Handelstipps

Die beste Uhrzeit für den Börsenhandel

Ein Handelstag verläuft nicht gleichmäßig. Je nach Uhrzeit ändern sich die Zahl der Marktteilnehmer, die Breite der Spreads und die Stärke der Kursschwankungen. Wer weiß, welche Phase gerade läuft, kann den Zeitpunkt eines Kaufs oder Verkaufs bewusster wählen und unnötige Kosten vermeiden. Alle Zeiten sind in deutscher Zeit angegeben.

Jetzt, deutsche Zeit
 
Deutsche Zeit Marktphase, Liquidität und Spreads
08:00–09:00 Vorbörslicher Handel, Reaktion auf Asien und US-Futures
dünne Umsätze, breitere Spreads, Kurse oft sprunghaft
09:00–10:00 Xetra-Eröffnung, Verarbeitung von Nachrichten der Nacht
hohe Umsätze und hohe Schwankungen, Richtung oft noch unklar
10:00–12:00 Europäischer Vormittag, Tagestrend bildet sich
gute Liquidität, enge Spreads bei deutschen und europäischen Aktien
12:00–14:30 Mittagsflaute in Europa
geringere Umsätze, Seitwärtsphasen, Trends weniger belastbar
14:30–15:30 US-Konjunkturdaten und US-Vorbörse
kurzfristig starke Ausschläge, Spreads weiten sich um Datentermine
15:30–17:30 Überschneidung Europa und USA
höchste Liquidität des Tages, engste Spreads, Trends am deutlichsten
17:30–22:00 US-Handel, deutscher Späthandel
US-Aktien gut handelbar, deutsche Werte mit dünnerem Orderbuch
22:00–08:00 US-Nachbörse, Asien
kaum Liquidität an deutschen Plätzen, breite Spreads, Limits wichtig

Die aktuelle Phase ist grün markiert. Die Zeiten der US-Phasen passen sich automatisch an die Sommer- und Winterzeit an. Feiertage und verkürzte Handelstage stehen im Handelskalender. Die Einschätzungen beschreiben typische Muster und sind keine Anlageberatung.

08:00–09:00 Uhr Vorbörslicher Handel, Reaktion auf Asien und US-Futures

Liquidität: niedrigSpread: breitSchwankung: mittel

Vor der Xetra-Eröffnung findet der Handel in Deutschland vor allem an Plätzen wie Tradegate, gettex, LS Exchange und der Börse Frankfurt statt, die bereits ab 07:30 oder 08:00 Uhr Kurse stellen. In dieser Vorbörse orientieren sich die Preise an den Vorgaben aus Asien, an den US-Futures und am DAX-Future, der an der Eurex schon seit dem frühen Morgen gehandelt wird.

Weil noch wenige Aufträge im Orderbuch liegen, ist die Liquidität gering. Market-Maker sichern sich gegen dieses Risiko mit einem breiteren Spread ab. Unternehmensnachrichten, die vor 08:00 Uhr veröffentlicht werden, etwa Quartalszahlen, führen in dieser Phase häufig zu deutlichen Kurssprüngen und Kurslücken.

UhrzeitTypische Termine
07:00–08:00Quartalszahlen und Ad-hoc-Meldungen vieler DAX- und MDAX-Unternehmen
08:00Konjunkturdaten aus Deutschland, etwa Produktion oder Außenhandel

09:00–10:00 Uhr Xetra-Eröffnung, Verarbeitung von Nachrichten der Nacht

Liquidität: hochSpread: mittelSchwankung: hoch

Um 08:50 Uhr beginnt auf Xetra die Eröffnungsauktion, ab 09:00 Uhr läuft der fortlaufende Handel. In der ersten Stunde treffen alle Aufträge zusammen, die sich über Nacht angesammelt haben. Die Umsätze sind entsprechend hoch, gleichzeitig verarbeiten die Marktteilnehmer Nachrichten aus der Nacht und aus der Vorbörse.

Die hohe Volatilität der ersten Minuten bietet kurzfristig orientierten Händlern Chancen, die Richtung ist aber oft noch nicht klar. Erste Ausschläge werden nicht selten im Verlauf des Vormittags korrigiert. Wer ohne Zeitdruck handelt, erhält nach den ersten 15 bis 30 Minuten meist ruhigere Kurse und engere Spreads.

UhrzeitTypische Termine
08:50–09:00Xetra-Eröffnungsauktion
09:00Start des fortlaufenden Handels auf Xetra und der Euronext

10:00–12:00 Uhr Europäischer Vormittag, Tagestrend bildet sich

Liquidität: hochSpread: engSchwankung: mittel

Nach der Eröffnungsphase beruhigt sich der Markt, und der Tagestrend bildet sich heraus. Für deutsche und europäische Aktien ist das eine der günstigsten Phasen des Tages: Die Orderbücher sind gut gefüllt, die Spreads eng, und die Kurse bilden sich auf Basis der vollständigen Marktinformationen aus Europa.

Am Vormittag erscheinen zudem wichtige europäische Konjunkturdaten. Sie können einzelne Branchen oder den Gesamtmarkt kurzfristig bewegen, die Auswirkungen sind aber meist geringer als bei den US-Daten am Nachmittag.

UhrzeitTypische Termine
10:00ifo-Geschäftsklima, Einkaufsmanagerindizes der Eurozone
11:00ZEW-Konjunkturerwartungen, Inflationsdaten der Eurozone

12:00–14:30 Uhr Mittagsflaute in Europa

Liquidität: mittelSpread: engSchwankung: niedrig

Zur Mittagszeit nehmen die Umsätze in Europa spürbar ab. Viele institutionelle Händler warten auf die Eröffnung in den USA, und die Kurse bewegen sich häufig seitwärts. Ausbrüche aus Handelsspannen sind in dieser Phase weniger belastbar und werden am Nachmittag oft wieder zurückgenommen.

Auf Xetra findet um 13:00 Uhr eine kurze Intraday-Auktion statt. Für Anleger, die eine Position ohne Eile aufbauen möchten, bieten die ruhigen Kurse bei weiterhin engen Spreads eine gute Gelegenheit. An Tagen mit Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank endet die Ruhe um 14:15 Uhr.

UhrzeitTypische Termine
13:00Xetra-Intraday-Auktion
14:15 / 14:45EZB-Zinsentscheid und Pressekonferenz (an Sitzungstagen)

14:30–15:30 Uhr US-Konjunkturdaten und US-Vorbörse

Liquidität: mittelSpread: kurz breitSchwankung: hoch

In dieser Phase erscheinen die wichtigsten Konjunkturdaten aus den USA, darunter der monatliche Arbeitsmarktbericht, die Verbraucherpreise und die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe. Diese Daten beeinflussen die Erwartungen an die Zinspolitik der US-Notenbank und bewegen deshalb Aktien, Anleihen und Währungen weltweit.

Unmittelbar vor und nach einer Veröffentlichung ziehen viele Market-Maker ihre Kurse weiter auseinander, und es kommt zu schnellen Ausschlägen in beide Richtungen. Market-Orders werden dann häufig zu deutlich schlechteren Kursen ausgeführt als erwartet, man spricht von Slippage. Gleichzeitig beginnt der vorbörsliche Handel in New York an Fahrt aufzunehmen.

UhrzeitTypische Termine
14:30US-Arbeitsmarktbericht (meist erster Freitag im Monat), Verbraucherpreise, Erstanträge (donnerstags)
vor 15:30Quartalszahlen vieler US-Unternehmen vor Handelsbeginn

15:30–17:30 Uhr Überschneidung Europa und USA

Liquidität: sehr hochSpread: sehr engSchwankung: mittel

Mit der Eröffnung von NYSE und Nasdaq sind die beiden größten Aktienmärkte der Welt gleichzeitig geöffnet. Die Überschneidung bis zum Xetra-Schluss um 17:30 Uhr ist die liquideste Phase des Tages: Die Spreads sind am engsten, große Aufträge lassen sich ohne spürbaren Kurseinfluss ausführen, und Trends zeigen sich am deutlichsten.

Auch deutsche Aktien profitieren von der Aktivität amerikanischer Investoren. Um 16:00 Uhr folgen weitere US-Daten wie die Einkaufsmanagerindizes des ISM oder das Verbrauchervertrauen. Der Handelstag in Europa endet mit der Schlussauktion auf Xetra, in der große Fonds und Indexanbieter ihre Aufträge zum Schlusskurs platzieren.

UhrzeitTypische Termine
15:30Eröffnung von NYSE und Nasdaq
16:00ISM-Indizes, Verbrauchervertrauen
17:30–17:35Xetra-Schlussauktion

17:30–22:00 Uhr US-Handel, deutscher Späthandel

Liquidität: mittelSpread: mittelSchwankung: mittel

Nach dem Xetra-Schluss handeln deutsche Plätze wie Tradegate, gettex, LS Exchange und die Börse Frankfurt weiter. Für US-Aktien ist das eine gute Phase, da die Kurse sich am laufenden Handel in New York orientieren. Bei deutschen Werten fehlt dagegen der Referenzmarkt Xetra, die Market-Maker stellen ihre Kurse dann anhand des DAX-Futures und der US-Märkte. Die Spreads sind deshalb oft etwas breiter als am Tag.

An acht Terminen im Jahr gibt die US-Notenbank um 20:00 Uhr ihren Zinsentscheid bekannt, eine halbe Stunde später folgt die Pressekonferenz. Diese Abende gehören zu den bewegtesten des Jahres.

UhrzeitTypische Termine
20:00Zinsentscheid und Pressekonferenz der US-Notenbank (an Sitzungstagen)
22:00Handelsschluss in New York

22:00–08:00 Uhr US-Nachbörse, Asien

Liquidität: sehr niedrigSpread: breitSchwankung: niedrig

Nach dem US-Handelsschluss veröffentlichen viele große Technologieunternehmen ihre Quartalszahlen. Die Reaktion zeigt sich zunächst im nachbörslichen Handel in den USA und an deutschen Plätzen, die bis 22:00 oder 23:00 Uhr geöffnet haben. Die Liquidität ist gering, die Spreads entsprechend breit.

In der Nacht handeln die Börsen in Asien, und der DAX-Future an der Eurex läuft bereits wieder ab 01:10 Uhr. Was über Nacht passiert, zeigt sich am nächsten Morgen oft als Kurslücke. Aufträge, die über Nacht im Markt liegen, sind deshalb mit einem Limit besser abgesichert.

UhrzeitTypische Termine
nach 22:00Quartalszahlen vieler US-Technologieunternehmen
ab 01:00Handel in Tokio, Hongkong und Shanghai

Handelsplätze im Vergleich

Deutsche Aktien lassen sich nicht nur auf Xetra handeln. Die Handelsplätze unterscheiden sich vor allem bei den Handelszeiten und bei der Art, wie die Kurse entstehen. Auf Xetra treffen die Aufträge der Marktteilnehmer direkt im Orderbuch aufeinander. Bei Tradegate, gettex und LS Exchange stellen dagegen Market-Maker oder Spezialisten verbindliche Kurse, die sich während der Xetra-Handelszeit eng am Xetra-Kurs orientieren.

HandelsplatzPreisbildung
Xetra
09:00–17:30
Orderbuch mit Auktionen, Referenzmarkt für deutsche Aktien und Grundlage der DAX-Berechnung
Börse Frankfurt
08:00–22:00
Spezialisten stellen Kurse, große Auswahl an Anleihen, Fonds und internationalen Aktien
Tradegate
07:30–22:00
Market-Maker-Handel, sehr umsatzstark bei Privatanlegern, auch außerhalb der Xetra-Zeiten
gettex
07:30–23:00
Market-Maker-Handel der Börse München, bei vielen Neobrokern ohne Börsenentgelt
LS Exchange
07:30–23:00
Market-Maker-Handel von Lang & Schwarz, lange Handelszeiten auch für ausländische Aktien

Außerhalb der Xetra-Zeiten fehlt bei deutschen Aktien der Referenzkurs. Die Market-Maker sichern sich dann mit breiteren Spreads ab. Bei US-Aktien ist es umgekehrt: Sie sind an deutschen Plätzen am besten handelbar, solange in New York gehandelt wird.

Wochentage und besondere Handelstage

Auch der Wochentag spielt eine Rolle. Am Montag verarbeiten die Märkte die Nachrichten des Wochenendes, was zu Kurslücken bei der Eröffnung führen kann. Am Freitag schließen manche Marktteilnehmer ihre Positionen vor dem Wochenende, zudem fällt der monatliche Verfallstag für Optionen und Futures auf den dritten Freitag im Monat. Am Hexensabbat im März, Juni, September und Dezember sind die Umsätze in der Schlussauktion besonders hoch.

An verkürzten Handelstagen wie Heiligabend in den USA oder dem Tag nach Thanksgiving schließen einzelne Börsen früher, an Feiertagen bleiben sie ganz geschlossen. Ist nur eine große Börse geschlossen, etwa New York an einem US-Feiertag, fehlen auch in Europa am Nachmittag die gewohnten Impulse und Umsätze. Alle Termine stehen im Handelskalender.

Sonderfall Zeitumstellung

Europa und die USA stellen nicht am selben Tag auf Sommer- oder Winterzeit um. Die USA wechseln am zweiten Sonntag im März auf die Sommerzeit und am ersten Sonntag im November zurück, Europa jeweils am letzten Sonntag im März und im Oktober. In den Wochen dazwischen beträgt der Zeitunterschied nur fünf statt sechs Stunden, und alle US-Termine finden eine Stunde früher statt: Die US-Daten kommen um 13:30 Uhr, die Wall Street öffnet um 14:30 Uhr und schließt um 21:00 Uhr.

Zeitraum 2026US-Handel in deutscher Zeit
Mo 09.03. bis Fr 27.03.14:30–21:00 Uhr, US-Daten um 13:30 Uhr
Mo 26.10. bis Fr 30.10.14:30–21:00 Uhr, US-Daten um 13:30 Uhr
übriges Jahr15:30–22:00 Uhr, US-Daten um 14:30 Uhr

Aufträge passend zur Marktphase

Der Zeitpunkt entscheidet mit darüber, welcher Auftragstyp sinnvoll ist. Einige Grundregeln helfen, unnötige Kosten zu vermeiden:

  1. Eine Limit-Order legt den schlechtesten akzeptierten Kurs fest und schützt in liquiditätsarmen Phasen vor Ausführungen weit vom letzten Kurs entfernt.
  2. Market-Orders eignen sich vor allem für die liquiden Phasen am Vormittag und in der Überschneidung von Europa und den USA.
  3. Rund um wichtige Konjunkturdaten und Zinsentscheide sind die Spreads kurzzeitig breit, eine Ausführung wenige Minuten später ist oft günstiger.
  4. Für deutsche Aktien ist der Handel während der Xetra-Zeiten in der Regel am günstigsten, für US-Aktien während der Handelszeit in New York.
  5. Stop-Orders können in der Vorbörse und bei Kurslücken zu Kursen weit unter dem Stoppkurs ausgeführt werden.
  6. Ein Blick in den Handelskalender zeigt, ob an einer wichtigen Börse ein Feiertag oder ein verkürzter Handelstag ansteht.

Fazit

Liquidität, Spreads und Kursschwankungen folgen über den Tag einem wiederkehrenden Muster. Die Phase zwischen der Eröffnung in New York und dem Xetra-Schluss bietet in der Regel die besten Bedingungen, gefolgt vom europäischen Vormittag. Die Randzeiten am frühen Morgen und am späten Abend sind dagegen von dünnen Umsätzen und breiteren Spreads geprägt. Die Muster beschreiben typische Verläufe, an einzelnen Tagen können Nachrichten den Handel jederzeit verändern. Die Hinweise auf dieser Seite sind keine Anlageberatung.