Wrapped Assets Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Works Progress Administration (WPA, 1935) Nächster Begriff: Wrapped Token

Eine Kryptowährung, die den Wert eines anderen Assets wie Bitcoin oder Fiat-Währung auf einer fremden Blockchain abbildet, um dessen Nutzung in dezentralen Anwendungen oder Ökosystemen zu ermöglichen

Wrapped Assets sind digitale Vermögenswerte, bei denen der Wert eines bestehenden, oft nicht mit einer bestimmten Blockchain kompatiblen Assets (z. B. Bitcoin oder reale Vermögenswerte wie Gold) in einem sogenannten Wrapper auf einer anderen Blockchain abgebildet wird. Diese Repräsentation erfolgt in Form eines Tokens, der 1:1 durch das zugrunde liegende Asset gedeckt ist. Ziel ist es, die Interoperabilität zwischen verschiedenen Blockchains zu erhöhen und bislang nicht-kompatible Vermögenswerte in dezentralen Finanzanwendungen (DeFi) nutzbar zu machen.

Grundprinzip und Funktionsweise

Das zugrunde liegende Prinzip eines Wrapped Assets besteht in der Tokenisierung eines realen oder digitalen Assets, das ursprünglich nicht auf der Ziel-Blockchain existiert oder nicht direkt mit ihr interagieren kann. Ein typisches Beispiel ist Wrapped Bitcoin (WBTC), ein Token auf der Ethereum-Blockchain, der den Wert eines echten Bitcoins abbildet.

Der Prozess der Erzeugung eines Wrapped Assets umfasst in der Regel folgende Schritte:

  1. Einlagerung (Custody): Das Original-Asset (z. B. 1 BTC) wird durch eine vertrauenswürdige Instanz, einen Smart Contract oder eine dezentrale Organisation verwahrt. Dieser Schritt stellt sicher, dass die Deckung des Wrapped Assets gegeben ist.

  2. Tokenisierung: Auf der Ziel-Blockchain (z. B. Ethereum) wird ein entsprechender Token erzeugt, der das eingezahlte Asset repräsentiert (z. B. 1 WBTC für 1 BTC).

  3. Verwendung: Der Wrapped Token kann nun auf der Ziel-Blockchain wie ein nativer Token genutzt werden – etwa in DeFi-Protokollen, für Kredite, Liquiditätspools oder als Sicherheit.

  4. Rückumwandlung (Redeem): Nutzer können den Wrapped Token gegen das originale Asset eintauschen. Dabei wird der Token verbrannt und das ursprüngliche Asset wieder freigegeben.

Die Deckung erfolgt im Regelfall im Verhältnis 1:1, sodass sichergestellt ist, dass der Wrapped Token zu jedem Zeitpunkt durch das Original-Asset vollständig gedeckt ist. Die Verwahrung kann durch zentrale (z. B. BitGo) oder dezentrale (z. B. RenVM) Strukturen erfolgen.

Technische und wirtschaftliche Motivation

Die Einführung von Wrapped Assets erfolgt aus mehreren Gründen:

  1. Interoperabilität: Viele Blockchains sind technologisch voneinander isoliert. Ein Wrapped Asset ermöglicht es, Vermögenswerte von einer Blockchain (z. B. Bitcoin) auf einer anderen (z. B. Ethereum) nutzbar zu machen, ohne die zugrunde liegende Infrastruktur verändern zu müssen.

  2. DeFi-Kompatibilität: Plattformen wie Uniswap, Aave oder Compound basieren auf Ethereum oder anderen Smart-Contract-fähigen Blockchains. Wrapped Assets ermöglichen die Nutzung externer Werte in diesen Ökosystemen.

  3. Liquidität: Durch die Tokenisierung von nicht-kompatiblen Assets kann zusätzliches Kapital in DeFi-Protokolle fließen, was Märkte stabiler und effizienter macht.

  4. Handelbarkeit: Wrapped Tokens sind in der Regel ERC-20- oder vergleichbare Token-Standards. Sie lassen sich einfach handeln, verwalten und in Smart Contracts einbinden.

Beispiele für Wrapped Assets

Wrapped Assets existieren mittlerweile in verschiedenen Formen. Zu den wichtigsten Beispielen gehören:

  1. Wrapped Bitcoin (WBTC):

    • Blockchain: Ethereum

    • 1 WBTC entspricht 1 BTC

    • Verwahrt durch ein Konsortium (z. B. BitGo, Kyber Network, Ren)

    • Verwendbar in DeFi-Protokollen auf Ethereum

  2. renBTC:

    • Alternative zu WBTC

    • Nutzung dezentraler Verwahrung durch das Ren-Protokoll

  3. Wrapped ETH (WETH):

    • Tokenisierte Version von Ethereum selbst

    • Verwendung nötig, da ETH kein ERC-20-Token ist, WETH aber schon

  4. Wrapped Stablecoins:

    • z. B. Wrapped USDC auf Layer-2-Blockchains wie Arbitrum oder Optimism

  5. Wrapped Real-World Assets (RWAs):

    • Tokenisierung von Gold, Immobilien oder Staatsanleihen zur Nutzung in DeFi-Protokollen

Risiken und Herausforderungen

Trotz der praktischen Vorteile bergen Wrapped Assets auch Risiken und technische Herausforderungen:

  1. Verwahrungsrisiko: Bei zentralisierten Modellen besteht das Risiko, dass der Custodian die Assets nicht korrekt verwaltet oder betrügerisch handelt.

  2. Smart-Contract-Risiko: Fehlerhafte oder kompromittierte Smart Contracts können zur ungewollten Freisetzung oder zum Verlust der hinterlegten Mittel führen.

  3. Regulatorische Unsicherheit: Wrapped Assets, insbesondere solche mit Bezug auf reale Vermögenswerte, können unter regulatorische Anforderungen fallen (z. B. Wertpapiergesetze).

  4. Verlust der Dezentralisierung: Insbesondere bei zentral verwalteten Wrapping-Prozessen kann der Anspruch auf Dezentralität im DeFi-Umfeld infrage gestellt werden.

  5. Abweichung vom Peg: In seltenen Fällen kann sich der Preis eines Wrapped Assets leicht vom zugrunde liegenden Asset entfernen, insbesondere bei geringer Liquidität oder Unsicherheiten bezüglich der Deckung.

Vergleich mit nativen Tokens und Stablecoins

Wrapped Assets unterscheiden sich in mehrfacher Hinsicht von anderen Tokenarten:

Merkmal Wrapped Asset Nativer Token Stablecoin
Ursprung Externe Blockchain Eigene Blockchain Fiat-Referenz (z. B. USD)
Deckung 1:1 durch Originalwert Nicht notwendig Fiat, Krypto, algorithmisch
Nutzung in DeFi Hoch Je nach Kompatibilität Hoch
Interoperabilität Hoch Eingeschränkt Hoch
Regulierungsbedarf Mittel bis hoch Niedrig bis mittel Hoch

Wrapped Assets bilden somit eine technologische Brücke zwischen verschiedenen Blockchains und Asset-Klassen.

Fazit

Wrapped Assets ermöglichen es, Vermögenswerte über Blockchain-Grenzen hinweg zu transferieren und in neuen Kontexten nutzbar zu machen – insbesondere in der dezentralen Finanzwelt. Sie verbessern die Liquidität, erhöhen die Interoperabilität und erweitern die Nutzungsmöglichkeiten bestehender Assets erheblich. Gleichzeitig erfordern sie technisches Vertrauen in die Verwahrungsmechanismen und bergen gewisse operationelle und regulatorische Risiken. In der Gesamtbetrachtung stellen Wrapped Assets jedoch ein zentrales Instrument dar, um die fragmentierte Blockchain-Landschaft miteinander zu verknüpfen und so neue Anwendungen und Märkte zu erschließen.