veRAM Börsenlexikon Vorheriger Begriff: veTHENA Nächster Begriff: veEQUAL

Ein Token, der durch das Sperren von RAM-Token auf einer Plattform entsteht, um Governance-Rechte, höhere Staking-Belohnungen und Einfluss auf Liquiditätspools in einem dezentralen Finanzprotokoll zu erhalten

veRAM (vote-escrowed RAM) ist der zentrale Governance- und Anreiztoken des dezentralen Finanzprotokolls Ramses, das auf der Layer-2-Blockchain Arbitrum betrieben wird. Ramses orientiert sich am ve(3,3)-Modell, das Elemente des vote-escrowed Tokenmodells (ve-Modell) mit spieltheoretischen Anreizstrukturen kombiniert. veRAM ist nicht handelbar und entsteht ausschließlich durch das Sperren (Locking) von $RAM, dem nativen Token von Ramses. Durch das Halten von veRAM erhalten Nutzer Stimmrechte, Zugang zu Belohnungen sowie Einfluss auf die Verteilung von Token-Emissionen.

Entstehung und Struktur von veRAM

veRAM entsteht durch das Locken von $RAM über eine selbst gewählte Zeitdauer von bis zu 4 Jahren (208 Wochen). Die Sperrdauer bestimmt linear das Stimmgewicht, das der Nutzer in Form von veRAM erhält.

Formel zur Berechnung von veRAM:

$$ \text{veRAM} = \text{RAM-Menge} \times \left( \frac{\text{gewählte Sperrzeit (in Wochen)}}{208} \right) $$

Beispiel:
500 $RAM, gesperrt für 2 Jahre (104 Wochen), ergeben:

$$ 500 \times \left( \frac{104}{208} \right) = 250 \text{ veRAM} $$

Eigenschaften von veRAM:

  • Nicht übertragbar: veRAM ist ein rein internes, nicht handelbares Token.

  • Zeitlicher Verfall (Decay): Das Stimmgewicht sinkt mit ablaufender Sperrfrist kontinuierlich.

  • Verlängerung möglich: Um das Stimmgewicht zu erhalten, kann die Sperrfrist verlängert werden.

  • Einmal gesperrt, bleibt $RAM unzugänglich, bis die Frist abgelaufen ist.

Funktionen und Rechte von veRAM-Inhabern

veRAM verleiht seinem Inhaber verschiedene Rechte und Vorteile, die auf Governance, Anreizsteuerung und Kapitalbeteiligung ausgerichtet sind.

1. Gauge-Governance: Stimmrecht über Emissionsverteilung

veRAM-Inhaber entscheiden wöchentlich darüber, welche Liquiditätspools (sogenannte Gauges) neue $RAM-Emissionen erhalten. Die Allokation der Emissionen erfolgt vollständig durch die gewichtete Abstimmung der veRAM-Inhaber. Dies erlaubt es ihnen, die Kapitalflüsse im Ramses-Protokoll aktiv zu steuern.

Die Stimmberechtigung ist dabei proportional zum gehaltenen veRAM, und die Stimmen können auf verschiedene Pools verteilt werden.

2. Bribe-Einnahmen

Ramses bietet einen offenen Bribe-Markt, auf dem Protokolle oder DAOs externe Belohnungen anbieten, um veRAM-Stimmen für bestimmte Pools zu gewinnen. veRAM-Inhaber, die ihre Stimme „verkaufen“, erhalten dafür:

  • Stablecoins (z. B. USDC, USDT)

  • Token anderer Protokolle (z. B. $wETH, $ARB)

  • zusätzliche $RAM oder Partner-Tokens

Dieser Mechanismus schafft einen direkten finanziellen Anreiz, sich aktiv an der Governance zu beteiligen.

3. Erhalt von Protokollgebühren

veRAM-Inhaber erhalten einen Anteil der auf Ramses generierten Handelsgebühren, abhängig vom Verhältnis ihres veRAM-Gewichts zum Gesamtgewicht aller gesperrten Tokens. Dies betrifft insbesondere:

  • Swap-Gebühren aus AMM-Pools

  • Verwaltungsgebühren aus Ramses-Subprotokollen oder Treasury-Aktivitäten

4. Teilnahme an allgemeinen Governance-Entscheidungen

Neben der Emissionssteuerung nehmen veRAM-Inhaber an Abstimmungen zu zentralen Protokollfragen teil, darunter:

  • Änderungen der Gebührenstruktur

  • Integration neuer Funktionen

  • Treasury-Management

  • Partnerschaften und strategische Allianzen

Rolle im ve(3,3)-Modell

veRAM ist fest im ve(3,3)-Modell verankert. Dieses Modell basiert auf der Annahme, dass maximaler kollektiver Nutzen entsteht, wenn möglichst viele Teilnehmer ihre Tokens langfristig sperren („Staken“) und damit Governance-Stabilität, Kapitalbindung und Belohnungsverteilung vereint werden.

Durch die Rückkopplung von Emissionen an das Abstimmungsverhalten der veRAM-Inhaber entsteht ein selbstregulierendes System:

  1. Nur gewählte Pools erhalten Emissionen.

  2. Diese Emissionen werden an Liquiditätsanbieter ausgeschüttet.

  3. Neue $RAM können wiederum gesperrt werden, um veRAM zu generieren.

  4. veRAM entscheidet über die nächste Emissionsrunde.

Dies schafft einen Anreizkreislauf, der langfristige Beteiligung belohnt und kurzfristige Spekulation disinzentiviert.

Wechselwirkung mit Partnerprojekten

Protokolle auf Arbitrum, die auf Ramses aufbauen oder ihre Token dort listen, streben oft selbst veRAM-Positionen an oder versuchen, veRAM-Stimmen über Bribes zu gewinnen. Dies macht veRAM auch zu einem politisch und ökonomisch wertvollen Gut innerhalb des Ökosystems.

Darüber hinaus entstehen sogenannte veRAM-Delegationsplattformen, die Stimmen von Kleinanlegern bündeln, um im Gegenzug attraktive Belohnungen auszuschütten.

Liquid-Staking und Derivate

Um die mit Locking verbundene Illiquidität zu umgehen, gibt es auch für veRAM liquide Derivatlösungen, zum Beispiel:

  • plvRAM (PlutusDAO): Tokenisiertes Derivat, das Anspruch auf Belohnungen und Stimmrechte bietet

  • mRAM (Magpie Finance): Alternative Derivatform mit Belohnungsweiterleitung

Diese Produkte ermöglichen indirekte Governance-Teilnahme und Ertragsgenerierung, ohne dass der Nutzer selbst RAM sperren muss.

Risiken und Herausforderungen

Obwohl veRAM ein strategisches Governance-Tool ist, sind mit dem Modell spezifische Risiken verbunden:

  1. Governance-Konzentration

    Große veRAM-Halter oder aggregierende Plattformen können dauerhaft überproportionalen Einfluss ausüben.

  2. Kapitalbindung

    Gesperrte $RAM können nicht vorzeitig genutzt oder verkauft werden – ein Nachteil in volatilen Marktphasen.

  3. Anreizverzerrung durch Bribes

    Stimmen könnten primär durch kurzfristige Zahlungen motiviert werden, was zu Governance-Fehlentscheidungen führen kann.

  4. Komplexität

    Das Zusammenspiel von Locking, Decay, Bribes, Emissionen und Boosts erfordert ein tiefes Verständnis, was die Einstiegshürde erhöht.

Fazit

veRAM ist das zentrale Steuerungselement im Ramses-Protokoll auf Arbitrum. Es kombiniert Kapitalbindung mit Governance-Macht, ökonomischen Vorteilen und einem marktgesteuerten Belohnungssystem. Als nicht handelbarer Token belohnt veRAM langfristige Nutzer, die bereit sind, aktiv an der Entwicklung des Protokolls mitzuwirken. Über Gauge-Governance, Bribe-Märkte und Gebührenbeteiligung schafft veRAM ein nachhaltiges Anreizsystem, das sich am ve(3,3)-Modell orientiert. Gleichzeitig ist eine sorgfältige Handhabung erforderlich, um Risiken wie Machtkonzentration und Anreizverzerrung zu minimieren.