Temporary Chain Split Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Chain Split Nächster Begriff: Permanent Chain Split
Eine kurzfristige Aufspaltung einer Blockchain in zwei konkurrierende Ketten, die durch gleichzeitiges Mining von Blöcken oder temporäre Netzwerkunterschiede entsteht und sich auflöst, sobald das Netzwerk eine einheitliche Kette durch Konsens bestätigt
Temporary Chain Split bezeichnet eine kurzfristige Aufspaltung einer Blockchain in zwei oder mehr gültige Zweige, die sich nach kurzer Zeit wieder zu einer einzigen, gemeinsamen Kette vereinigen. Der Begriff wird häufig synonym mit Temporary Fork verwendet, betont jedoch stärker den Zustand der parallelen Ketten im Gegensatz zur Ursache.
Entstehung
Temporary Chain Splits treten typischerweise in Proof-of-Work-Blockchains auf, wenn:
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Zwei Miner nahezu gleichzeitig einen gültigen Block auf denselben Vorgängerblock finden.
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Verschiedene Teile des Netzwerks jeweils einen der beiden Blöcke zuerst empfangen.
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Das Netzwerk kurzzeitig auf zwei gültigen Ketten arbeitet.
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Sobald ein neuer Block an einen der Zweige angehängt wird, ist dieser Zweig länger.
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Das Protokoll bestimmt die längere Kette als gültig (longest chain rule), und der kürzere Zweig wird verworfen (orphaned blocks).
Ursachen
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Netzwerklatenz: Verzögerungen bei der Übertragung neuer Blöcke zwischen geografisch verteilten Nodes.
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Kurze Blockzeit: Höhere Wahrscheinlichkeit für gleichzeitige Blockfunde (z. B. Ethereum vor Umstellung auf Proof-of-Stake).
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Temporäre Netzwerkpartitionen: Kurzzeitige Unterbrechungen in der Verbindung zwischen Node-Gruppen.
Merkmale
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Zeitliche Begrenzung: Meist nur Sekunden bis wenige Minuten.
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Keine dauerhafte Abspaltung: Es entsteht keine neue Kryptowährung oder separate Community.
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Erneute Transaktionsbestätigung: Transaktionen aus dem verworfenen Zweig müssen erneut bestätigt werden.
Auswirkungen
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Für Endnutzer: Geringfügige Verzögerungen bei der Transaktionsbestätigung.
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Für Börsen/Händler: Erhöhte Vorsicht – häufig wird auf mehrere Bestätigungen gewartet, bevor Transaktionen als endgültig gelten.
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Für Miner: Verlust der Blockbelohnung, wenn der eigene Block Teil des verworfenen Zweigs wird.
Abgrenzung zu anderen Begriffen
| Merkmal | Temporary Chain Split | Permanent Chain Split (Hard Fork) |
|---|---|---|
| Dauer | Kurzfristig | Dauerhaft |
| Ursache | Gleichzeitige Blockfunde, Latenz | Nicht abwärtskompatible Regeländerung |
| Folge | Kürzerer Zweig wird verworfen | Zwei eigenständige Blockchains |
| Neue Währung | Nein | Möglich |
Beispielhafte Vorkommen
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Bitcoin: Bei einer Blockzeit von ~10 Minuten selten, aber technisch normal.
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Ethereum (vor Merge): Durch ~15-Sekunden-Blockzeit häufiger beobachtet, u. a. als sog. uncle blocks.
Fazit
Ein Temporary Chain Split ist ein normales, erwartbares Phänomen in dezentralen Blockchains, das aus der physikalischen Latenz und der gleichzeitigen Arbeit vieler Miner resultiert. Es hat in der Regel keine langfristigen Folgen, wird jedoch bei sicherheitskritischen Abläufen wie Börsentransaktionen berücksichtigt, indem mehrere Blockbestätigungen abgewartet werden, bevor Transaktionen als endgültig gelten.
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