Unbedingte Termingeschäfte Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Kündigungsgelder Nächster Begriff: Bedingte Termingeschäfte
Ein rechtsverbindlicher Vertrag, der beide Parteien fest dazu verpflichtet, einen Basiswert zu einem im Voraus bestimmten Kurs zu einem exakt definierten zukünftigen Zeitpunkt zu tauschen
Unbedingte Termingeschäfte sind im Finanzwesen Verträge, bei denen sich beide Vertragsparteien verpflichten, einen bestimmten Basiswert zu einem festgelegten Preis zu einem zukünftigen Zeitpunkt zu kaufen beziehungsweise zu verkaufen. Im Gegensatz zu bedingten Termingeschäften, bei denen ein Wahlrecht besteht, sind unbedingte Termingeschäfte durch eine beidseitig verbindliche Erfüllungspflicht gekennzeichnet. Sie stellen eine zentrale Kategorie des Terminhandels dar und werden insbesondere zur Absicherung von Risiken sowie zu spekulativen Zwecken eingesetzt.
Begriffliche Einordnung
Unbedingte Termingeschäfte gehören zu den derivativen Finanzinstrumenten, da ihr Wert vom Preis eines zugrunde liegenden Basiswerts abhängt. Dieser Basiswert kann beispielsweise eine Aktie, ein Zinssatz, eine Währung oder ein Rohstoff sein.
Das wesentliche Merkmal liegt in der Unbedingtheit der Verpflichtung. Beide Parteien sind rechtlich gebunden, das Geschäft zum vereinbarten Zeitpunkt zu den festgelegten Konditionen zu erfüllen. Es besteht kein Wahlrecht, wie es etwa bei Optionen der Fall ist.
Typische Vertreter unbedingter Termingeschäfte sind Futures und Forwards. Diese unterscheiden sich vor allem in ihrer Standardisierung und Handelsform.
Arten unbedingter Termingeschäfte
Unbedingte Termingeschäfte lassen sich in zwei grundlegende Formen unterteilen:
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Futures
Futures sind standardisierte Terminkontrakte, die an Börsen gehandelt werden. Sie legen die Menge, Qualität und den Lieferzeitpunkt des Basiswerts sowie andere Vertragsbedingungen fest. Durch die Standardisierung sind Futures besonders liquide und transparent. -
Forwards
Forwards sind individuell vereinbarte Termingeschäfte, die außerbörslich zwischen zwei Parteien abgeschlossen werden. Sie bieten eine hohe Flexibilität hinsichtlich der Vertragsgestaltung, sind jedoch weniger standardisiert und mit einem höheren Gegenparteirisiko verbunden.
Diese beiden Formen bilden die Grundlage für den Großteil des Handels mit unbedingten Termingeschäften.
Funktionsweise
Bei einem unbedingten Termingeschäft wird bereits zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses ein Preis für die zukünftige Transaktion festgelegt. Dieser sogenannte Terminkurs basiert auf dem aktuellen Kassapreis sowie weiteren Einflussfaktoren wie Zinsen, Lagerkosten oder Markterwartungen.
Zum vereinbarten Termin erfolgt die Erfüllung des Vertrags. Diese kann entweder durch tatsächliche Lieferung des Basiswerts oder durch einen finanziellen Ausgleich erfolgen. In der Praxis wird häufig die Differenz zwischen dem vereinbarten Preis und dem aktuellen Marktpreis ausgeglichen, ohne dass eine physische Lieferung stattfindet.
Bei börsengehandelten Futures erfolgt zusätzlich eine tägliche Bewertung der offenen Positionen, bei der Gewinne und Verluste laufend verrechnet werden. Dies reduziert das Ausfallrisiko.
Einsatzmöglichkeiten
Unbedingte Termingeschäfte werden von verschiedenen Marktteilnehmern für unterschiedliche Zwecke genutzt.
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Absicherung
Unternehmen und Investoren verwenden diese Instrumente, um sich gegen Preisrisiken abzusichern. Beispielsweise kann ein Unternehmen zukünftige Rohstoffpreise fixieren, um Planungssicherheit zu erhalten. -
Spekulation
Marktteilnehmer können gezielt auf zukünftige Preisentwicklungen setzen. Durch die häufig vorhandene Hebelwirkung können bereits geringe Preisänderungen zu erheblichen Gewinnen oder Verlusten führen. -
Arbitrage
Arbitrageure nutzen Preisunterschiede zwischen Kassamarkt und Terminmarkt oder zwischen verschiedenen Märkten aus, um risikolose Gewinne zu erzielen. Dies trägt zur Effizienz der Preisbildung bei.
Risiken
Unbedingte Termingeschäfte sind mit spezifischen Risiken verbunden, die sich aus ihrer Struktur ergeben.
Ein wesentliches Risiko ist die Verpflichtung zur Erfüllung des Vertrags, unabhängig von der tatsächlichen Marktentwicklung. Dies kann zu erheblichen Verlusten führen, insbesondere bei stark schwankenden Preisen.
Weitere Risiken sind:
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Marktrisiko durch ungünstige Preisentwicklungen
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Liquiditätsrisiko bei schwer handelbaren Kontrakten
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Gegenparteirisiko bei außerbörslichen Geschäften
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Hebelrisiken durch den Einsatz von Sicherheiten
Diese Risiken erfordern eine sorgfältige Analyse und ein umfassendes Risikomanagement.
Bedeutung für die Finanzmärkte
Unbedingte Termingeschäfte spielen eine zentrale Rolle in modernen Finanzmärkten. Sie ermöglichen eine effiziente Übertragung von Risiken zwischen Marktteilnehmern und tragen zur Preisbildung bei.
Durch die Möglichkeit, zukünftige Preise festzulegen, schaffen sie Planungssicherheit für Unternehmen und Investoren. Gleichzeitig erhöhen sie die Liquidität und Tiefe der Märkte, da sie zusätzliche Handelsmöglichkeiten bieten.
Allerdings können sie auch zur Verstärkung von Marktschwankungen beitragen, insbesondere wenn spekulative Positionen dominieren.
Abgrenzung zu bedingten Termingeschäften
Der zentrale Unterschied zwischen unbedingten und bedingten Termingeschäften liegt in der Verpflichtungsstruktur. Während bei unbedingten Termingeschäften beide Parteien zur Erfüllung verpflichtet sind, hat bei bedingten Termingeschäften in der Regel nur eine Partei ein Wahlrecht.
Optionen sind das typische Beispiel für bedingte Termingeschäfte. Der Käufer einer Option kann entscheiden, ob er das Geschäft ausübt, während der Verkäufer zur Erfüllung verpflichtet ist.
Diese unterschiedliche Struktur führt zu erheblichen Unterschieden im Risikoprofil und in den Einsatzmöglichkeiten.
Regulierung und Absicherung
Aufgrund ihrer Risiken unterliegen unbedingte Termingeschäfte einer umfassenden Regulierung. Börsengehandelte Instrumente werden durch Clearingstellen abgesichert, die als zentrale Gegenpartei fungieren und das Ausfallrisiko reduzieren.
Dazu werden Sicherheiten in Form von Margins verlangt, die je nach Marktentwicklung angepasst werden. Diese Mechanismen tragen zur Stabilität des Systems bei und begrenzen systemische Risiken.
Außerbörsliche Geschäfte unterliegen ebenfalls regulatorischen Anforderungen, insbesondere hinsichtlich Transparenz und Risikomanagement.
Fazit
Unbedingte Termingeschäfte sind verbindliche Verträge über zukünftige Transaktionen, bei denen beide Parteien zur Erfüllung verpflichtet sind. Sie stellen eine grundlegende Form des Terminhandels dar und werden sowohl zur Absicherung als auch zur Spekulation eingesetzt. Typische Ausprägungen sind Futures und Forwards, die sich in ihrer Standardisierung und Handelsform unterscheiden. Trotz ihrer zentralen Bedeutung für die Funktionsfähigkeit der Finanzmärkte sind sie mit erheblichen Risiken verbunden, insbesondere durch die verpflichtende Erfüllung und mögliche Hebelwirkungen. Daher erfordern sie fundierte Kenntnisse und ein sorgfältiges Risikomanagement.