstrategie, die darauf abzielt, von starken Kursbewegungen eines Basiswerts – unabhängig von der Richtung – zu profitieren. Dabei kauft oder verkauft der Trader gleichzeitig eine Call- und eine Put-Option mit identischem Strike-Preis und Verfallsdatum.

Die Strategie eignet sich besonders für Märkte mit hoher erwarteter Volatilität, z. B. vor der Veröffentlichung von Wirtschaftsdaten, Quartalsberichten oder geldpolitischen Entscheidungen.

Merkmale der Straddle-Strategie

  • Besteht aus einer Call- und einer Put-Option, die gleichzeitig gekauft oder verkauft werden.
  • Der Strike-Preis und das Verfallsdatum beider Optionen sind identisch.
  • Ziel: Profitiert von starken Marktbewegungen – egal, ob nach oben oder unten.
  • Wird in volatilen Marktphasen eingesetzt, wenn größere Preisbewegungen erwartet werden.
  • Kann sowohl long (Kauf) als auch short (Verkauf) gehandelt werden.

Arten der Straddle-Strategie

1. Long Straddle (Kauf eines Straddles)

Ein Long Straddle wird ausgeführt, indem man eine Call- und eine Put-Option kauft.

  • Verwendungszweck: Erwartung hoher Volatilität, ohne Vorhersage der Richtung.
  • Kosten: Der Trader zahlt die Prämien für beide Optionen (hohe Anfangskosten).
  • Gewinnpotenzial: Theoretisch unbegrenzt bei stark steigenden Kursen, begrenzt bei stark fallenden Kursen (da der Kurs nicht unter 0 fallen kann).
  • Verlustpotenzial: Maximale Verluste treten auf, wenn der Kurs bis zum Verfall nahe am Strike-Preis bleibt.

Beispiel für einen Long Straddle:

  • Ein Trader kauft eine Call-Option (Strike: 100 €) für 5 € und eine Put-Option (Strike: 100 €) für 5 €.
  • Gesamtkosten: 10 € (Optionsprämien).
  • Wenn der Kurs auf 120 € steigt, beträgt der Gewinn 120 – 100 – 10 = 10 €.
  • Wenn der Kurs auf 80 € fällt, beträgt der Gewinn 100 – 80 – 10 = 10 €.
  • Bleibt der Kurs bei 100 €, verliert der Trader die gesamte Prämie (10 € Verlust).

2. Short Straddle (Verkauf eines Straddles)

Ein Short Straddle wird ausgeführt, indem man eine Call- und eine Put-Option verkauft.

  • Verwendungszweck: Erwartung niedriger Volatilität → Der Basiswert bleibt nahe am Strike-Preis.
  • Einnahmen: Der Trader kassiert die Optionsprämien für beide verkauften Optionen.
  • Gewinnpotenzial: Auf die erhaltene Prämie begrenzt.
  • Verlustpotenzial: Unbegrenzt, wenn der Kurs stark steigt, und sehr hoch, wenn der Kurs stark fällt.

Beispiel für einen Short Straddle:

  • Ein Trader verkauft eine Call-Option (Strike: 100 €) für 5 € und eine Put-Option (Strike: 100 €) für 5 €.
  • Gesamteinnahmen: 10 € (Optionsprämien).
  • Wenn der Kurs bei 100 € bleibt, behält der Trader die gesamte Prämie als Gewinn.
  • Steigt der Kurs auf 120 €, beträgt der Verlust 120 – 100 – 10 = 10 €.
  • Fällt der Kurs auf 80 €, beträgt der Verlust 100 – 80 – 10 = 10 €.
  • Risiko: Unbegrenzt, da der Kurs stark steigen kann.

Vorteile und Nachteile der Straddle-Strategie

Vorteile

  • Richtungslosigkeit: Der Trader muss die Kursrichtung nicht vorhersagen.
  • Profitiert von hoher Volatilität: Je größer die Bewegung, desto höher der Gewinn.
  • Geringer Stress für den Trader: Keine Notwendigkeit, Marktrichtung ständig zu überwachen.
  • Einsetzbar für Aktien, Indizes, Forex und Kryptowährungen.

Nachteile

  • Hohe Kosten bei einem Long Straddle: Doppelte Optionsprämien müssen gezahlt werden.
  • Begrenzter Gewinn bei einem Short Straddle: Maximale Einnahme ist die erhaltene Prämie.
  • Verlust bei geringer Volatilität: Wenn der Markt ruhig bleibt, verfallen die Optionen wertlos.
  • Zeitwertverlust: Optionen verlieren mit der Zeit an Wert (Theta-Effekt).

Optimale Marktbedingungen für einen Straddle

Long Straddle:

  • Vor großen Events wie Quartalszahlen, Zinsentscheidungen oder geopolitischen Ereignissen.
  • Wenn der implizite Volatilitätsindex (VIX) niedrig ist → Optionen sind günstiger.
  • In Märkten mit starken Preisausschlägen (z. B. Kryptowährungen).

Short Straddle:

  • Wenn geringe Volatilität erwartet wird.
  • Nach großen Kursbewegungen, wenn eine Konsolidierung wahrscheinlich ist.
  • Bei Aktien oder Indizes mit historisch niedriger Volatilität.

Vergleich: Straddle vs. Strangle

Merkmal Straddle Strangle
Aufbau Call- und Put-Option mit gleichem Strike Call- und Put-Option mit unterschiedlichen Strikes
Kosten Höher (da beide Optionen am Geld sind) Geringer (da Optionen weiter vom aktuellen Preis entfernt sind)
Gewinnpotenzial Höher, wenn eine extreme Bewegung auftritt Hohe Gewinne, aber stärkere Bewegung nötig
Verlustpotenzial Hoher Zeitwertverlust, falls der Kurs stagniert Geringere Verluste, da Optionen günstiger sind

Beispiel für ein praktisches Straddle-Setup

Tesla-Aktien vor Quartalszahlen

  • Tesla steht bei 200 € und hat eine hohe Volatilität in der Vergangenheit gezeigt.
  • Ein Trader kauft eine Call-Option mit Strike 200 € und eine Put-Option mit Strike 200 €.
  • Wenn Tesla nach den Quartalszahlen auf 230 € steigt, erzielt die Call-Option einen Gewinn, die Put-Option verfällt.
  • Wenn Tesla auf 170 € fällt, erzielt die Put-Option einen Gewinn, die Call-Option verfällt.
  • Bleibt Tesla bei 200 €, verfällt beides wertlos und der Trader verliert die gezahlte Prämie.

Risikomanagement bei der Straddle-Strategie

  1. Begrenzung des Einsatzes: Nur in hochvolatilen Phasen handeln, um hohe Gewinne zu ermöglichen.
  2. Absicherung durch andere Strategien: Kombination mit Delta-Hedging oder dem Kauf von zusätzlichen Optionen.
  3. Enges Stop-Loss-Management: Vor allem für Short Straddles wichtig, um unbegrenzte Verluste zu vermeiden.
  4. Timing beachten: Nicht zu früh oder zu spät in den Markt einsteigen, da Optionen schnell an Wert verlieren.
  5. Implizite Volatilität analysieren: Wenn die Volatilität bereits hoch ist, kann der Straddle teuer werden.

Fazit

Die Straddle-Strategie ist eine effektive Methode, um von starken Kursbewegungen zu profitieren, ohne die Richtung des Marktes vorhersagen zu müssen. Während der Long Straddle hohe Gewinne bei starken Bewegungen ermöglicht, kann der Short Straddle in ruhigen Marktphasen Gewinne durch den Verkauf von Optionen erzielen.

Allerdings sind hohe Kosten und Zeitwertverluste wichtige Faktoren, die es zu berücksichtigen gilt. Erfolgreiches Trading mit Straddles erfordert eine sorgfältige Marktanalyse, ein gutes Risikomanagement und eine klare Strategie zur Maximierung der Gewinnchancen.