Anwalt der Republik vermutet Benko-Vermögen in Stiftungen 11.10.2025, 12:30 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

WIEN (dpa-AFX) - Im Fall des gestrauchelten Investors René Benko sieht die österreichische Finanzprokuratur noch viele offene Fragen. Die extreme Intransparenz des von Benko gegründeten Signa-Imperiums mit mehr als 1.130 Gesellschaften erfordere eine Rekonstruktion der Vermögensverschiebungen und der Geldflüsse, sagte der Chef der Finanzprokuratur und oberste Anwalt der Republik, Wolfgang Peschorn, der dpa. "Wir brauchen das große Bild." Die Finanzprokuratur ist in Österreich eine dem Finanzministerium unterstellte Dienststelle.

Ein erheblicher Teil der Gelder, die in die Immobiliengesellschaften Signa Prime und Signa Development von bisher teils noch unbekannten Geldgebern investiert wurden, sei über Gesellschaften in Luxemburg geflossen. "Es kann derzeit nicht ausgeschlossen werden, dass es sich um Geld handelt, das aus dem Signa-Konglomerat über mehrere Stationen wieder ins Signa-System eingespeist wurde, oder es aus Geldwäsche stammt", sagte Peschorn.

Privatstiftungen im Blick: "Tür, die man öffnen muss"

Große Summen könnten auch in den Privatstiftungen Benkos geparkt worden sein. Auf dieses Vermögen hätten die Justiz und die Gläubiger bisher keinen Zugriff. Der Einfluss Benkos auf alle Signa-Gesellschaften lasse vermuten, dass sein Vermögen von den Stiftungen treuhänderisch gehalten werde, sagt Peschorn. "Das ist eine Tür, die man öffnen muss."

Vor knapp zwei Jahren war das auf Immobilien (Elbtower) und Handel (Galeria Karstadt Kaufhof) spezialisierte Signa-Imperium mit der Insolvenz der Signa Holding zusammengebrochen. Gläubiger fordern mehrere Milliarden Euro.

Benko wurde in Österreich von Politik und Gesellschaft einst als Star gefeiert. Sein Vermögen soll zu Spitzenzeiten knapp 5 Milliarden Euro betragen haben. Seit Januar sitzt er in Untersuchungshaft.

Ein erster Prozess gegen den 48-Jährigen am Landgericht Innsbruck am 14. und 15. Oktober dreht sich um den Verdacht, Vermögenswerte vor seinen Gläubigern versteckt zu haben. Die Schadenssumme beträgt laut Justiz 660.000 Euro.

Parallele zu Wirecard?

Dieser Prozess sei schon aus "Gründen der Hygiene" wichtig, sagt Peschorn. "Jeder ist vor dem Gesetz gleich." Der Strafrahmen liegt in diesem Fall bei bis zu zehn Jahren Haft. Bei dem Prozess in Innsbruck handelt es sich um einen kleinen Ausschnitt der Vorwürfe. Insgesamt verfolgen die Staatsanwaltschaften in Österreich, aber auch in Deutschland und Italien viele Ermittlungsstränge meist rund um den Verdacht des schweren Betrugs und der Untreue.

Der Fall erinnere ihn an den Absturz des deutschen Zahlungsdienstleisters Wirecard, sagte Peschorn. In beiden Fällen könnten die Fachwelt und die Investoren jahrelang durch perfekte Außendarstellung getäuscht worden sein. "Es war alles weit mehr Schein als Sein", meint Peschorn. Sowohl Benko wie der ehemalige Wirecard-Chef Markus Braun bestreiten die Vorwürfe.

Zumindest bei Signa handelt es sich laut Peschorn um ein "Multi-Organ-Versagen" vieler, die Verantwortung hatten oder das Unternehmen kontrollieren sollten. Banken und Investoren seien nicht kritisch genug gewesen oder hätten das Geschäftsmodell billigend in Kauf genommen. "Heute muss für jeden klar sein, dass das Geschäftsmodell der Signa keinesfalls nachhaltig und einem Pyramidenspiel ähnlich war", so Peschorn./mrd/DP/zb

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