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Finanzmarktsammelgesetz passiert Nationalrat 21.01.2026, 17:47 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Keine Mehrheit für Anträge von FPÖ und Grünen zur

KIM-Verordnung

Wien (APA-ots) - Der Nationalrat gab heute mehrheitlich grünes Licht für

das

Finanzmarktsammelgesetz, bei dem es unter anderem zur Umsetzung von

EU-Regeln für grüne Anleihen kommen soll. Eine zentrale Rolle soll

dabei die Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) spielen, die mit

umfassenden Aufsichts-, Ermittlungs- und Sanktionsbefugnissen

ausgestattet wird. Laut Finanzminister Markus Marterbauer sind die

gesetzten Schritte zur Regulierung der Finanzmärkte Voraussetzung für

eine stabile gesamtwirtschaftliche Entwicklung und für die Vermeidung

großer Finanzkrisen. Für die Freiheitlichen kommt es anstatt einer

Stärkung des Kapitalmarkts zur Schaffung von mehr Bürokratie.

Keine Mehrheit fanden die Anträge der Oppositionsfraktionen zur

KIM-Verordnung (Kreditinstitute-Immobilienfinanzierungsmaßnahmen-

Verordnung), die zwischen 2022 und Juni 2025 die Vergabe von

Wohnbaukrediten regulierte. Während sich die Freiheitlichen für eine

dauerhafte Abschaffung einsetzen, pochen die Grünen auf deren

gesetzliche Implementierung.

Finanzmarktsammelgesetz: Umsetzung europäischer Vorgaben für

grüne Anleihen

Das von Finanzminister Markus Marterbauer vorgelegte "

Finanzmarktsammelgesetz " hat die Umsetzung verschiedener EU-Vorgaben

zum Inhalt und umfasst insgesamt 22 Gesetzesnovellen und ein neues

Gesetz. Dabei geht es etwa darum, durch einheitliche Standards und

Transparenzregeln für die Emission "grüner Anleihen" das Vertrauen

der Investoren zu stärken und "Greenwashing" zu verhindern. Als

zuständige österreichische Aufsichtsbehörde im Sinne der

entsprechenden EU-Verordnung soll die Finanzmarktaufsicht mit

umfassenden Aufsichts-, Ermittlungs- und Sanktionsbefugnissen

ausgestattet werden.

Weitere Punkte der Sammelnovelle betreffen den leichteren Zugang

zu vorhandenen finanziellen und nichtfinanziellen Informationen von

Unternehmen durch ein gemeinsames europäisches Zugangsportal für

einschlägige Unternehmensdaten (European Single Access Point, ESAP),

mehr Flexibilität bei Kreditvergabekapazitäten im Sinne von Basel III

sowie die Sicherstellung der Finanzierung der Finanzmarktaufsicht

durch höhere Kostenobergrenzen für Banken und Versicherungen.

Außerdem soll sichergestellt werden, dass Banken ihren Kunden

Echtzeitüberweisungen in Euro zu gleichen Konditionen anbieten wie

SEPA-Zahlungen. Insgesamt ist es das Ziel des

Finanzmarktsammelgesetzes, die Transparenz, Sicherheit und

Wettbewerbsfähigkeit des österreichischen Finanzplatzes zu erhöhen.

Ergänzend zur Sammelnovelle haben die Koalitionsparteien außerdem

im gestrigen Finanzausschuss einen Antrag auf Änderung des

Nationalbankgesetzes eingebracht: Demnach sollen jene Gutachten, die

die Nationalbank zu Verordnungen und Erlässen der FMA erstellt,

künftig nicht nur die Finanzmarktstabilität, sondern auch negative

Auswirkungen auf die Realwirtschaft berücksichtigen.

Mittels eines von ÖVP, SPÖ und NEOS im Nationalrat eingebrachten

Abänderungsantrags wird zudem neben zahlreichen Umreihungen und

redaktionellen Änderungen klargestellt, dass die FMA im Rahmen ihrer

Begründungen zu Verordnungen auch die Auswirkungen auf die

Realwirtschaft zu berücksichtigen hat.

Die neuen EU-Regeln seien "ein Musterbeispiel parlamentarischer

Kontrolle von Brüssel", erklärte Barbara Kolm (FPÖ) die Ablehnung

ihrer Fraktion. Anstatt einer Stärkung des Kapitalmarkts komme es

durch die Sammelnovelle zur Schaffung von mehr Bürokratie. Kolm

nannte etwa zusätzliche Berichtspflichten oder erweiterte

Behördenzugriffe.

Kai Jan Krainer (SPÖ) zeigte sich über mehr Mittel für neue

Aufgaben der FMA erfreut. Diese sei "wahnsinnig innovativ und

effizient" und halte den heimischen Finanzmarkt "sauber und stabil".

Dabei liege sie unter den "TOP 3" vergleichbarer Behörden in Europa.

Obwohl die Sammelnovelle sehr technisch sei, sei diese "von

besonderer Bedeutung" für die Stabilität des Finanzplatzes, für die

Transparenz der Märkte und die Realwirtschaft, erklärte Christian

Oxonitsch (SPÖ).

Nina Tomaselli (Grüne) "gratulierte" in ihrer Wortmeldung der

Raiffeisenbank, die sich bei der Sammelnovelle in vielen Punkten

"durchgesetzt" habe. Die Grünen-Abgeordnete nannte etwa die

Eigenkapitaldeckung oder die Erhöhung des Kostendeckels für Banken

bei der Aufsicht. Zudem komme es durch den Beschluss zu einer

Einschränkung der Unabhängigkeit des Finanzmarktstabilitätsgremiums.

Obwohl Kritik immer berechtigt sei, wies Andreas Ottenschläger (

ÖVP) die Vorwürfe der Grünen zurück. Die Eigenkapitaldecke der

österreichischen Banken sei in den letzten Jahren stark gestiegen,

was einen stabilen Bankensektor gewährleiste. Richtung FPÖ hielt

Ottenschläger fest, dass eine weitere Vereinheitlichung des

europäischen Kapitalmarkts für eine positive Entwicklung wichtig sei.

Dem schloss sich Christoph Pramhofer (NEOS) an. Eine einheitliche

Regulierung sei kein Selbstzweck, sondern die Basis für einen

einheitlichen und großen Kapitalmarkt in Europa. Betreffend der FMA-

Finanzierung betonte Pramhofer, dass eine umfassende Evaluierung für

das Jahr 2027 im Gesetz festgeschrieben sei.

Finanzminister Markus Marterbauer sprach von "einem wichtigen

Schritt für eine gute Regulierung der Finanzmärkte. Diese seien die

Voraussetzung für eine stabile gesamtwirtschaftliche Entwicklung und

für die Vermeidung großer Finanzkrisen. Zur FMA hielt Marterbauer

fest, dass man durch eine Verbesserung der Finanzierung der Aufsicht

die Effizienz der europaweit anerkannten Behörde erhalten wolle.

FPÖ für dauerhafte Abschaffung der KIM-Verordnung, Grüne für

gesetzliche Implementierung

Keine Mehrheit in Plenum fanden zwei Anträge der

Oppositionsparteien zum Thema private Wohnbaukredite. So setzen sich

die Grünen in ihrer Initiative dafür ein, die sogenannte KIM-

Verordnung, die die Vergabe von Wohnbaukrediten zwischen 2022 und

Juni 2025 regulierte und nun in Form einer Empfehlung weiter gilt,

gesetzlich zu implementieren. Das wäre eine dauerhafte Schutzmaßnahme

sowohl für den Finanzplatz als auch für Bankkundinnen und Bankkunden,

argumentieren sie. Nach Meinung der Grünen haben die Banken in den

Jahren vor der Einführung der KIM-Verordnung viel zu locker Kredite

vergeben, Empfehlungen der Bankenaufsichtsbehörden seien zu 90 %

nicht eingehalten worden.

Gänzlich anders sehen es die Freiheitlichen. Sie treten für eine

dauerhafte Streichung der KIM-Verordnung ein, um den Zugang zu

privaten Wohnbaukrediten zu erleichtern. Der Zugang sei durch die

geltenden "Empfehlungen" der Finanzmarktaufsicht massiv erschwert,

kritisieren sie. Vorgaben wie ein Eigenmittelanteil von mindestens 20

%, die Begrenzung der Rückzahlungsrate mit maximal 40 % des

verfügbaren Haushaltsnettoeinkommens und eine Maximallaufzeit von 35

Jahren für Kredite würden die Bevölkerung aktiv vom Eigentum abhalten

und zur Miete zwingen.

"Die KIM-Verordnung muss weg", hielt FPÖ-Abgeordnete Barbara Kolm

für ihre Fraktion fest. Diese sei ein "Musterbeispiel für

technokratischen Interventionismus" und belaste junge Menschen,

Familien und den Mittelstand bei der Schaffung von Eigentum. Die

Bundesregierung müsse sicherstellen, dass diese nicht wieder "durch

die Hintertür" eingeführt werde, so Kolm. Während die Grünen die

"restriktiven Regeln" der KIM-Verordnung gesetzlich verankern

wollten, würde die FPÖ für eine weitgehende Liberalisierung stehen,

um Wohnraum leistbar zu machen, unterstrich Alexander Petschnig (FPÖ)

. Arnold Schiefer (FPÖ) bezeichnete die KIM-Verordnung als

"Beitragstäter des eingebrochenen Wohnbaus". Die Bundesregierung

müsse aktiv werden, um die Lücke von 50.000 fehlenden Wohnungen in

Österreich zu schließen.

Das sah Nina Tomaselli (Grüne) anders. Kreditvergabe-Richtlinien

seien "zum Schutz für uns alle" und würden zu leistbarem Wohnraum mit

weniger Risiko beitragen. Laut Tomaselli sind nicht die

Kreditrichtlinien Schuld an unleistbaren Eigenheimen, sondern die

hohen Immobilienpreise, die die ÖVP durch die Ermöglichung von

Spekulationen befördert habe. Auch der Internationale Währungsfonds

empfehle eine dauerhafte Wiedereinführung.

Obwohl die KIM-Verordnung als Kriseninstrument zu spät

ausgelaufen sei, sei die Aufsicht der Finanzmärkte notwendig gewesen,

betonte Klaus Lindinger (ÖVP). Die Bundesregierung setze Anreize für

den Wohnbau, ohne den Aufbau neuer Risiken, so der ÖVP-Mandatar.

Auch Janos Juvan (NEOS) begrüßte das Auslaufen der KIM-Verordnung

durch die unabhängige Finanzmarktaufsicht. Es gehe nun darum, mehr

Angebot für leistbaren Wohnraum zu schaffen. Die Sanierungsoffensive

der Bundesregierung sei dazu der richtige Impuls.

Für Kai Jan Krainer (SPÖ) will die FPÖ nicht aus eigenen und den

Fehlern anderer lernen. Der SPÖ-Mandatar bezog sich dabei auf den

Verkauf von 60.000 leistbaren BUWOG-Wohnungen im Jahr 2004 sowie auf

die Auslöser der Finanzkrise im Jahr 2008. Die KIM-Verordnung sei bei

ihrer Einführung der richtige Schritt gewesen, wobei Krainer auch ihr

Außerkrafttreten befürwortete. (Fortsetzung Nationalrat) med

HINWEIS: Sitzungen des Nationalrats und des Bundesrats können

auch via Livestream mitverfolgt werden und sind als Video-on-Demand

in der Mediathek des Parlaments verfügbar.

Rückfragehinweis:

Pressedienst der Parlamentsdirektion

Parlamentskorrespondenz

Tel. +43 1 40110/2272

pressedienst@parlament.gv.at

www.parlament.gv.at/Parlamentskorrespondenz

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/172/aom

*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER

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OTS0158 2026-01-21/17:42

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