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"Märkte 2025: Was von den Prognosen übrig blieb" 15.12.2025, 15:34 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Jahresanfang ist Prognosezeit, zum Jahresende folgt die Bilanz. Ali Masarwah, Fondsanalyst und Geschäftsführer des Beratungshauses envestor, hatte an dieser Stelle im Januar 2025 fünf Thesen zu den Märkten aufgestellt. Unser Kolumnist bilanziert heute, welche davon aufgingen und welche nicht.

15. Dezember 2025. FRANKFURT (envestor). Zunächst möchte ich kurz auf die Frage eingehen, ob kurzfristige Prognosen nicht angesichts der allgemeinen Unsicherheit über die Richtung der Märkte schlicht unseriös sind. Das sind sie tatsächlich, wenn es sich um Punktprognosen handelt. Dann sind sie eher der Stoff von Kneipenwetten. Ich wage die Behauptung, dass niemand im Januar 2025 den DAX-Stand von zuletzt 24.186,49 Punkten richtig getippt hat. Legitim und wichtig sind Prognosen indes dann, wenn ihnen fundierte Marktszenarien und durchdachte Thesen zugrunde liegen.

Kein Portfolio wird prognosefrei aufgestellt. Jede unserer Anlageentscheidungen wird von Annahmen unterfüttert. Ungünstig ist es, wenn diese unbewusst getroffen werden. Dann setzen sich Anlegende unbedarft den Launen der Märkte aus. Wer etwa sein Depot mit nur einem ETF auf den MSCI World bestückt, wettet nicht nur einseitig auf US-Aktien, sondern auch darauf, dass die Jagd der US-Tech-Plattformen nach dem heiligen Gen-AI-Gral der einzig richtige Pfad Richtung menschlichen Fortschritts sei. China und - unfreiwillig - auch Europa zeigen, dass der Weg in eine erfolgreiche Zukunft auch in der Förderung einer diversifizierten technologischen Entwicklung liegen kann. Inkrementelle Fortschritte in den Sektoren Robotics, die Digitalisierung von Verwaltungsprozessen, die Entwicklung von E-Autos, Smart Cities und alternativen Energien können im Endeffekt mehr bringen als eine einseitige Wette auf den AI-Durchbruch, von der wir nicht wissen, ob sie überhaupt aufgehen kann.

Explizite Investmentthesen sind meines Erachtens wichtig - im Sinne des selbstbestimmten und selbstreflektierten Investierens.

Wer also Punktprognosen von unserer Rückschau erwartetet, wird von den Ergebnissen unserer Prognosen, die wir im Gastbeitrag vom Januar 2025 abgegeben haben, enttäuscht sein: Wir haben Thesen und Prognosen über wichtige Einflussgrößen für die Märkte aufgestellt, aber keine Punktlandungen angestrebt.

These 1: US-Tech und US-Banken als Gewinner - Währungsfallstricke inklusive

Zu Jahresbeginn lautete die erste These: US-Techwerte seien kaum zu schlagen; zusätzlich könnten US-Banken von einer Deregulierungswelle in den USA profitieren. In der Tendenz ging die zweigeteilte These auf: Beide Segmente waren am US-Aktienmarkt top. Der Nasdaq 100, Hort der Tech-Plattformen, legte um rund 23 Prozent zu, der MSCI USA Banks kam sogar auf gut 31 Prozent. Dazwischen lagen mehrere Rücksetzer, ohne den Aufwärtstrend grundsätzlich zu beschädigen. Der Haken an der Sache: Aus Sicht von Euro-Anlegern relativierte der Einbruch des US-Dollars von rund 14 Prozent gegenüber dem Euro vieles: Beim Nasdaq 100 blieben für uns nur noch gut 8 Prozent Rendite übrig, bei US-Banken etwa 15,5 Prozent. Das ist respektabel, aber weit entfernt von der brillanten Optik in der Heimatwährung.

These 2: Europas Comeback gegenüber US-Aktien

Die zweite These stellte die verbreitete Annahme in Frage, US-Aktien würden europäische Märkte zwingend immer hinter sich lassen. 15 Jahre Unterperformance könnten Raum für Gegenbewegungen lassen, haben wir im Januar geschrieben. Eine regionale Diversifikation erwies sich 2025 bei Aktien tatsächlich als Trumpf. Die meisten europäischen Märkte lagen aus Euro-Sicht deutlich vor den USA: Der MSCI Italy stieg bis zum 11. Dezember um gut 33 Prozent, der DAX um 22 Prozent, der FTSE 100 um 23 Prozent. Dem stand ein Plus von lediglich 4,6 Prozent im S&P 500 aus Sicht von Euro-Anlegern gegenüber.

These 3: Ein Blick auf Kryptos lohnt sich

Hier unterlagen wir offenkundig dem Herdentrieb - wider die eigene Überzeugung vertraten wir die These, dass Kryptowerte, in Kombination mit AI, "neue Investmenthorizonte eröffnen" könnten. Langfristig könnte die These aufgehen, die Performance-Realität fiel 2025 aber ernüchternd aus. Der Bitcoin notierte Anfang des Jahres bei rund 94.400 US-Dollar, Mitte Dezember lag der Kurs bei etwa 90.000 US-Dollar. In Euro betrachtet fiel der Verlust wegen der Dollar-Schwäche annähernd zweistellig aus. Das erschreckt waschechte Krypto Hodler naturgemäß nicht, wohl aber Bitcoin-Rookies, die über ETFs und ETPs den Zeh ins Krypto-Wasser gehalten haben. Der Bitcoin-Absturz von 126.000 auf bis zu 85.000 US-Dollar im Herbst dürfte viele "Krypto-Touris" abgeschreckt haben.

These 4: Zinsanlagen vor einer guten Phase

Die vierte These lautete, die Bedingungen für Zinsanlagen seien auf absehbare Zeit günstig. Diese Einschätzung war nicht grundsätzlich falsch, aber zu pauschal. Für klassische Euro-Staatsanleihen war 2025 ein schwaches Jahr: Der deutsche Rentenindex REXP verzeichnete bis 11. Dezember nur etwa 1 Prozent Plus, der breite Bloomberg Euro Aggregate lag kaum darüber. Deutlich besser sah es in Segmenten wie Emerging-Markets-Anleihen und US-Treasuries aus, allerdings nur, wenn das Währungsrisiko abgesichert wurde - nicht nur der Dollar, auch viele Schwellenländer-Währungen schwächelten gegenüber dem Euro. Das hat in ungehedgten Portfolios Spuren hinterlassen. Aber dass die Renditen am langen Ende trotz Leitzinssenkungen nicht deutlicher gefallen sind, erhält Anleihen eine befriedigende Performance-Perspektive. Doch dazu mehr in unserer 2026er Prognose.

These 5: Vorsicht bei Staatsanleihen, Fokus auf Credit Spreads

In der fünften These haben wir vor einer zu starken Fokussierung auf Staatsanleihen gewarnt und stattdessen die Bedeutung der Spread-Märkte hervorgehoben. Die These ist aufgegangen. Staatsanleihemarkt zeigten sich 2025 zwar insgesamt stabil, aber die Opportunitätskosten waren hoch. Trotz hoher Bewertungen haben sich Kreditrisiken gelohnt, etwa bei Unternehmensanleihen und strukturierten Bonds (europäische CLOs, Konsum-Kredit-Portfolios). Besonders hervorzuheben sind Insurance-Linked Securities, insbesondere Katastrophenbonds, mit Renditen im Bereich von knapp 10 Prozent auf Eurobasis.

Von Ali Masarwah, 15. Dezember 2025, © envestor.de

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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