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Marktstimmung: "Eurozone international wenig beliebt" 18.06.2026, 09:45 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Etliche Profis machen Kasse und gehen raus, Private steigen dagegen ein. Ob die Anzahl der Bären reicht, den Markt vor größeren Korrekturen zu bewahren und die Bullen nach oben bremsen könnten, weiß Joachim Goldberg.

18. Juni 2026. FRANKFURT (Goldberg & Goldberg). Die größere Zuversicht vieler Anlegerinnen und Anleger, dass sich die Lage im Nahen Osten tatsächlich entspannen könnte, hat auch dem DAX über das Wochenende hinweg Auftrieb gegeben. Nach anfänglicher Schwäche in der vergangenen Woche konnte sich das Börsenbarometer von seinem Zwischentief immerhin zeitweise um 4,4 Prozent erholen, um dann die Sentiment-Woche mit einem Plus von 1,6 Prozent zu beschließen. Obwohl vielerorts erhofft, hat es jedoch nicht zu einem neuen Rekordstand beim DAX gereicht.

+++ In eigener Sache: Letzte Analyse der Marktstimmung am 24. Juni 2026

Seit 25 Jahren begleitet die Stimmungserhebung der Deutschen Börse mit Joachim Goldbergs Analyse viele Anlegerinnen und Anleger durch Hausse, Baisse und alles dazwischen. Ende Juni endet die traditionelle die Reihe zwar, ihr Beitrag zum Verständnis von Marktpsychologie bleibt aber bestehen. +++

Nun steht mit der Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank am heutigen Abend hiesiger Zeit das wohl wichtigste Ereignis in dieser Woche an, zumal mit Kevin Warsh ein neuer Notenbankpräsident antreten wird. Besonderes Augenmerk der Investoren dürfte dabei nicht einmal dem eigentlichen Zinsentscheid - vielerorts geht man von einem unveränderten Leitzins aus - gelten, sondern vor allen Dingen, wie es um die Einigkeit des Gremiums bestellt ist. Deswegen dürfte dieses Mal ein besonderes Interesse der Börsianer an den neuen Wachstums- und Inflationsprojektionen sowie den Zinsprognosen, den sogenannten Dot-Plots der Ausschussmitglieder, bestehen.

Nicht wirklich pessimistisch

Mittlerweile hat sich allerdings die Stimmung der von uns befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont gegenüber der Vorwoche - gemessen an unserem Deutsche Börse Sentiment-Index - um 8 Punkte auf einen neuen Stand von -19 verschlechtert. Vermutlich geht dieser Stimmungswechsel zu großen Teilen auf eher kurzfristig orientierte Teilnehmer unseres Panels zurück, die wir in der Vorwoche mit einem Gesamtanteil von vermutlich 10 Prozent aller Befragten ausgemacht hatten. Per Saldo hat sich dabei das Bullenlager um 8 Prozentpunkte verkleinert, zugunsten der neutral ausgerichteten Investoren. Mit anderen Worten: Es handelt sich dabei um Gewinnmitnahmen, wobei sich trotz der vorausgegangenen Erfolge so gut wie niemand mehr auf die Short Seite getraut hat.

Völlig entgegengesetzt ist die Entwicklung bei den Privatanlegern. Wir ermitteln einen Deutsche Börse Sentiment-Index, der gegenüber dem vergangenen Mittwoch um 22 Punkte auf einen neuen Stand von +24 gestiegen ist. Dabei gab es nicht nur bei den über Social Media befragten Anlegenden sentimenttechnisch einen Turnaround von den Bären zu den Bullen. Auch die restliche Gruppe, die wir nicht über Social Media befragen, hat in größerem Stil bearishe Positionen aufgelöst und dafür gesorgt, dass das Bullenlager (vermutlich beim Rücksetzer des DAX in der vergangenen Woche) insgesamt um 12 Prozentpunkte angewachsen ist. Dabei haben über 80 Prozent der Befragten bearishe Engagements um 180 Grad auf bullish gedreht. Deswegen ist der Sentiment-Index in dieser Untergruppe um 20 Punkte auf einen neuen Stand von +12 gestiegen.

Privatanleger neu ausgerichtet

Per Saldo ist also eine recht große Stimmungskluft zwischen Privatanlegern und institutionellen Investoren entstanden. Erstere sind erheblich positiver eingestellt als die Instis. Die schlechte Stimmung bei Letzteren entspricht in etwa auch dem, was die gestern veröffentlichte Juni-Umfrage der Bank of America ergeben hat. Danach haben internationale Investoren ihre Untergewichtung in Aktien der Eurozone zuletzt noch einmal deutlich erhöht: Per Saldo gaben 15 Prozent (Vormonat: netto 4 Prozent) der Vermögensverwalter an, dort untergewichtet zu sein. Die Umfrage wurde bereits am 11. Juni abgeschlossen. Möglich, dass ein Teil der vormaligen DAX-Schwäche auf die Verschiebung, die sich aus den Antworten der Befragten ablesen lässt, zurückzuführen ist.

Bezeichnend ist allerdings, dass die Stimmungsverschlechterung bei den heimischen institutionellen Investoren wahrscheinlich allein auf Gewinnmitnahmen aus dem vorausgegangenen Anstieg zurückzuführen ist, man sich aber nicht mehr auf die Short-Seite getraut hat. Das Bärenlager der institutionellen Investoren bleibt daher bei 43 Prozent, groß genug, um im Falle eines Rückschlags für stützende Nachfrage (in etwa auf dem Niveau von 24.000 DAX-Zählern) zu sorgen. Gleichzeitig ist die Oberseite beim DAX offener als zuvor, womit sich eine Verbesserung der Sentiment-technischen Situation ergibt.

von Joachim Goldberg

18. Juni 2026, © Goldberg & Goldberg für Deutsche Börse

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)

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