Strangle Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Straddle-Strategie Nächster Begriff: Strategie-Zertifikat

Eine Optionsstrategie, bei der gleichzeitig eine Kauf- und eine Verkaufsoption mit unterschiedlichen Basispreisen, aber identischer Laufzeit erworben werden

Der Begriff Strangle bezeichnet im Börsenhandel eine Optionsstrategie, bei der gleichzeitig eine Kaufoption (Call) und eine Verkaufsoption (Put) auf denselben Basiswert erworben werden, jedoch mit unterschiedlichen Ausübungspreisen und gleicher Laufzeit. Ziel dieser Strategie ist es, von starken Kursbewegungen zu profitieren, unabhängig von deren Richtung.

Der Strangle gehört zu den sogenannten Volatilitätsstrategien und wird insbesondere dann eingesetzt, wenn mit erheblichen Kursausschlägen gerechnet wird, die Richtung der Bewegung jedoch unklar ist.

Grundprinzip des Strangles

Das grundlegende Prinzip besteht darin, dass ein Anleger zwei Optionen kauft:

  1. Eine Call-Option mit einem höheren Ausübungspreis

  2. Eine Put-Option mit einem niedrigeren Ausübungspreis

Beide Optionen beziehen sich auf denselben Basiswert und haben die gleiche Laufzeit. Durch diese Kombination entsteht eine Position, die von starken Kursbewegungen nach oben oder unten profitieren kann.

Im Unterschied zum Straddle liegen die Ausübungspreise nicht auf demselben Niveau, sondern sind voneinander entfernt.

Funktionsweise der Strategie

Der Strangle entfaltet sein Potenzial, wenn sich der Kurs des Basiswerts deutlich in eine Richtung bewegt. Steigt der Kurs stark an, gewinnt die Call-Option an Wert, während die Put-Option an Bedeutung verliert. Fällt der Kurs stark, verhält es sich umgekehrt.

Liegt der Kurs am Ende der Laufzeit zwischen den beiden Ausübungspreisen, verfallen beide Optionen wertlos oder verlieren an Wert, was zu einem Verlust führt.

Der Anleger setzt somit darauf, dass der Kurs einen ausreichend großen Ausschlag zeigt.

Einsatzbereiche

Strangles werden typischerweise in Situationen eingesetzt, in denen mit erhöhter Volatilität gerechnet wird. Dazu gehören beispielsweise:

  1. Unternehmensmeldungen oder Quartalszahlen

  2. Wichtige wirtschaftliche Ereignisse

  3. Politische Entscheidungen oder Unsicherheiten

  4. Phasen erhöhter Marktdynamik

In solchen Situationen kann es zu starken Kursbewegungen kommen, die für die Strategie genutzt werden.

Chancen und Ertragspotenzial

Der Hauptvorteil eines Strangles liegt in der Möglichkeit, von großen Kursbewegungen in beide Richtungen zu profitieren. Die Gewinnchancen sind theoretisch unbegrenzt bei starken Kursanstiegen und erheblich bei starken Kursrückgängen.

Ein weiterer Vorteil ist, dass die Kosten für den Aufbau eines Strangles in der Regel geringer sind als bei einem Straddle. Dies liegt daran, dass die Optionen weiter vom aktuellen Kurs entfernt sind und daher oft niedrigere Prämien aufweisen.

Risiken und Einschränkungen

Das zentrale Risiko eines Strangles besteht darin, dass sich der Kurs des Basiswerts nicht ausreichend bewegt. In diesem Fall verlieren beide Optionen an Wert, insbesondere durch den Zeitwertverlust.

Da die Ausübungspreise weiter auseinanderliegen, muss die Kursbewegung stärker ausfallen als bei einem Straddle, um die Gewinnschwelle zu erreichen.

Ein weiteres Risiko besteht in einem Rückgang der Volatilität. Wenn die erwartete Volatilität nach dem Kauf der Optionen sinkt, kann dies den Wert beider Optionen negativ beeinflussen.

Bedeutung der Volatilität

Die Volatilität ist ein entscheidender Faktor für den Erfolg eines Strangles. Steigt die Volatilität, erhöhen sich in der Regel die Optionspreise, was sich positiv auf die Strategie auswirken kann.

Ein Strangle ist besonders dann sinnvoll, wenn die tatsächliche Volatilität höher ausfällt als die im Optionspreis enthaltene Erwartung.

Umgekehrt kann eine sinkende Volatilität zu Verlusten führen, selbst wenn sich der Kurs bewegt.

Abgrenzung zum Straddle

Der Strangle unterscheidet sich vom Straddle vor allem durch die unterschiedlichen Ausübungspreise. Während beim Straddle beide Optionen denselben Ausübungspreis haben, liegen sie beim Strangle auseinander.

Dies führt zu folgenden Unterschieden:

  1. Geringere Einstiegskosten beim Strangle

  2. Höhere erforderliche Kursbewegung für Gewinne

  3. Größere Bandbreite, in der Verluste entstehen können

Die Wahl zwischen beiden Strategien hängt von der Markterwartung und der Risikobereitschaft ab.

Bedeutung für Anleger

Strangles sind vor allem für erfahrene Anleger geeignet, die gezielt auf Volatilität setzen möchten. Sie erfordern ein gutes Verständnis von Optionspreisen und Marktmechanismen.

Im Portfolio können sie als taktisches Instrument eingesetzt werden, um auf besondere Marktsituationen zu reagieren.

Fazit

Ein Strangle im Börsenhandel ist eine Optionsstrategie, bei der eine Kauf- und eine Verkaufsoption mit unterschiedlichen Ausübungspreisen, aber gleicher Laufzeit kombiniert werden. Ziel ist es, von starken Kursbewegungen unabhängig von deren Richtung zu profitieren. Die Strategie bietet geringere Einstiegskosten als ein Straddle, erfordert jedoch größere Kursausschläge, um profitabel zu sein. Aufgrund der Abhängigkeit von Volatilität und Zeitwertverlust ist sie mit spezifischen Risiken verbunden und erfordert eine fundierte Marktanalyse.

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