FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Donald Trump sorgt mit seinen Zoll-Drohungen gegenüber mehreren europäischen Ländern zum Wochenstart für fallende Kurse an den Aktienmärkten. Das birgt vor allem deshalb Risiken, weil die Bewertungen der großen europäischen Indizes als zu hoch bewertet werden.
19. Januar 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Fast genau ein Jahr nach seiner Vereidigung zum US-Präsidenten hat Donald Trump erneut den Zollhammer ausgepackt und damit auch die Börsen durchgerüttelt. Nachdem am Wochenende bereits die großen Kryptowährungen Kursverluste erlitten, eröffnen heute Morgen auch die Aktienmärkte mit Minuszeichen. Die aktuell als "sicherer Hafen" gesuchten Edelmetalle Gold und Silber hingegen setzen ihren Höhenflug fort und markieren neue Allzeithochs.
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"Donald Trump hat angekündigt, ab Februar 2026 zusätzliche Importzölle von zehn Prozent auf Waren aus acht europäischen Staaten zu erheben. Ab Juni sollen diese auf 25 Prozent steigen, sofern keine Einigung über den von ihm geforderten Erwerb Grönlands erzielt wird", fasst Ulrich Stephan von der Deutschen Bank das Geschehen heute Morgen zusammen. Der Chefanlagestratege fürchtet bei einer tatsächlichen Umsetzung erhebliche Beeinträchtigungen der europäischen Wirtschaft: "Die Zölle wirken beidseitig wohlfahrtsmindernd, treffen Europa jedoch strukturell und sektoral konzentriert, während sich die Kosten in den USA breit auf die Konsumenten verteilen". Vor diesem Hintergrund steht das heute beginnende Weltwirtschaftsforum in Davos (mit Donald Trump) ganz besonders im Fokus der Märkte.
Kursverluste zum Wochenauftakt
Dem DAX (DE0008469008) droht zum Wochenstart der Rutsch unter die Marke von 25.000 Punkten. Nach dem dynamischen Anstieg zum Jahresauftakt hatte sich der deutsche Leitindex in der abgelaufenen Woche bereits eine kleine Verschnaufpause gegönnt und nach einem Mini-Plus von 0,1 Prozent bei 25.297 Punkten geschlossen. Im Wochenverlauf hatte das Kursbarometer bei rund 25.508 Punkten ein neues Allzeithoch markiert. Der Stoxx Europe 600 (EU0009658202) beendete die Woche nach einem Wertzuwachs von 0,8 Prozent bei gut 614 Punkten nur knapp unter dem neuen Rekordniveau von rund 615 Punkten. Der amerikanische S&P 500 verbuchte ein Wochenminus von 0,4 Prozent. Aufgrund des Martin Luther King Days haben die Börsen in den USA heute geschlossen.
Gespannter Blick auf die Berichtssaison
Der insgesamt bislang sehr gute Start in das neue Börsenjahr war nach Ansicht von Martin Hartmann von der Commerzbank vor allem davon getrieben, dass die Analysten weltweit ein starkes Wachstum der Konzerngewinne erwarten. Demnach sollen die im DAX bzw. Euro Stoxx 50 notierten Unternehmen ihre Gewinne 2026 im Schnitt um 13 bzw. 11 Prozent steigern. Für den S&P 500 bzw. den Nasdaq 100 werden sogar Zuwächse von 16 bzw. 22 Prozent avisiert. Damit bekommen die Ausblicke während der gerade angelaufenen Berichtssaison eine besondere Bedeutung. In der vergangenen Woche hatten die über den Erwartungen liegenden Investitionspläne von TSMC zum Beispiel die Sorgen vor einer KI-Blase geschmälert und die Halbleiterbranche elektrisiert. In dieser Woche berichten unter anderem Netflix, 3M, Johnson & Johnson, General Electric, Intel und Procter & Gamble. In Europa beginnt der Zahlenreigen erst eine Woche später.
Gefährliche "Sorglosigkeit"
Während die Commerzbank nach einer kurzfristigen Konsolidierung vor allem dank eines starken Wachstums der US-Konjunktur weiteres Aufwärtspotenzial für die Aktienmärkte sieht, äußerte sich Uwe Streich von der LBBW schon vor den neuen Zollandrohungen von Donald Trump deutlich vorsichtiger. Seiner Ansicht nach wähnen sich die Anlegerinnen und Anleger nach den vergangenen erfolgreichen Jahren in Sicherheit und "unterschätzen das immanente Risiko einer Aktienanlage".
Eine derartige "Sorglosigkeit" bezeichnet der Analyst als gefährlich, weil dies teilweise zu Übermut und einer erhöhten Risikobereitschaft führe. "So lange die Kurse weiter nach oben laufen, ist dies kein Problem. Schwierig wird es allerdings, wenn das Pendel urplötzlich in die andere Richtung ausschlägt. Dann wird die überwiegende Mehrzahl der Anleger zeitgleich auf dem falschen Fuß erwischt und ist gezwungen, seine Anlagen hastig umzuschichten und an die neuen Gegebenheiten anzupassen". Ein Szenario, das nun womöglich schneller Realität werden könnte als gedacht.
Bewertungsmodell mahnt zur Vorsicht
Streich verweist mit Blick auf das seit mehr als zwanzig Jahren sehr zuverlässige LBBW-Fünf-Jahres-Modell des DAX darauf, dass die Kurse in den vergangenen Jahren ihrer fundamentalen Entwicklung wahrscheinlich vorausgelaufen sind. So liege der DAX mit einem Zwölf-Monats-Forward-KGV von 15,1 deutlich über seinem Bewertungsmedian von nur 12,9. Dem kumulierten DAX-Anstieg seit Ultimo 2022 um 82 Prozent stehe ein lediglich um knapp 33 Prozent verbesserter 12-Monats-Forward-Gewinn gegenüber.
Das Modell, das auf Basis der Dividendenrendite und der DAX-Kapitalisierung in Relation zur Geldmenge M3 die p.a.-Performance des Index für die jeweils folgenden fünf Jahre prognostiziert, sieht aktuell nur ein Potenzial von durchschnittlich 3,6 Prozent (inklusive ca. 2,5 Prozent Dividendenrendite) pro Jahr. Dabei seien über den gesamten Zeitraum hinweg aber auch temporäre Abweichungen nach unten zu erwarten.
Wichtige Konjunktur- und Wirtschaftsdaten
Montag, 19. Januar
Start des Weltwirtschaftsforums in Davos (läuft bis Ende der Woche)
Martin Luther King Day - Märkte in den USA geschlossen
30 Jahre MDAX- der deutsche Midcap-Index ist am 19. Januar 1996 gestartet.
Dienstag, 20. Januar
11.00 Uhr. Deutschland: ZEW-Index. Nachdem die Finanzmarktanalysten in der jüngsten sentix-Umfrage den boomenden Aktienmarkt stärker gewichtet haben als die schleppend verlaufende Konjunktur, rechnen die Strategen der Deka auch für die ZEW-Konjunkturerwartungen mit einem (deutlichen) Anstieg.
Mittwoch, 21. Januar
USA: Anhörung vor US Supreme Court im Verfahren der Fed-Governeurin Lisa Cook gegen ihre Entlassung. Obwohl eine Urteilsverkündung erst im Frühjahr erwartet wird, könnte der Prozessverlauf nach Ansicht der Deka möglicherweise bereits Rückschlüsse zulassen: "Sollten die Richter im Sinne der Regierung entscheiden, wäre die rechtliche Hürde für die Entlassung eines Board-Mitglieds deutlich niedriger als bislang angenommen.
Donnerstag, 22. Januar
14.30 Uhr. USA: Preisdeflator privater Konsum. Für die Volkswirte der Deutschen Bank sind die durch den Regierungsstillstand verzögerten PCE-Zahlen für Oktober und November die wichtigste Veröffentlichung in den USA in dieser Woche. Die US-?-konomen schätzen das Wachstum des Kern-PCE gegenüber dem Vormonat für beide Monate auf +0,1 Prozent und gehen davon aus, dass sowohl die Einkommen als auch der Konsum um +0,3 Prozent steigen werden.
Freitag, 23. Januar
Japan: BoJ-Zinsentscheid. Der Konsens rechnet diesmal mitunveränderten Leitzinsen.
09:30 Uhr. Deutschland: PMI Verarbeitendes Gewerbe und Dienstleistungen.
10:00 Uhr. Eurozone: PMI Verarbeitendes Gewerbe und Dienstleistungen. Die auch noch für andere Regionen veröffentlichten Zahlen werden laut den Analysten der Deutschen Bank einen ersten Eindruck vom globalen Wachstum vermitteln. Im vergangenen Monat lagen die Indizes für das verarbeitende Gewerbe mit Ausnahme von Deutschland und der Eurozone bei oder über 50 Punkten.
Von Thomas Koch, 19. Januar 2026, © Deutsche Börse AG
(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)