Three Arrows Capital (2022) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Cross-Chain-Liquidity-Protokoll Nächster Begriff: Tokenized Vaults

Ein Kryptowährungs-Hedgefonds, der 2022 insolvent wurde, nachdem der Zusammenbruch des Terra-Ökosystems und leveraged Investitionen in volatile Assets zu massiven Verlusten führten, was eine Kette von Ausfällen in der Branche auslöste und zu Liquidation durch ein Gericht in den Britischen Jungferninseln

Three Arrows Capital (kurz: 3AC) war ein in Singapur ansässiger Krypto-Hedgefonds, der 2012 von Su Zhu und Kyle Davies gegründet wurde. Das Unternehmen war vor allem in der Krypto- und Blockchain-Industrie aktiv und wurde bekannt für seine aggressiven Investments in digitale Vermögenswerte, Token-Projekte, dezentralisierte Finanzplattformen (DeFi) sowie in sogenannte Web3-Infrastruktur. Drei Arrows Capital erlangte große Aufmerksamkeit während des Krypto-Booms 2020–2021, erlebte jedoch im Jahr 2022 einen spektakulären Zusammenbruch, der weitreichende Folgen für den gesamten Kryptosektor hatte.

Gründung und Strategie

Die beiden Gründer Su Zhu und Kyle Davies waren ehemalige Kollegen bei Credit Suisse und verfügten über fundierte Kenntnisse in den Bereichen Finanzmärkte und Derivatehandel. Bei der Gründung von Three Arrows Capital konzentrierte sich das Unternehmen zunächst auf klassische Arbitragegeschäfte in traditionellen Märkten, verlagerte jedoch ab etwa 2018 zunehmend den Fokus auf Kryptowährungen. In der Boomphase 2020–2021 trat 3AC als einer der größten und sichtbarsten Akteure im Krypto-Investmentbereich auf.

Die Investitionsstrategie des Fonds war durch folgende Merkmale gekennzeichnet:

  1. Aggressives Leverage: 3AC nutzte umfangreiche Fremdfinanzierungen, um seine Positionen zu hebeln und so höhere Renditen zu erzielen.

  2. Konzentration auf Wachstumsprojekte: Besonders stark engagierte sich der Fonds in aufstrebenden Layer-1-Protokollen (z. B. Avalanche, Solana, Terra) sowie in DeFi- und NFT-Projekten.

  3. Vertrauensbasierte Kreditaufnahme: Viele Finanzierungsvereinbarungen basierten nicht auf Sicherheiten, sondern auf der Reputation von 3AC als institutioneller Investor.

  4. Illiquide Positionen: Ein erheblicher Teil des Portfolios bestand aus Tokenbeteiligungen an Projekten mit Haltefristen oder eingeschränkter Liquidität.

Bedeutende Beteiligungen und Engagements

Three Arrows Capital war an zahlreichen Projekten beteiligt, darunter:

  • Terra (LUNA): Eine der prominentesten Positionen von 3AC. Der Totalverlust dieser Position im Mai 2022 war ein wesentlicher Auslöser für die spätere Insolvenz.

  • Grayscale Bitcoin Trust (GBTC): 3AC hielt über längere Zeit erhebliche Bestände am GBTC, um auf die Arbitrage zwischen dem Trust-Preis und dem Bitcoin-Kassakurs zu spekulieren.

  • Avalanche (AVAX), Solana (SOL), Polkadot (DOT): Der Fonds investierte große Summen in diese Netzwerke, teilweise als Frühphasenfinanzierer.

  • BlockFi, Genesis, Voyager Digital: 3AC war sowohl Kreditnehmer als auch Beteiligter bei mehreren CeFi-Plattformen (Centralized Finance).

Der Fonds hatte sich einen Ruf als sogenannter „Smart Money“-Investor aufgebaut, dessen Engagements häufig als Marktsignal für aufstrebende Projekte galten.

Zusammenbruch im Jahr 2022

Der Kollaps von Three Arrows Capital begann im Zuge des Zusammenbruchs des Terra-Ökosystems im Mai 2022. Der algorithmische Stablecoin TerraUSD (UST) verlor innerhalb kurzer Zeit seine Bindung an den US-Dollar, was zu einem vollständigen Wertverlust des verbundenen Tokens LUNA führte. Da 3AC stark in dieses Projekt investiert war, verzeichnete der Fonds massive Verluste.

Hinzu kamen die folgenden Entwicklungen:

  1. Margin Calls und Liquidierungen: Aufgrund der gehebelten Positionen kam es zu sogenannten Margin Calls. Als der Fonds diesen nicht nachkam, wurden zahlreiche Positionen zwangsweise liquidiert.

  2. Verlust der Zahlungsfähigkeit: 3AC war nicht mehr in der Lage, seine Verpflichtungen gegenüber Gläubigern zu erfüllen. Das betraf unter anderem große Kreditgeber wie Voyager Digital und Genesis Global Capital.

  3. Fehlende Transparenz: Der Fonds informierte Gläubiger und Geschäftspartner nur unzureichend über seine Finanzlage, was das Vertrauen weiter untergrub.

Am 27. Juni 2022 reichte Voyager Digital ein Zahlungsausfall-Notice ein, und kurz darauf wurde 3AC in den Britischen Jungferninseln offiziell für insolvent erklärt. Eine Liquidationsfirma (Teneo Restructuring) wurde beauftragt, Vermögenswerte sicherzustellen und Rückzahlungen an Gläubiger zu organisieren.

Auswirkungen auf den Kryptomarkt

Der Zusammenbruch von Three Arrows Capital hatte weitreichende Konsequenzen für die gesamte Kryptoindustrie. Zu den bedeutendsten Folgen zählten:

  1. Kettenreaktionen bei Kreditgebern: Zahlreiche Krypto-Kreditplattformen hatten große Summen an 3AC verliehen – vielfach unbesichert. Die Zahlungsunfähigkeit von 3AC führte direkt oder indirekt zur Insolvenz von Plattformen wie Voyager Digital, Celsius Network und BlockFi.

  2. Vertrauensverlust im Sektor: Die Tatsache, dass ein Fonds dieser Größenordnung ohne ausreichende Transparenz und Risikomanagement operieren konnte, führte zu einem erheblichen Vertrauensverlust gegenüber institutionellen Akteuren in der Krypto-Branche.

  3. Regulatorischer Druck: Die Ereignisse rund um 3AC verstärkten die Forderungen von Regulierungsbehörden weltweit nach strikteren Offenlegungspflichten, Sicherheitenregelungen und Aufsicht über Krypto-Fonds.

  4. Marktturbulenzen: Die notgedrungene Liquidierung großer Vermögenswerte durch 3AC und seine Gläubiger führte zu zusätzlichen Kursverlusten bei vielen Token, insbesondere solchen, in die der Fonds stark investiert war.

Juristische und administrative Aufarbeitung

Nach der Insolvenzerklärung wurde ein internationales Verfahren zur Vermögenssicherung und Gläubigerbefriedigung eingeleitet. Die Liquidatoren hatten dabei erhebliche Schwierigkeiten, da die Gründer zunächst untergetaucht waren und sich einer Kooperation entzogen. Dokumente, Wallet-Zugänge und Vertragsunterlagen wurden teilweise nicht oder nur fragmentarisch bereitgestellt.

Im Laufe der Zeit gelang es den Liquidatoren, bestimmte Vermögenswerte aufzuspüren und zu sichern, darunter Token-Bestände, NFT-Portfolios sowie Beteiligungen an Start-ups. Allerdings gestaltete sich die vollständige Rückführung der Gläubigermittel als langwierig und komplex. Auch strafrechtliche Aspekte wurden untersucht, wobei die rechtliche Beurteilung durch unterschiedliche Gerichtsbarkeiten erschwert wurde.

Neugründung und Kontroversen

Trotz des Zusammenbruchs von Three Arrows Capital gaben die beiden Gründer im Januar 2023 bekannt, gemeinsam mit Partnern eine neue Handelsplattform mit dem Namen GTX (später als Open Exchange bekannt) ins Leben zu rufen. Diese sollte es ermöglichen, Forderungen insolventer Krypto-Firmen zu handeln. Der Versuch wurde in der Öffentlichkeit stark kritisiert, da viele Gläubiger von 3AC ihre Ansprüche noch nicht zurückerhalten hatten und die Glaubwürdigkeit der Gründer erheblich beschädigt war.

Fazit

Three Arrows Capital war ein zentraler Akteur in der Phase der Hochdynamik der Krypto-Finanzmärkte zwischen 2020 und 2022. Der Fonds nutzte aggressiv gehebelte Strategien und baute große, oft illiquide Positionen auf, die in einer Phase der Marktkorrektur zu einem raschen Zusammenbruch führten. Der Fall 3AC gilt heute als ein markantes Beispiel für fehlendes Risikomanagement, übermäßige Fremdfinanzierung und systemische Anfälligkeit im Krypto-Sektor. Die daraus resultierenden Konsequenzen haben die Wahrnehmung institutioneller Akteure im DeFi-Bereich nachhaltig verändert und zu einer stärkeren Betonung von Transparenz, Regulierung und Due Diligence geführt.