Wrapped Token Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Wrapped Assets Nächster Begriff: XRC-20 Token

Ein Kryptowährungs-Token, das den Wert eines anderen Assets wie einer Kryptowährung oder eines Fiat-Werts auf einer fremden Blockchain repräsentiert, um dessen Nutzung in dezentralen Anwendungen zu ermöglichen

Wrapped Token sind digitale Token, die einen bestehenden Vermögenswert – sei es ein anderer Kryptowährungs-Token, ein reales Gut oder ein sonstiges Asset – auf einer Blockchain repräsentieren, auf der dieser ursprünglich nicht existiert oder nicht direkt nutzbar ist. Sie sind ein zentrales technisches Mittel zur Interoperabilität zwischen Blockchains, insbesondere in der dezentralen Finanzwelt (DeFi), und ermöglichen die Nutzung von Vermögenswerten in einem neuen technologischen Kontext, ohne deren eigentlichen Besitz oder Wert zu verlieren.

Abgrenzung und Definition

Ein Wrapped Token ist ein durch einen zugrunde liegenden Vermögenswert gedeckter, blockchainbasierter Token, der typischerweise im Verhältnis 1:1 zum Originalwert ausgegeben wird. Die „Verpackung“ (engl. Wrapping) erfolgt, indem das Original-Asset hinterlegt oder gesperrt wird, während auf der Ziel-Blockchain ein entsprechender Token generiert wird.

Beispielhafte Definition:
Ein Wrapped Token ist ein tokenisierter Stellvertreter für einen bestehenden Vermögenswert, der auf einer anderen Blockchain existiert und durch Verwahrung oder Smart Contracts gedeckt ist.

Dieser Stellvertreter ist nicht eigenständig werthaltig, sondern bezieht seinen Wert ausschließlich aus dem zugrunde liegenden Asset, das jederzeit durch einen Prozess der Rückumwandlung (Unwrapping) wieder bezogen werden kann.

Motivation und Anwendungsbereiche

Wrapped Tokens entstehen aus einem konkreten Bedarf an technischer Kompatibilität und erweiterter Nutzbarkeit von Vermögenswerten:

  1. Interoperabilität zwischen Blockchains: Native Tokens wie Bitcoin (BTC) können auf Blockchains wie Ethereum nicht direkt verwendet werden. Ein Wrapped Token wie Wrapped Bitcoin (WBTC) ermöglicht es, den Bitcoin-Wert dennoch in Ethereum-basierten Anwendungen zu nutzen.

  2. Integration in DeFi-Protokolle: Viele dezentrale Finanzanwendungen basieren auf standardisierten Token-Formaten wie ERC-20. Native Coins (z. B. ETH) müssen dazu in eine kompatible Form wie Wrapped ETH (WETH) überführt werden.

  3. Erweiterung der Nutzungsmöglichkeiten: Wrapped Tokens erlauben es, nicht fungible oder nicht digitale Werte (z. B. Immobilien, Aktien oder Rohstoffe) in automatisierte Blockchain-Systeme zu integrieren.

  4. Handelbarkeit und Liquidität: Sie ermöglichen eine höhere Marktdurchdringung durch nutzungsfreundlichere Standards und besseres Matching auf Handelsplattformen.

Technische Umsetzung

Die Erstellung eines Wrapped Tokens folgt einem standardisierten Verfahren, das folgende Schritte umfasst:

  1. Einzahlung bzw. Sperrung des Original-Assets durch einen Treuhänder, Smart Contract oder dezentralen Mechanismus.

  2. Ausgabe des Wrapped Tokens auf der Ziel-Blockchain, wobei eine 1:1-Kopplung (Peg) zum Originalwert hergestellt wird.

  3. Nutzung des Wrapped Tokens in diversen Anwendungen – z. B. als Sicherheit für Kredite, in dezentralen Börsen oder für Zahlungszwecke.

  4. Einlösung bzw. Rückumwandlung (Unwrapping): Der Wrapped Token wird verbrannt, und das hinterlegte Original-Asset wird freigegeben.

Abhängig von der Implementierung kann die Verwahrung zentralisiert (durch ein Unternehmen oder Konsortium) oder dezentral (über Smart Contracts oder Protokolle wie RenVM) organisiert sein.

Wichtige Beispiele

Wrapped Tokens sind in der Blockchain-Welt weit verbreitet. Zu den wichtigsten Vertretern zählen:

  1. Wrapped Bitcoin (WBTC):

    • Blockchain: Ethereum

    • Abbildung von BTC als ERC-20-Token

    • Ermöglicht Bitcoin-Nutzung in Ethereum-DeFi-Protokollen

  2. Wrapped ETH (WETH):

    • Umwandlung von ETH in einen ERC-20-kompatiblen Token

    • Erforderlich für bestimmte DeFi- und Smart-Contract-Anwendungen

  3. Wrapped AVAX, Wrapped SOL etc.:

    • Repräsentationen nativer Tokens anderer Blockchains auf z. B. Ethereum oder BNB Chain

  4. Wrapped Real-World Assets (RWAs):

    • Tokenisierung von physischen Gütern wie Gold, Immobilien oder Anleihen

    • Beispiel: Paxos Gold (PAXG), ein durch physisches Gold gedeckter ERC-20-Token

Wrapped Token vs. Native Token vs. Stablecoin

Eine klare Abgrenzung zu anderen Tokenarten ist wichtig:

Merkmal Wrapped Token Nativer Token Stablecoin
Ursprung Externer Vermögenswert Blockchain-eigen Fiat-Referenz oder algorithmisch
Tokenstandard Häufig ERC-20 (oder äqu.) Eigenständig Variabel (z. B. ERC-20)
Deckung 1:1 mit Originalwert Kein Bezug zu anderem Wert In der Regel durch Reserven
Rückumwandelbarkeit Ja Nicht zutreffend Abhängig vom Modell
Anwendungsschwerpunkt Interoperabilität, DeFi Transaktionen, Sicherheit Zahlungsverkehr, Werterhalt

Risiken und Herausforderungen

Wrapped Tokens bieten viele Vorteile, sind aber auch mit spezifischen Risiken verbunden:

  1. Vertrauensrisiko: Zentralisierte Verwahrung erfordert Vertrauen in den Custodian oder das Protokoll. Fehler oder Betrug können zum Totalverlust führen.

  2. Technologisches Risiko: Smart Contracts, die die Tokenisierung abwickeln, können Sicherheitslücken aufweisen oder Ziel von Angriffen werden.

  3. Liquiditätsrisiko: Bei geringer Marktnachfrage kann der Wrapped Token unter dem erwarteten Marktwert gehandelt werden (Entkopplung vom Peg).

  4. Regulatorisches Risiko: Die Tokenisierung realer Vermögenswerte kann unter bestehende Wertpapier- oder Finanzmarktregulierungen fallen.

  5. Systemisches Risiko: Wenn große Mengen an Wrapped Tokens in DeFi-Protokollen stecken, können Fehler oder Hacks erhebliche Marktverwerfungen auslösen.

Standardisierung und Token-Ökosysteme

Wrapped Tokens nutzen etablierte Tokenstandards, die deren Integration in Smart Contracts und DeFi-Plattformen erleichtern. Dazu zählen u. a.:

  • ERC-20 (Ethereum): Standard für fungible Tokens

  • BEP-20 (BNB Chain): Pendant auf der Binance Smart Chain

  • SPL (Solana): Tokenstandard für Solana-basierte Tokens

  • CW20 (Cosmos): Tokenstandard im Cosmos-Ökosystem

Die Verwendung solcher Standards ermöglicht eine hohe Kompatibilität mit Wallets, Börsen, DeFi-Protokollen und anderen Blockchain-Komponenten.

Fazit

Wrapped Tokens sind ein zentrales Bindeglied in der fragmentierten Welt der Blockchains. Sie schaffen Interoperabilität, erweitern die Nutzungsmöglichkeiten bestehender Assets und fördern die Liquidität in dezentralen Finanzsystemen. Technisch gesehen beruhen sie auf klar definierten Prozessen und Standards, erfordern jedoch sorgfältige Absicherung und Verwaltung. Ihre zunehmende Verbreitung deutet auf einen Trend hin, der langfristig zur stärkeren Vernetzung bislang isolierter Blockchain-Systeme beitragen kann – mit dem Potenzial, den Zugang zu digitalen Finanzdienstleistungen umfassend zu transformieren.