veVELO Börsenlexikon Vorheriger Begriff: $VELO Nächster Begriff: Vote-Escrowed-Modell

Ein Token, der durch das Sperren von VELO-Token auf der Velodrome Finance Plattform entsteht, um Governance-Rechte, höhere Staking-Belohnungen und Einfluss auf Liquiditätspools zu erhalten

veVELO ist ein spezieller, nicht handelbarer Token innerhalb des DeFi-Protokolls Velodrome Finance, der durch das Sperren (engl. locking) des nativen Tokens $VELO entsteht. Der Begriff veVELO steht für „vote-escrowed VELO“ und ist ein zentrales Element des Governance- und Anreizsystems von Velodrome. Er verleiht seinem Inhaber Stimmrechte und wirtschaftliche Vorteile innerhalb des Protokolls und wurde nach dem Prinzip des von Curve Finance entwickelten vote-escrow-Modells gestaltet. Durch die langfristige Bindung von $VELO im Tausch gegen veVELO soll sichergestellt werden, dass nur engagierte Teilnehmer maßgeblichen Einfluss auf die Protokollsteuerung nehmen können.

Entstehung und technische Struktur

veVELO entsteht ausschließlich durch das Sperren von $VELO-Token über einen bestimmten Zeitraum. Dieser Vorgang erfolgt über die Benutzeroberfläche von Velodrome oder direkt über Smart Contracts und unterliegt festen Regeln:

  1. Sperrfrist:
    Nutzer können ihre $VELO für eine frei wählbare Dauer zwischen einer Woche und maximal 4 Jahren (208 Wochen) sperren.

  2. Stimmgewicht:
    Das aus der Sperrung entstehende Stimmgewicht ist proportional zur Lock-Dauer. Je länger der Zeitraum, desto mehr veVELO erhält man. Die Formel für das Gewicht ist linear:

    $$ \text{veVELO-Menge} = \text{VELO-Menge} \times \left( \frac{\text{Sperrzeit in Wochen}}{208} \right) $$

  3. Decay-Funktion:
    Der Wert von veVELO nimmt kontinuierlich ab, da sich die verbleibende Sperrzeit verringert. Ein ursprünglich auf 4 Jahre gesperrter Betrag halbiert sein Stimmgewicht nach 2 Jahren. Um das Stimmgewicht konstant zu halten, muss regelmäßig nachgesperrt werden.

  4. Nicht übertragbar:
    veVELO ist nicht handelbar oder übertragbar, da es keine eigene Tokenadresse besitzt. Es existiert nur als Eintrag in der Governance-Struktur des Protokolls.

Governance-Funktion

veVELO-Inhaber sind die ausschließlichen Governance-Berechtigten im Velodrome-Protokoll. Die wöchentliche Abstimmung über die Zuteilung der $VELO-Emissionen auf die verschiedenen Liquiditätspools erfolgt ausschließlich durch veVELO. Die Stimmverteilung hat unmittelbare wirtschaftliche Konsequenzen:

  • Nur Pools mit ausreichender Unterstützung durch veVELO-Stimmen erhalten wöchentliche VELO-Zuteilungen.

  • veVELO-Inhaber können direkt beeinflussen, welche Token-Paare incentiviert werden – ein Mechanismus, der Protokolle dazu veranlasst, gezielt um Stimmen zu werben (Bribes).

  • Abstimmungen sind offen und erlauben eine Aufteilung der Stimmen auf mehrere Pools (prozentual gewichtet).

Bribes und Einnahmemöglichkeiten

Ein wesentliches Element des veVELO-Modells ist die Möglichkeit, durch aktive Governance-Teilnahme Bribes (Bestechungszahlungen) und andere Belohnungen zu verdienen. Diese Anreize entstehen außerhalb der offiziellen VELO-Emissionen:

  1. Bribes:
    Protokolle, die ihre Pools incentivieren möchten, bieten veVELO-Inhabern zusätzliche Belohnungen (z. B. in Stablecoins, eigenen Tokens oder VELO), wenn sie für den entsprechenden Pool stimmen.

  2. Handelsgebühren:
    veVELO-Inhaber erhalten einen Anteil an den Handelsgebühren der Pools, für die sie gestimmt haben. Die Gebühren werden in den jeweils getradeten Token ausgeschüttet.

  3. Emission Rewards:
    Ein Teil der VELO-Emissionen wird direkt oder indirekt an veVELO-Halter rückverteilt, z. B. über Treasury-Rückkäufe oder Protokoll-Belohnungen.

Diese Mechanismen schaffen starke wirtschaftliche Anreize für die Governance-Beteiligung und verwandeln veVELO in ein strategisches Anlageinstrument.

Strategische Bedeutung

veVELO stellt das zentrale Machtinstrument im Velodrome-Ökosystem dar. Es bestimmt nicht nur über Anreize für Liquidität, sondern auch über die Allokation von Ressourcen und die langfristige Ausrichtung des Protokolls. Daraus ergeben sich mehrere strategische Implikationen:

  • Kapitalbindung: Nur durch das Locken von $VELO kann Governance-Relevanz erreicht werden. Dies fördert eine langfristige Bindung der Nutzer an das Protokoll.

  • Einfluss auf Liquidität: Wer über viel veVELO verfügt, entscheidet, welche Pools attraktiver werden. Dies führt zu „Liquidity Wars“, in denen Protokolle um Stimmen konkurrieren.

  • Verfestigung von Machtstrukturen: Frühzeitige oder kapitalkräftige Akteure, die große Mengen $VELO langfristig gesperrt haben, können dominanten Einfluss ausüben – ein Umstand, der regelmäßig in DeFi-Governance-Protokollen diskutiert wird.

Technologische Umsetzung und Schnittstellen

Die veVELO-Struktur ist vollständig on-chain über Smart Contracts auf Optimism abgebildet. Nutzer interagieren entweder direkt mit diesen Verträgen oder über grafische Benutzeroberflächen (DApps). Die Smart Contracts regeln automatisch:

  • Die Gültigkeit und Dauer von Locks

  • Das Decaying der Stimmgewichte

  • Die Ausführung von Abstimmungen

  • Die Ausschüttung von Belohnungen

Zudem gibt es vielfältige Integrationen in Aggregatoren, Analyseplattformen und DeFi-Protokolle, die auf veVELO-Daten zugreifen, um Abstimmungsverhalten oder Belohnungspotenziale sichtbar zu machen.

Risiken und Herausforderungen

Trotz der zahlreichen Vorteile birgt das veVELO-Modell auch Herausforderungen:

  • Governance-Zentralisierung: Große Tokenhalter mit langen Lock-Zeiten erhalten überproportionalen Einfluss auf die Protokollsteuerung.

  • Lock-In-Effekt: Einmal gesperrte $VELO können nicht vorzeitig entsperrt werden. In Marktphasen mit starkem Preisverfall kann dies zum Nachteil werden.

  • Bribe-Abhängigkeit: Ein wachsender Anteil der Governance-Aktivität kann durch kurzfristige Bribes motiviert sein, anstatt durch nachhaltige Protokollinteressen.

  • Komplexität: Die ökonomischen Zusammenhänge zwischen Locking, Stimmgewicht, Belohnung und Liquidität erfordern ein hohes Maß an Verständnis auf Nutzerseite.

Fazit

veVELO ist das Rückgrat der Governance-Architektur von Velodrome Finance. Durch das Sperren von $VELO entsteht ein langfristig orientiertes, dezentral gesteuertes Anreizsystem, das Nutzer für ihre Beteiligung belohnt. Die Kombination aus nicht handelbaren Stimmrechten, kontinuierlicher Gewichtsanpassung und externen Belohnungsmechanismen schafft ein komplexes, aber effektives Steuerungsmodell für die Allokation von Liquiditätsanreizen. Gleichzeitig erfordert der Umgang mit veVELO ein strategisches Verständnis und die Bereitschaft zur Kapitalbindung – eine Voraussetzung, die sowohl Governance-Stabilität als auch mögliche Konzentrationsrisiken mit sich bringt.