Xetra T7 Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Double Volume Cap (DVC) Nächster Begriff: Nasdaq INET

Ein elektronisches Handelssystem der Deutschen Börse, das schnelle und effiziente Ausführung von Orders für Aktien, Anleihen und Derivate ermöglicht, um hohe Liquidität und Transparenz zu gewährleisten

Xetra T7 bezeichnet die technische Handelsinfrastruktur, die seit 2017 für den Betrieb des elektronischen Handelssystems Xetra genutzt wird. Entwickelt und betrieben von der Deutsche Börse AG, stellt T7 die zentrale Technologieplattform für den Kassamarkt (also den Handel mit Aktien, ETFs, ETCs, strukturieren Produkten und Anleihen) an der Frankfurter Wertpapierbörse (FWB) dar. Die Einführung von T7 bedeutete einen technologischen Wechsel von der vorherigen Plattform Xetra Classic hin zu einer modernen, leistungsfähigen Systemarchitektur, die höhere Geschwindigkeiten, geringere Latenzzeiten und größere Flexibilität im Börsenhandel bietet.

Die Handelsplattform Xetra gehört zu den führenden elektronischen Handelssystemen in Europa und wird sowohl für den inländischen Markt als auch für internationale Handelsaktivitäten verwendet. Mit der Migration auf T7 wurde das Ziel verfolgt, eine einheitliche technische Basis für verschiedene Märkte der Deutsche Börse Group zu schaffen, darunter auch die Derivatebörse Eurex, die bereits seit 2013 auf T7 läuft.

Hintergrund und Motivation der Umstellung

Vor der Einführung von Xetra T7 wurde der Kassamarkt über das System Xetra Classic abgewickelt, das über viele Jahre hinweg zuverlässig funktionierte, aber technologisch an seine Grenzen stieß. Angesichts steigender Anforderungen an Ausführungsgeschwindigkeit, Markttransparenz, Systemverfügbarkeit und Datenverarbeitung war eine Modernisierung notwendig.

Mit T7 schuf die Deutsche Börse eine leistungsstarke Plattform, die auch zukünftigen Anforderungen gewachsen sein sollte. Ziel war es, sowohl für den Handel als auch für Clearing und Datenbereitstellung eine konsolidierte und skalierbare Infrastruktur zu etablieren. Zudem wurde durch die Einführung von T7 die technologische Harmonisierung zwischen Kassamarkt (Xetra) und Terminmarkt (Eurex) erreicht.

Technische Merkmale und Systemarchitektur

Xetra T7 basiert auf einer modularen Architektur, die es ermöglicht, verschiedene Funktionen flexibel zu konfigurieren und weiterzuentwickeln. Die Plattform ist in mehrere Systemkomponenten unterteilt, unter anderem:

  1. Matching Engine: Das Herzstück der Plattform, das Kauf- und Verkaufsorders nach Preis- und Zeitpriorität zusammenführt.

  2. Market Data Interface (MDI / EOBI): Schnittstellen zur Verteilung von Marktdaten in Echtzeit. EOBI (Enhanced Order Book Interface) bietet detaillierte Informationen zum Orderbuch.

  3. Order Entry Services (ETI): Die elektronische Schnittstelle zur Eingabe, Änderung und Stornierung von Orders und Quotes.

  4. Session Management: Verwaltung von Benutzerverbindungen, Sicherheitseinstellungen und Zugriffsrechten.

  5. Reference Data System: Versorgung der Teilnehmer mit Stammdaten zu Finanzinstrumenten und Handelsparametern.

Ein zentrales Merkmal von Xetra T7 ist die geringe Latenz bei der Orderausführung. Die Matching Engine ist auf eine Verarbeitung im Mikrosekundenbereich ausgelegt, was insbesondere für algorithmischen Handel und Hochfrequenzhandel (High Frequency Trading, HFT) von Bedeutung ist. Die Plattform unterstützt auch Multicast-Technologie zur schnellen Verteilung von Marktdaten an alle angeschlossenen Teilnehmer.

Funktionale Erweiterungen

Seit der Einführung wurde Xetra T7 kontinuierlich weiterentwickelt und um neue Funktionen ergänzt. Dazu zählen unter anderem:

  • Intraday Volatility Interruptions: Automatische Handelsunterbrechungen bei starken Kursbewegungen, um geordnete Marktverhältnisse zu gewährleisten.

  • Self-Match Prevention: Mechanismus zur Verhinderung unbeabsichtigter Eigengeschäfte innerhalb eines Handelsteilnehmers.

  • Auction-Phasen: Unterstützung mehrerer Auktionsverfahren wie Eröffnungsauktion, Schlussauktion und Volatilitätsauktion.

  • Market Maker Protection: Schutzmechanismen für Liquiditätsanbieter, z. B. durch Schwellenwerte für Quote-Rücknahmen bei starker Marktbewegung.

Diese Funktionen dienen nicht nur der Effizienzsteigerung, sondern auch der Erhöhung von Fairness, Transparenz und Marktstabilität.

Teilnehmerstruktur und Zugangswege

Der Zugang zu Xetra T7 ist professionellen Marktteilnehmern vorbehalten. Dazu zählen Kreditinstitute, Wertpapierfirmen, Handelsunternehmen sowie Market Maker und Liquidity Provider. Die Anbindung erfolgt über standardisierte Schnittstellen wie die Enhanced Trading Interface (ETI) für den Orderflow und über MDI/EOBI für Marktdaten.

Teilnehmer können entweder direkt an das T7-System angebunden sein oder über einen zugelassenen Service-Provider (z. B. ein Broker oder Technologieanbieter) handeln. Zudem unterstützt T7 verschiedene Handelsrollen und Ordertypen, um den unterschiedlichen Anforderungen der Teilnehmer gerecht zu werden.

Sicherheit und Stabilität

Die Deutsche Börse legt besonderen Wert auf die Betriebssicherheit und Ausfallsicherheit von T7. Die Plattform wird in hochsicheren Rechenzentren in Frankfurt betrieben und verfügt über ein mehrschichtiges Sicherheitskonzept. Dazu gehören u. a.:

  • Redundante Systemarchitekturen und Replikation in Echtzeit

  • Lastverteilung und Failover-Mechanismen

  • Verschlüsselung und Authentifizierung bei der Datenübertragung

  • Überwachungssysteme zur Erkennung technischer Störungen und Angriffe

Regelmäßige Notfalltests und System-Release-Zyklen stellen sicher, dass die Plattform stets den aktuellen technologischen und regulatorischen Anforderungen entspricht.

Integration mit anderen Systemen

Ein weiteres Ziel von Xetra T7 ist die nahtlose Integration mit anderen Marktdienstleistungen der Deutsche Börse Group. Dazu zählen insbesondere:

  • Clearing über die Eurex Clearing AG, die auch den Kassamarkt abwickelt.

  • Referenz- und Marktdatenservices, die auf denselben Datenquellen basieren.

  • Regulatorische Reporting-Systeme, wie sie etwa für MiFID II und EMIR erforderlich sind.

Durch die einheitliche technologische Basis können Synergien genutzt, Schnittstellen reduziert und Prozesse standardisiert werden.

Bedeutung für den Finanzplatz Deutschland

Mit Xetra T7 verfügt die Frankfurter Wertpapierbörse über eine der technologisch fortschrittlichsten Handelsplattformen weltweit. Sie bildet das Rückgrat des elektronischen Kassamarkts und trägt maßgeblich zur Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Finanzplatzes bei. Besonders im internationalen Kontext ist die geringe Latenzzeit in Verbindung mit hoher Stabilität ein entscheidender Standortvorteil.

T7 erlaubt eine hohe Skalierbarkeit, sodass auch bei stark wachsendem Ordervolumen oder der Einführung neuer Produkte keine grundlegenden Systemanpassungen notwendig sind. Die Plattform wird regelmäßig weiterentwickelt, wobei sowohl regulatorische Vorgaben als auch Marktbedürfnisse berücksichtigt werden.

Fazit

Xetra T7 ist das moderne elektronische Handelssystem für den Kassamarkt der Frankfurter Wertpapierbörse und Teil der einheitlichen Technologieplattform der Deutsche Börse Group. Es vereint hohe Leistungsfähigkeit, niedrige Latenz und modulare Erweiterbarkeit mit umfassenden Funktionalitäten zur Marktsteuerung und -überwachung. Durch die Harmonisierung mit dem Derivatemarkt (Eurex) und die Integration mit weiteren Infrastrukturkomponenten ist T7 ein zentrales Element für den sicheren, effizienten und transparenten Börsenhandel in Deutschland und Europa. Die Plattform bildet die Grundlage für den weiteren Ausbau digitaler Marktstrukturen und stellt die technologische Basis für zukünftige Entwicklungen im elektronischen Wertpapierhandel dar.