Zero-Knowledge (ZK) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Layer-2-Lösungen Nächster Begriff: Zero-Knowledge Rollup (ZK-Rollup)

Eine kryptografische Methode, die es einer Partei ermöglicht, die Richtigkeit einer Aussage zu beweisen, ohne zusätzliche Informationen preiszugeben, und in Blockchains für Datenschutz und Skalierbarkeit genutzt wird

Zero-Knowledge (ZK) ist ein kryptografisches Konzept, das es ermöglicht, die Wahrheit einer Aussage zu beweisen, ohne dabei deren Inhalt preiszugeben. Der Begriff steht für sogenannte Zero-Knowledge-Proofs (ZKPs) – also Null-Wissen-Beweise – und hat in den letzten Jahren insbesondere im Bereich der Blockchain-Technologie und dezentralen Anwendungen stark an Bedeutung gewonnen. ZK-Verfahren erlauben es, Datenschutz, Skalierbarkeit und Sicherheit gleichzeitig zu verbessern – Eigenschaften, die für dezentrale Systeme von zentraler Bedeutung sind.

Grundprinzip von Zero-Knowledge-Proofs

Ein Zero-Knowledge-Proof erlaubt es einem „Beweiser“ (Prover), einem „Prüfer“ (Verifier) nachzuweisen, dass eine bestimmte Aussage korrekt ist, ohne zusätzliche Informationen über diese Aussage offenzulegen. Das Verfahren muss drei Eigenschaften erfüllen:

  1. Vollständigkeit: Wenn die Aussage wahr ist, akzeptiert der Verifizierer den Beweis mit hoher Wahrscheinlichkeit.

  2. Korrektheit (Soundness): Wenn die Aussage falsch ist, kann der Prover den Verifizierer nicht überzeugen – außer mit vernachlässigbarer Wahrscheinlichkeit.

  3. Zero-Knowledge: Der Verifizierer erfährt nichts über den Beweis selbst – außer, dass die Aussage wahr ist.

Ein klassisches Gedankenbeispiel ist die „Höhle des Ali Baba“: Eine Person kann beweisen, dass sie ein Passwort kennt, um eine geheime Tür zu öffnen, ohne das Passwort selbst zu verraten – lediglich durch das Ergebnis ihres Handelns.

Typen von Zero-Knowledge-Proofs

In der Praxis gibt es verschiedene Arten von ZKPs, insbesondere:

1. ZK-SNARKs (Zero-Knowledge Succinct Non-Interactive Argument of Knowledge)

  • Merkmale: Kurze Beweise, schnelle Verifikation, benötigt jedoch ein „Trusted Setup“ (eine initiale Vertrauensinstanz).

  • Anwendungsbeispiel: Zcash, zkSync Era, Polygon zkEVM

2. ZK-STARKs (Zero-Knowledge Scalable Transparent ARguments of Knowledge)

  • Merkmale: Keine vertrauenswürdige Initialisierung nötig, besser skalierbar, aber größere Beweisgrößen.

  • Anwendungsbeispiel: Starknet, Mina Protocol

3. Interactive ZKPs

  • Prover und Verifier kommunizieren mehrfach miteinander.

  • Eher theoretisch relevant, weniger gebräuchlich im Blockchain-Kontext.

Anwendung im Blockchain-Kontext

Zero-Knowledge-Proofs werden zunehmend für Datenschutz, Skalierbarkeit und Identitätsmanagement auf Blockchains eingesetzt. Zu den wichtigsten Anwendungsfeldern gehören:

1. ZK-Rollups

  • Layer-2-Skalierungslösungen, die Transaktionen außerhalb der Haupt-Blockchain verarbeiten und ihre Korrektheit mit einem ZK-Proof auf Layer 1 verifizieren.

  • Vorteile:

    • Hohe Transaktionsgeschwindigkeit

    • Geringe Kosten

    • Hohe Sicherheit durch Layer-1-Verankerung

  • Beispiele: zkSync Era, Starknet, Polygon zkEVM, Scroll

2. Privacy-Coins

  • Kryptowährungen, bei denen Transaktionsdaten wie Absender, Empfänger oder Betrag durch ZKPs verschleiert werden.

  • Beispiel: Zcash, basierend auf ZK-SNARKs

3. Verifiable Credentials / Self-Sovereign Identity

  • Nutzer können nachweisen, dass sie bestimmte Informationen besitzen (z. B. Alter, Ausbildung), ohne diese vollständig offenzulegen.

  • Potenzielle Anwendung in KYC (Know Your Customer), digitalen Pässen, Abstimmungen.

4. Verifizierung von Rechenvorgängen

  • Komplexe Berechnungen werden Off-Chain durchgeführt, und deren Richtigkeit wird über einen ZK-Proof auf der Blockchain bestätigt.

  • Dies reduziert den Rechenaufwand auf der Hauptkette erheblich.

Vorteile von Zero-Knowledge-Technologie

  1. Datenschutz: Nutzer können beweisen, dass sie berechtigt sind, ohne private Informationen zu offenbaren.

  2. Skalierbarkeit: ZKPs ermöglichen die Batch-Verarbeitung vieler Transaktionen mit einem einzigen, kompakten Beweis.

  3. Sicherheit: Die mathematische Struktur verhindert Manipulation oder Täuschung.

  4. Kosteneffizienz: Durch die Verlagerung der Rechenlast auf Layer 2 oder Off-Chain-Umgebungen können Netzwerkkosten gesenkt werden.

Herausforderungen und Grenzen

Trotz der Vorteile stehen Zero-Knowledge-Systeme vor mehreren Herausforderungen:

  1. Komplexität der Implementierung: Die Konstruktion korrekter ZKPs ist technisch anspruchsvoll.

  2. Trusted Setup (bei SNARKs): Ein einmaliger, aber sensibler Initialisierungsschritt kann ein Sicherheitsrisiko darstellen, falls kompromittiert.

  3. Beweisgröße und Verifikationsdauer: Je nach Verfahren (SNARK vs. STARK) gibt es Unterschiede in Speicher- und Zeitaufwand.

  4. Kompatibilität mit bestehender Infrastruktur: Bestehende Smart Contracts und dApps müssen für ZK-Einsatz teils stark angepasst werden.

Ökonomische Bedeutung im DeFi

Im Bereich der dezentralen Finanzen (DeFi) gewinnen Zero-Knowledge-Verfahren zunehmend an Bedeutung. Sie ermöglichen etwa:

  • Verdeckte Orderbücher auf dezentralen Börsen

  • Anonyme Kredite oder „Private Lending“

  • Nicht-offenlegende Abstimmungen in DAOs (z. B. geheime Governance-Wahlen)

  • Effiziente, datensparsame Airdrops basierend auf On-Chain-Aktivitäten ohne vollständige Offenlegung der Historie

Zero-Knowledge-Technologie gilt als Schlüsselkomponente zur Umsetzung von skalierbaren, datenschutzfreundlichen Web3-Anwendungen, die regulatorischen, unternehmerischen und gesellschaftlichen Anforderungen gerecht werden.

Fazit

Zero-Knowledge (ZK) ist ein leistungsstarkes kryptografisches Konzept, das es ermöglicht, Informationen zu verifizieren, ohne sie preiszugeben. In der Blockchain-Welt eröffnen ZK-Proofs neue Möglichkeiten zur Skalierung, zum Schutz der Privatsphäre und zur Effizienzsteigerung. Ob durch ZK-Rollups, Privacy-Coins oder Identitätslösungen – Zero-Knowledge-Technologie wird zu einem zentralen Baustein des Web3-Ökosystems und könnte maßgeblich zur breiten Adaption dezentraler Anwendungen beitragen. Die Herausforderung liegt darin, diese hochkomplexe Technologie zugänglich, interoperabel und sicher in bestehende Systeme zu integrieren.