Verfallsdatum Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Verbindlichkeiten Nächster Begriff: Verkäufermarkt

Ein Datum, an dem eine Option oder ein Derivatkontrakt verfällt und nicht mehr ausgeübt werden kann, um das Ende der Handelsmöglichkeit und die Abrechnung zu markieren

Verfallsdatum ist ein Begriff aus dem Finanzwesen, der den Zeitpunkt angibt, zu dem ein Finanzinstrument seine Gültigkeit verliert oder ein vertraglich eingeräumtes Recht erlischt. Nach diesem Datum kann das Instrument entweder nicht mehr ausgeübt werden oder es wird automatisch abgewickelt, sofern bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Der Begriff findet insbesondere im Zusammenhang mit Derivaten wie Optionen, Futures, Optionen auf Futures, Zertifikaten oder strukturierten Finanzprodukten Anwendung. Auch im Versicherungs- und Kreditwesen kann ein Verfallsdatum eine Rolle spielen, wenn etwa Laufzeitgrenzen oder Fälligkeitszeitpunkte erreicht werden.

Grundlegende Funktion und Bedeutung

Das Verfallsdatum (englisch: Expiration Date) ist ein zentrales Strukturmerkmal von Finanzinstrumenten mit begrenzter Laufzeit. Es legt den letzten Gültigkeitstag eines Instruments fest. Ab diesem Zeitpunkt verliert das Instrument entweder vollständig seinen Wert oder wird automatisch abgerechnet, je nach vertraglicher Ausgestaltung. Die Nähe zum Verfallsdatum hat einen direkten Einfluss auf den Zeitwert und somit auf die Preisbildung eines Derivats. Je näher der Verfall rückt, desto stärker sinkt der Zeitwert – ein Effekt, der als Zeitwertverfall (englisch: Time Decay) bezeichnet wird.

Verfallsdatum bei Optionen

Im Optionshandel bezeichnet das Verfallsdatum den letzten Tag, an dem der Inhaber einer Option sein Recht ausüben kann. Optionen sind bedingte Termingeschäfte, die dem Käufer das Recht, aber nicht die Pflicht einräumen, einen Basiswert zu einem festgelegten Preis (Basispreis) innerhalb eines bestimmten Zeitraums zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put).

Unterschieden wird zwischen zwei Ausübungsarten:

  1. Amerikanische Optionen: Diese können an jedem Handelstag bis einschließlich des Verfallsdatums ausgeübt werden.

  2. Europäische Optionen: Diese können nur am Verfallsdatum selbst ausgeübt werden.

Am Verfallsdatum entscheidet sich, ob eine Option „im Geld“ (innerer Wert vorhanden) oder „aus dem Geld“ (wertlos) ist. Optionen, die im Geld sind, werden in der Regel automatisch ausgeübt, sofern der Optionsinhaber nicht ausdrücklich widerspricht. Optionen, die aus dem Geld sind, verfallen ohne Gegenwert.

Verfallsdatum bei Futures

Auch bei Futures, also unbedingten Termingeschäften mit standardisierten Vertragsbedingungen, gibt es ein festgelegtes Verfallsdatum. An diesem Tag endet die Laufzeit des Kontrakts. Der Kontrakt wird entweder durch physische Lieferung des Basiswertes oder durch barwertige Ausgleichszahlung (Cash Settlement) erfüllt.

Viele Marktteilnehmer vermeiden die tatsächliche Abwicklung, indem sie ihre Positionen vor dem Verfallsdatum durch sogenannte Glattstellung schließen oder in einen länger laufenden Kontrakt „rollen“. Das Verfallsdatum ist insbesondere für Liquiditätssteuerung und Risikomanagement bedeutend, da ab diesem Zeitpunkt keine Preisbildung für den jeweiligen Kontrakt mehr stattfindet.

Verfallsdatum bei Zertifikaten und strukturierten Produkten

Bei Zertifikaten, Warrants und anderen strukturierten Produkten ist das Verfallsdatum ebenfalls ein festgelegter Termin, an dem das Produkt entweder automatisch ausgezahlt wird (bei positiver Wertentwicklung) oder wertlos verfällt. Der Emittent zahlt je nach Produkttyp:

  • den inneren Wert (z. B. bei Optionsscheinen),

  • einen garantierten Rückzahlungsbetrag (z. B. bei Kapitalschutz-Zertifikaten),

  • oder nichts, wenn die Bedingungen (z. B. eine Knock-Out-Schwelle) nicht erfüllt wurden.

Das Verfallsdatum stellt bei diesen Produkten den Endpunkt der Anlage dar und ist im Produktinformationsblatt eindeutig angegeben.

Bedeutung des Verfallsdatums für die Bewertung

Die Bewertung von derivativen Finanzinstrumenten hängt stark von der Restlaufzeit bis zum Verfallsdatum ab. Der Gesamtwert eines Derivats setzt sich aus dem inneren Wert und dem Zeitwert zusammen. Der Zeitwert sinkt mit abnehmender Restlaufzeit kontinuierlich. Dieser Effekt verstärkt sich im letzten Drittel der Laufzeit und ist bei kurzfristigen Derivaten besonders ausgeprägt.

Die sogenannte implizite Volatilität, also die vom Markt erwartete Schwankungsbreite des Basiswerts, hat ebenfalls einen Einfluss auf den Zeitwert. Umso wichtiger ist es für Anleger und Händler, das Verfallsdatum in ihre Bewertungsmodelle und Handelsstrategien einzubeziehen.

Standardisierte Verfallstage

An den Terminbörsen wie der Eurex oder der Chicago Board Options Exchange (CBOE) sind die Verfallsdaten für viele Produkte standardisiert. Üblich sind insbesondere:

  • Monatliche Verfallstage: in der Regel der dritte Freitag eines jeden Monats.

  • Quartalsverfallstage (März, Juni, September, Dezember): häufig auch als „großer Verfallstag“ oder Hexensabbat bezeichnet, da an diesen Tagen gleich mehrere Derivatearten gleichzeitig ablaufen.

Diese Termine führen regelmäßig zu erhöhtem Handelsvolumen und teils erhöhter Marktvolatilität, da große Positionen auslaufen, geschlossen oder umgeschichtet werden.

Verfallsdatum im Zusammenhang mit Kredit- und Versicherungsprodukten

Auch außerhalb des klassischen Wertpapierhandels gibt es Verfallsdaten:

  • In Versicherungsverträgen kennzeichnet das Verfallsdatum das Ende der Versicherungslaufzeit bzw. den Zeitpunkt der Fälligkeit einer Kapitalleistung.

  • In Anleihen wird das Rückzahlungsdatum oft als Fälligkeitstermin bezeichnet, obwohl hier der Begriff „Verfall“ nicht im engeren Sinn verwendet wird.

  • Bei Kreditkarten oder Gutscheinen kann das aufgedruckte Verfallsdatum anzeigen, bis wann ein bestimmter Anspruch eingelöst werden kann.

Rechtliche und praktische Konsequenzen

Das Verfallsdatum ist rechtlich bindend. Nach Ablauf dieses Datums können keine Ansprüche aus dem jeweiligen Finanzinstrument mehr geltend gemacht werden. Eine rückwirkende Ausübung ist ausgeschlossen. Für Investoren bedeutet dies:

  • eine klare Frist zur Ausübung oder Glattstellung,

  • den möglichen Totalverlust bei aus dem Geld liegenden Optionen oder Knock-Out-Produkten,

  • die Notwendigkeit, rechtzeitig Entscheidungen über Fortführung, Ausstieg oder Rollierung zu treffen.

Insbesondere für Privatanleger ist es entscheidend, das Verfallsdatum aktiv zu überwachen, um ungewollte Verluste oder verpasste Ausübungen zu vermeiden.

Fazit

Das Verfallsdatum ist ein zentrales Strukturmerkmal vieler befristeter Finanzinstrumente und legt den letzten Tag fest, an dem Ansprüche aus dem jeweiligen Produkt geltend gemacht werden können. Es hat entscheidende Auswirkungen auf Bewertung, Handelsstrategie, Risikomanagement und Liquiditätsplanung. Im Derivatehandel beeinflusst das Verfallsdatum maßgeblich den Zeitwert eines Instruments und damit seinen Preis. Marktteilnehmer müssen das Verfallsdatum genau im Blick behalten, um fristgerechte Entscheidungen über Ausübung, Glattstellung oder Rollierung zu treffen. In der Praxis ist das Verfallsdatum damit nicht nur ein formaler Endpunkt, sondern ein strategisch bedeutsames Datum im gesamten Anlageprozess.