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Cloud-Abhängigkeit in Deutschland

Firmen fordern Alternativen 17.06.2026, 11:03 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Der Ruf der Unternehmen nach Unabhängigkeit von US-Tech-Giganten wird immer lauter. In einer repräsentativen Meinungsumfrage des Digitalbranchenverbands Bitkom sagten 85 Prozent der Verantwortlichen in hiesigen Unternehmen, dass Deutschland bei Cloud-Technologien zu abhängig von US-Anbietern sei. Noch vor einem Jahr lag dieser Wert bei 78 Prozent.

Aus dem aktuellen "Cloud Report 2026" geht gleichzeitig hervor, wie tief die Abhängigkeit verankert ist. 71 Prozent der deutschen Unternehmen beziehen heute Cloud-Angebote aus den USA, obwohl nur 8 Prozent diese amerikanischen Anbieter tatsächlich bevorzugen würden. Das Wunschbild der Wirtschaft sieht anders aus: 91 Prozent der Unternehmen würden Cloud-Provider aus Deutschland vorziehen, doch aktuell haben nur 53 Prozent einen solchen im Einsatz. Zwei Drittel (64 Prozent) fühlen sich mittlerweile allein durch die Politik der US-Regierung gezwungen, ihre eigene Cloud-Strategie zu überdenken.

Klaffende Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Ein Grundproblem sehen die Verantwortlichen in den Unternehmen in einer mangelnden Schlagkraft der heimischen Cloud-Anbieter. 43 Prozent der Firmen klagen, dass es für ihre technologischen Anforderungen derzeit keine gleichwertigen europäischen Alternativen zu den US-Giganten gebe. Vor diesem Hintergrund fordern 80 Prozent vehement den Aufbau deutscher oder europäischer Hyperscaler, die es mit den globalen Marktführern aufnehmen können.

"Die Cloud ist eine zentrale Infrastruktur für die deutsche Wirtschaft. Angesichts der großen geopolitischen Veränderungen rücken jetzt Fragen der Souveränität und des Abbaus einseitiger Abhängigkeiten in den Fokus", sagte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst. "Deutschland muss sich bei der Cloud mit Blick auf die zunehmende Bedeutung von KI und Daten aus einseitigen Abhängigkeiten lösen."

Souveränität um fast jeden Preis?

Wie groß der Leidensdruck in den Chefetagen ist, zeigt die wachsende Bereitschaft zu schmerzhaften Kompromissen. Mittlerweile wären 37 Prozent der Unternehmen bereit, handfeste Nachteile in Kauf zu nehmen, wenn sie dafür einen Cloud-Dienst nutzen könnten, der ihre Daten strikt in Deutschland und geschützt vor ausländischem Zugriff verarbeitet. 25 Prozent würden längere Wartezeiten bei neuen Funktionen akzeptieren. Beim Geld schwindet aber die Kompromissbereitschaft: Lediglich 12 Prozent würden einen um 10 bis 20 Prozent höheren Preis bezahlen.

Für die repräsentative Studie wurden im April und Mai 603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten im Auftrag des Bitkom befragt.

Beim Cloud-Computing kann man Computer-Dienste wie Speicherplatz, Programme oder Rechenleistung über das Internet nutzen, ohne die dafür nötige Hardware oder Software selbst besitzen oder betreiben zu müssen. Stattdessen stellt ein Anbieter diese Dienste in großen Rechenzentren bereit, und man kann sie bei Bedarf über das Internet abrufen und bezahlen.

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