zkEVM (Zero-Knowledge Ethereum Virtual Machine) Börsenlexikon Vorheriger Begriff: Polygon zkEVM Nächster Begriff: Zcash

Eine Layer-2-Skalierungslösung, die Zero-Knowledge-Proofs mit einer Ethereum Virtual Machine (EVM)-kompatiblen Umgebung kombiniert, um schnelle, kostengünstige und sichere Transaktionen sowie Smart-Contract-Ausführung auf der Ethereum-Blockchain zu ermöglichen

Ein zkEVM (Zero-Knowledge Ethereum Virtual Machine) ist eine spezielle Form eines zk-Rollups, bei dem die Ethereum Virtual Machine (EVM) vollständig innerhalb eines Zero-Knowledge-Proofs (ZK-Proof) nachgebildet wird. Das Ziel ist es, alle Vorteile von ZK-Rollups – wie hohe Skalierbarkeit, niedrige Gebühren und starke Sicherheit durch kryptografische Verifikation – mit der vollständigen Kompatibilität zu Ethereum zu kombinieren. Dadurch können bestehende Ethereum-Smart Contracts unverändert auf einer Layer-2-ZK-Infrastruktur ausgeführt werden.

Grundprinzip

Ein zkEVM ermöglicht die Ausführung von Ethereum-kompatiblen Smart Contracts auf einer Layer-2-Blockchain, wobei jede Berechnung der EVM durch einen Zero-Knowledge-Proof verifizierbar gemacht wird. Diese Beweise (typischerweise ZK-SNARKs oder ZK-STARKs) garantieren mathematisch, dass alle Transaktionen korrekt verarbeitet wurden. Der Beweis wird regelmäßig an die Ethereum-Blockchain (Layer 1) übermittelt und dort von einem zkEVM-Rollup-Verifier-Contract geprüft.

Damit ist sichergestellt, dass der Zustand auf Layer 2 identisch korrekt ist wie er auch auf Ethereum entstanden wäre – aber zu einem Bruchteil der Kosten und mit viel höherer Geschwindigkeit.

Zielsetzung

Ein zkEVM strebt drei zentrale Ziele an:

  1. Volle EVM-Kompatibilität
    Smart Contracts, die für Ethereum geschrieben wurden, sollen ohne Änderungen auf Layer 2 laufen.

  2. Zero-Knowledge-Verifikation
    Die Ausführung jeder Transaktion wird durch kryptografische Beweise garantiert – nicht durch Re-Execution.

  3. Sicherheit durch Ethereum
    Alle Zustandsänderungen auf Layer 2 werden durch Ethereum validiert und erhalten dadurch L1-Sicherheit.

Kompatibilitätsstufen (nach Vitalik Buterin)

Vitalik Buterin hat eine Klassifikation für zkEVMs entwickelt, die deren Kompatibilitätsgrad zur EVM beschreibt:

Typ Beschreibung Kompatibilität Beispiele
Type 1 Vollständig identisch zur EVM Bitweise identisch Ziel von Ethereum selbst
Type 2 Bytecode-kompatibel Höchste praktische Kompatibilität Scroll, Polygon zkEVM
Type 3 Quellcode-kompatibel Solidity-kompatibel, aber Bytecode anders Starknet (theoretisch)
Type 4 Hochsprachen-kompatibel Funktionale Ähnlichkeit, keine direkte Kompatibilität zkSync Era

Technische Merkmale eines zkEVM

  1. ZK-Proof-System (SNARKs oder STARKs)

    • ZK-SNARKs: Kompakter, schneller, benötigt Trusted Setup

    • ZK-STARKs: Größer, dafür ohne Trusted Setup und quantensicher

  2. EVM-Nachbildung im Proof-System
    Die logische Struktur der EVM wird nachgebildet, einschließlich:

    • Stack-Operationen

    • Speicherzugriffe

    • Gas-Modell

    • OPCodes

    • Contract-Interaktionen

  3. Kompatibles Tooling
    Ein funktionierender zkEVM erlaubt den Einsatz gängiger Ethereum-Tools wie:

    • Solidity (Programmiersprache)

    • Hardhat, Truffle, Remix (Entwicklungsumgebungen)

    • MetaMask, Ethers.js, Web3.js (Wallet- und API-Kompatibilität)

Vorteile eines zkEVM

  1. Volle Ethereum-Kompatibilität
    Migration bestehender dApps ist ohne Codeanpassung möglich.

  2. Hohe Sicherheit
    Die mathematische Verifikation der Ausführung bietet starke Vertrauensgarantien – ohne wirtschaftliche Anreizsysteme (wie bei Optimistic Rollups).

  3. Niedrige Gebühren und hohe Skalierbarkeit
    ZK-Rollups ermöglichen massive Gas-Einsparungen und schnellere Verarbeitung.

  4. Schnelle Finalität
    Proof-Verifikation erfolgt innerhalb weniger Minuten (kein Challenge-Fenster wie bei Optimistic Rollups).

  5. Offenheit für institutionelle Anwendungen
    Datenschutzoptionen und garantierte Korrektheit fördern regulatorische Konformität.

Herausforderungen

  1. Technische Komplexität
    Die Nachbildung der vollständigen EVM in einem ZK-fähigen Framework ist hochkomplex.

  2. Rechenaufwand für Prover
    Die Erstellung eines ZK-Proofs für EVM-Operationen ist derzeit noch ressourcenintensiv.

  3. Zentrale Komponenten
    Viele zkEVMs nutzen derzeit noch zentralisierte Sequencer oder Prover – was mittelfristig dezentralisiert werden soll.

  4. Fehlende Standardisierung
    Da mehrere zkEVM-Implementierungen konkurrieren, besteht derzeit keine einheitliche Architektur.

Relevante zkEVM-Projekte

Projekt ZK-Technologie EVM-Kompatibilität Besonderheiten
Scroll ZK-SNARKs Type 2 Open Source, Entwicklerfreundlich
Polygon zkEVM ZK-SNARKs Type 2 Teil des Polygon-Ökosystems
zkSync Era ZK-SNARKs Type 4 UX-Fokus, höhere Sprachebene
Starknet ZK-STARKs Keine direkte EVM Eigene VM (Cairo), starke Skalierung
Taiko ZK-SNARKs Type 1 (angestrebt) Vollständig Ethereum-identisch (in Planung)

Zukunftsperspektiven

  • Dezentrale Prover-Netzwerke: Um die zentralisierten Komponenten zu ersetzen.

  • Cross-Rollup-Kompatibilität: Kommunikation zwischen verschiedenen zkEVMs (z. B. Scroll ↔ zkSync) für zusammenhängende Ökosysteme.

  • Integration in Ethereum selbst: Langfristig könnte Ethereum selbst auf zkEVM-Technologie umgestellt werden (Type 1).

Fazit

Ein zkEVM stellt die Verbindung zwischen der Ethereum-Welt und der Zero-Knowledge-Technologie her. Er ermöglicht es, bestehende Ethereum-Smart Contracts vollständig unverändert auf einem ZK-Rollup auszuführen, bei gleichzeitiger Reduktion von Kosten, Verbesserung der Geschwindigkeit und Wahrung der Sicherheit. zkEVMs gelten als zentraler Baustein für die Zukunft der Ethereum-Skalierung und könnten mittelfristig die Grundlage für ein massentaugliches, skalierbares und datensicheres Web3 bilden. Technische Herausforderungen bleiben, doch der Entwicklungsfortschritt ist schnell und strategisch bedeutsam.