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Kurs halbiert

innoscripta schickt Anwälte in die eigenen Akten 08.10.2026, 16:00 Uhr Jetzt kommentieren: 0

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Name Aktuell Diff. Börse
innoscripta 43,40 EUR -6,11 % Lang & Schwarz
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Zwei externe Kanzleien sollen innoscripta durchleuchten. Eine Woche nach den Durchsuchungen bei der Unternehmensgruppe hat der Tutzinger Softwareanbieter am Mittwochabend zwei voneinander getrennte Prüfmandate vergeben – eines zur Aufklärung der Sachverhalte hinter den Steuerermittlungen, eines zu den eigenen Kontrollmechanismen. An der Börse sorgt das bislang nicht für Beruhigung: Die Aktie verliert am Donnerstagnachmittag rund 4,2 Prozent auf 44,28 Euro. Vor einer Woche hatte sie noch bei knapp 89 Euro notiert, der Kurs hat sich seitdem halbiert. Unter Aktionären herrscht eine abwartende, nervöse Stimmung.

Aufsichtsrat lässt auch das Vorstandshandeln prüfen

Im Auftrag des Aufsichtsrats untersucht die Kanzlei Willkie Farr & Gallagher mit Unterstützung eines forensischen Dienstleisters, welche Sachverhalte und Verantwortlichkeiten den behördlichen Ermittlungen zugrunde liegen. Das Vorgehen ist gestuft: Zunächst stehen die Punkte im Fokus, um die es den Ermittlern derzeit geht, später kann der Umfang erweitert werden. Soweit für die Aufklärung relevant, werden auch Handeln und Kommunikation von Vorstandsmitgliedern ausgewertet. Parallel prüft Flick Gocke Schaumburg, wie die Kontrollen rund um die Dokumentation für die Forschungszulage organisiert und in der Software Clusterix technisch umgesetzt sind.

Auslöser waren Durchsuchungen am 1. Oktober auf Grundlage zweier Beschlüsse des Amtsgerichts Schwäbisch Gmünd. Ermittelt wird wegen des Verdachts der Beihilfe zur Erlangung ungerechtfertigter Steuervorteile bei Forschungszulage-Anträgen von Kunden. Das Unternehmen sprach von einem frühen Verfahrensstadium und verwies darauf, dass für die Richtigkeit der Angaben gegenüber den Behörden die Kunden selbst verantwortlich seien.

Aus Anlegersicht ist mit der Beauftragung der Kanzleien allerdings wenig gewonnen. Mit Konsequenzen aus den Ermittlungen sei durchaus zu rechnen, lautet ein Einwand – entsprechend wird an eine schnelle Rückkehr über 50 Euro vorerst nicht geglaubt. Wie es weitergehe, lasse sich ohnehin kaum vorhersehen. Der Ton bleibt misstrauisch.

Dünner Handel treibt die Achterbahnfahrt

Wie angespannt der Markt ist, zeigt die Handelsspanne: Am Donnerstag pendelte die Aktie zwischen 42,73 und 47,25 Euro. In der Vorwoche war sie nach Bekanntwerden der Durchsuchungen zeitweise bis auf gut 31 Euro abgerutscht, bevor eine Gegenbewegung einsetzte. Mehrere Anleger verweisen auf die Marktenge als Erklärung: Bei geringem Streubesitz und breiten Spannen zwischen Geld- und Briefkurs schlügen schon kleine Orders kräftig auf den Kurs durch, vorbörsliche Kurse seien entsprechend wenig aussagekräftig.

Bei dem geringen Free-float kein Wunder. Das kann schnell zur wilden Achterbahnfahrt werden in beide Richtungen.

Hoffnungen, die Marke von 50 Euro könnte noch am selben Tag zurückerobert werden, erfüllten sich nicht – das Tageshoch lag bei 47,25 Euro. Dass solche Ansagen selten aufgingen und sich Bewegungen eher dann einstellten, wenn niemand damit rechne, wird nüchtern kommentiert. Die Stimmung pendelt damit zwischen Nervosität und Fatalismus.

Insiderkäufe als Vertrauenssignal stoßen auf Widerstand

Operativ gibt sich innoscripta gelassen: Der Geschäftsbetrieb laufe unverändert weiter, Vorgänge des laufenden Geschäftsjahres seien nach derzeitigem Kenntnisstand nicht Gegenstand der Ermittlungen. Über wesentliche Erkenntnisse will das Unternehmen transparent berichten, die angekündigten Produktvorstellungen für Aktionäre sollen ab Kalenderwoche 43 stattfinden. Die Zahlen zum dritten Quartal sind für die zweite Novemberhälfte geplant.

Auf Aktionärsseite kreist die Debatte vor allem darum, wie das Management Vertrauen zurückgewinnen könnte. Die Idee, der Vorstand könne mit eigenen Aktienkäufen ein Zeichen setzen, stößt auf breite Ablehnung. Der Einwand: Vor der Veröffentlichung von Finanzberichten gelte für Führungskräfte eine 30-tägige Sperrfrist, und angesichts der laufenden Ermittlungen würden solche Käufe ohnehin kein gutes Bild abgeben – sinnvoll sei ein derartiges Signal frühestens nach Vorlage der Untersuchungsergebnisse. Bis dahin dürfte die Aktie vor allem von Nachrichten aus den Ermittlungen abhängen, der Blick nach vorn bleibt vorsichtig.

Bn-Redaktion/sb
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