Works Progress Administration (WPA, 1935) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: WIF-Format (Wallet Import Format) Nächster Begriff: Wrapped Assets

Eine US-amerikanische New-Deal-Agentur, die Arbeitsplätze durch öffentliche Infrastrukturprojekte wie Bauarbeiten, Straßen und kulturelle Programme schuf, um die wirtschaftliche Erholung während der Großen Depression zu fördern

Die Works Progress Administration (WPA) war ein bedeutendes arbeitsmarktpolitisches Programm der US-amerikanischen Bundesregierung während der Großen Depression. Sie wurde im Jahr 1935 unter Präsident Franklin D. Roosevelt im Rahmen des „New Deal“ gegründet und hatte das Ziel, Millionen arbeitsloser Amerikanerinnen und Amerikaner durch staatlich finanzierte Beschäftigungsmaßnahmen in Lohn und Brot zu bringen. Die WPA war eine der größten und umfassendsten Arbeitsbeschaffungsinitiativen in der US-Geschichte und hatte nachhaltige Auswirkungen auf die Infrastruktur, die kulturelle Landschaft und das soziale Gefüge der Vereinigten Staaten.

Entstehungshintergrund und gesetzliche Grundlage

Die Vereinigten Staaten befanden sich Anfang der 1930er-Jahre in einer schweren Wirtschaftskrise. Die Arbeitslosigkeit hatte in der Folge des Börsenkrachs von 1929 historische Höchststände erreicht; im Jahr 1933 lag sie bei etwa 25 %. Viele Menschen litten unter extremer Armut, und bestehende lokale Hilfssysteme waren überfordert. Die Bundesregierung unter Präsident Roosevelt reagierte mit einer Vielzahl von Maßnahmen, die unter dem Sammelbegriff „New Deal“ bekannt wurden.

Im Rahmen dieses Programms wurde am 6. Mai 1935 durch Executive Order Nr. 7034 die Works Progress Administration ins Leben gerufen. Sie wurde als Nachfolgeorganisation der Federal Emergency Relief Administration (FERA) gegründet und dem neu geschaffenen „Works Progress Board“ unterstellt. Die Leitung übernahm Harry Hopkins, ein enger Vertrauter Roosevelts und engagierter Sozialreformer.

Struktur und Arbeitsweise der WPA

Die WPA war eine bundesstaatliche Organisation mit dezentralen Strukturen. Die operative Durchführung der Projekte erfolgte auf lokaler Ebene, wobei Bundesmittel über Bundesstaaten und Kommunen verteilt wurden. Die Auswahl der Projekte orientierte sich an lokalem Bedarf, technischer Machbarkeit und beschäftigungspolitischer Wirksamkeit. Ziel war nicht nur die kurzfristige Linderung der Arbeitslosigkeit, sondern auch die langfristige Verbesserung der öffentlichen Infrastruktur.

Die WPA zeichnete sich durch folgende Merkmale aus:

  1. Lohnarbeit statt Almosen: Die WPA verfolgte den Ansatz, Arbeitslose nicht durch finanzielle Hilfen passiv zu unterstützen, sondern ihnen sinnvolle Beschäftigung zu bieten. Dies sollte sowohl das Selbstwertgefühl stärken als auch die Wirtschaft anregen.

  2. Breites Projektspektrum: Es wurden zahlreiche Projekte in den Bereichen Bauwesen, Bildung, Kunst, Kultur und Wissenschaft umgesetzt.

  3. Förderung benachteiligter Gruppen: Die WPA beschäftigte auch Frauen, Minderheiten, ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen – ein damals ungewöhnlicher Ansatz.

Umfang und Ergebnisse der WPA

Zwischen 1935 und 1943 beschäftigte die WPA insgesamt rund 8,5 Millionen Menschen. Finanziert wurde die Behörde durch direkte Zuweisungen aus dem Bundeshaushalt, wobei die Gesamtausgaben in diesem Zeitraum auf etwa 11 Milliarden US-Dollar geschätzt werden.

Einige der wichtigsten Resultate der WPA-Arbeit waren:

  1. Infrastrukturprojekte:

    • Bau und Instandsetzung von über 600 000 Meilen Straßen.

    • Errichtung von mehr als 125 000 öffentlichen Gebäuden (z. B. Schulen, Krankenhäuser, Bibliotheken).

    • Bau von Brücken, Flughäfen, Dämmen und Wasserver- bzw. Abwassersystemen.

  2. Kultur- und Bildungsprojekte (Federal One Programs):

    • Das „Federal Art Project“ beschäftigte Künstler zur Schaffung öffentlicher Wandmalereien, Skulpturen und Designarbeiten.

    • Das „Federal Writers’ Project“ dokumentierte Volksmärchen, Alltagsgeschichten und Zeitzeugenberichte, insbesondere von ehemaligen Sklaven.

    • Das „Federal Theatre Project“ und das „Federal Music Project“ unterstützten darstellende Künstler, Orchester und Theaterproduktionen.

  3. Soziale Projekte:

    • Alphabetisierungsprogramme für Erwachsene.

    • Erhebungen und statistische Arbeiten zur sozialen Lage (z. B. Wohnungsstudien, Gesundheitsumfragen).

Die WPA entwickelte sich zur größten Arbeitgeberin des Landes während der 1930er-Jahre. Durch ihre flächendeckende Präsenz in allen Bundesstaaten trug sie maßgeblich zur sozialen Stabilisierung der Vereinigten Staaten in einer Zeit schwerer wirtschaftlicher Verwerfungen bei.

Kritik und Kontroversen

Trotz ihrer großen Bedeutung blieb die WPA nicht frei von Kritik. Konservative Kritiker warfen ihr Ineffizienz, Vetternwirtschaft und politische Einflussnahme vor. Insbesondere Republikaner unterstellten Roosevelt, die WPA als politisches Machtinstrument zur Sicherung von Wählerstimmen genutzt zu haben.

Auch wurde bemängelt, dass bestimmte Projekte unnötig oder übermäßig kostenintensiv gewesen seien. Der Begriff „make-work“ wurde abwertend verwendet, um WPA-Maßnahmen als künstliche Beschäftigung ohne wirtschaftlichen Mehrwert zu diskreditieren. Andererseits zeigten viele Analysen, dass die WPA produktive und nachhaltige Ergebnisse lieferte – sowohl in materieller als auch in kultureller Hinsicht.

Ein weiteres Spannungsfeld betraf die Rassenthematik. Zwar beschäftigte die WPA afroamerikanische und andere Minderheiten, jedoch blieben sie oft auf schlechter bezahlte oder weniger sichtbare Tätigkeiten beschränkt. Diskriminierung war auch innerhalb der Programme nicht vollständig überwunden.

Auflösung und Vermächtnis

Mit dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg im Jahr 1941 verlagerte sich der Fokus der Wirtschaftspolitik. Die steigende industrielle Nachfrage und der massive Personalbedarf der Streitkräfte führten zu einer natürlichen Reduktion der Arbeitslosigkeit. Die WPA wurde schließlich 1943 eingestellt.

Ihr Vermächtnis bleibt jedoch bis heute sichtbar:

  • Tausende von Gebäuden, Straßen und Brücken, die unter der WPA gebaut wurden, sind noch in Betrieb.

  • Die kulturellen Beiträge des „Federal One“ prägen die US-amerikanische Erinnerungskultur bis heute.

  • Die Programmatik der WPA diente als Vorbild für spätere Arbeitsmarktprogramme, sowohl in den USA als auch international.

Fazit

Die Works Progress Administration war ein zentrales Element der wirtschaftlichen und sozialen Antwort auf die Große Depression in den Vereinigten Staaten. Sie kombinierte kurzfristige Arbeitsbeschaffung mit langfristigem gesellschaftlichem Nutzen und ermöglichte Millionen Menschen eine Rückkehr in ein produktives Berufsleben. Trotz berechtigter Kritikpunkte trug die WPA wesentlich zur Stabilisierung des Landes bei und hinterließ ein bleibendes infrastrukturelles und kulturelles Erbe. Als Ausdruck staatlicher Handlungsfähigkeit in der Krise gilt sie heute als historisches Beispiel erfolgreicher Beschäftigungspolitik.