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"Ganz im Zeichen von Davos" (Anleihen Marktbericht) 23.01.2026, 15:19 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Erst Risk-Off-Modus, dann wieder Risk-On - die Woche bot viel Aufregung. Jetzt ist Ruhe gekehrt, die Blick geht wieder hin zu anleihetypischen Themen wie Leitzinsen. So mancher wendet sich aber von den USA ab.

23. Januar 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Die Geschehnisse auf dem Weltwirtschaftsforum bestimmen auch die Anleihemärkte. "Die Woche stand ganz im Zeichen von Davos", berichtet Arthur Brunner, der für die ICF Bank Anleihen handelt. "Die zwischenzeitliche Androhung höherer US-Zölle hat in den letzten Tagen andere Themen in den Hintergrund gerückt", stellt auch Commerzbank-Analyst Marco Wagner fest. Aktien verloren deutlich, "sichere Häfen" waren gesucht. Nach der Einigung mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte und der Rücknahme der Zollandrohung sieht es aber schon wieder anders aus. "Unter dem Strich hat sich bei den Renditen gar nicht so viel getan", stellt Brunner fest.

"Dänischer Fonds hält USA für nicht mehr für kreditwürdig"

Er beobachtet allerdings schon länger eine Abwendung von US-Staatsanleihen und hin zu Gold. Für viel Aufmerksamkeit sorgte diese Woche in diesem Zusammenhang die Ankündigung des dänischen Pensionsfonds AkademikerPension, alle US-Staatsanleihen zu verkaufen. "Der Fonds hält die USA nicht mehr für kreditwürdig", bemerkt Brunner. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren am Freitagmittag mit 2,90 Prozent und damit über den 2,83 Prozent der Vorwoche. US-Treasuries mit zehn Jahren Laufzeit werfen aktuell 4,24 Prozent ab nach 4,17 Prozent vor einer Woche.

Neuer Fed-Chef: Trump-Zögling oder unabhängig?

Nach den Turbulenzen in Davos wird sich nach Einschätzung der Commerzbank der Fokus nun wieder hin zu den Zentralbanken verlagern. Für die kommenden Mittwoch anstehende US-Notenbanksitzung wird kein weiterer Schritt erwartet. "Die Fed dürfte stillhalten und ihre Leitzinsen vorerst nicht weiter senken", erklärt Analyst Bernd Weidensteiner. Die nächsten Monate würden wohl ohnehin weniger von geldpolitischen Erwägungen im engeren Sinne geprägt sein, sondern vom Kampf der Fed um die Unabhängigkeit. "Es verdichten sich aber die Hinweise, dass nicht Kevin Hassett, sondern Kevin Warsh der nächste Vorsitzende werden wird, der mit seiner Erfahrung und Reputation eher als neutral gilt", stellt die Bank fest.

Beliebte Zloty-Anleihen

Gekauft wird heute eine bis 2031 laufende Anleihe der Europäische Union (EU000A3L1DJ0), die aktuell 2,73 Prozent abwirft, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank berichtet. Käufe, wenn auch auf niedrigerem Niveau, sieht er zudem in Bonds in polnischen Zloty. Beispiele: eine bis 2034 laufende polnische Staatsanleihe (PL0000116851) und bis 2029 laufende Bonds der Europäischen Investitionsbank EIB in der polnischen Währung (EU000A3L6Q26). Die bieten derzeit Renditen von 4,92 und 3,76 Prozent. "Interessant ist, dass die polnische Nationalbank ihre Goldreserven zuletzt auf rund 550 Tonnen erhöht hat - damit sind die Goldreserven des Landes größer als die der EZB", bemerkt Daniel.

Mercedes und Eon gesucht, aber auch Schalke

"Andauernd gekauft" wird im Bereich der Unternehmensanleihen die 2031 fällige Mercedes-Benz-Anleihe mit aktuell knapp 3 Prozent (DE000A3LH6U5), wie Daniel außerdem berichtet. Käufe und Verkäufe meldet er für die bis 2044 laufende Eon-Anleihe mit aktuell 4,17 Prozent (XS2791960664). Zwischenzeitlich nach unten ging es für Papiere von DEAG Deutsche Entertainment (NO0013639112). "Nachdem der Kurs zur Vorwoche etwas korrigiert hat, gab es im Bereich um 102 Prozent dann aber Kaufinteresse", ergänzt er.

Unverändert gut an kommt Brunner zufolge die Fußballclub Gelsenkirchen-Schalke-Anleihe, die mittlerweile zu 105 Prozent gehandelt wird (DE000A460AT6). Weiter nach unten ging es hingegen für ABO Energy (DE000A3829F5). Die Anleihe wird jetzt nur noch um 16 Prozent gehandelt, wie Brunner erklärt. Nach einer Verlustprognose von 95 Millionen Euro für 2025 im November war der Kurs schon von 100 auf 50 Prozent gefallen. Nun sollen es sogar 170 Millionen Euro Verlust sein.

Neues von BMW

Neuemissionen gab es diese Woche extrem viele - wie immer zu Jahresanfang. Auch an Kleinanlegerinnen und -anleger richten sich neue Bonds von BMW mit Stückelung von 1.000 Euro, wie Marcus Mielert von Oddo BHF berichtet: eine bietet 2,625 Prozent bis 2029 (XS3280518856), eine weitere 3,25 Prozent bis 2032 (XS3280519078), eine dritte 3,75 Prozent bis 2036 (XS3280519318). Dazu kommt ein Floater.

Von Anna-Maria Borse, 23. Januar 2026, © Deutsche Börse AG

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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