Dräger

'Plötzliche Kurswechsel sind halt schlecht' 22.06.2026, 05:25 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

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Der Unternehmer Stefan Dräger wünscht sich von der Politik klare Ansagen zu notwendigen Reformen in Deutschland. "Wir Unternehmer können uns ja anpassen und verändern", sagte Dräger der Deutschen Presse-Agentur. "Nur plötzliche Veränderungen sind halt schlecht." Von der früheren Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wisse er, dass ihr diese Kontinuität stets ein so hoher Wert gewesen ist und sie sich an die Aussagen ihrer Vorgänger gebunden fühlte, auch wenn sie anders dachte.

"Es ist deshalb schon ein bisschen problematisch, wenn die Bundesregierung Sachen ihrer Vorgänger einfach wieder zurückdrehen will", sagte Dräger. Alleine die Idee sei aus psychologischer Sicht ungünstig. "Rein in die Kartoffeln und raus aus den Kartoffeln, das ist ganz schlecht." Ähnliche habe er das Hin und Her beim Verbrenner-Aus empfunden. "Es war unglaublich, wie die deutsche Glaubwürdigkeit in Brüssel dadurch minimiert wurde. Und nebenbei auch die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Autoindustrie."

Besser als dargestellt

Generell bricht der Lübecker Unternehmer aber eine Lanze für die Arbeit der Bundesregierung. "Ich würde der Regierung nicht so ein allgemein schlechtes Zeugnis ausstellen, wie das vielfach passiert. Das liegt höchstens am etwas ungünstigen Erwartungsmanagement der Regierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU). Denn es passiert tatsächlich bereits eine Menge Gutes, zum Beispiel bei der Migration und auch bei anderen Themen."

Auch der deutschen Bürokratie gewinnt Dräger gute Seiten ab: "Die handelnden Menschen in den Behörden sind wirklich meistens gutwillig, sehr engagiert und um Verbesserungen bemüht."

Als Positivbeispiel für Regierungshandeln nennt der Firmenchef die von der Regierung geschaffene Möglichkeit für Rentnerinnen und Rentner, sich bis zu 2.000 Euro zusätzlich zu verdienen. "Das ist eine Verbesserung, die wir gerne nutzen. Der Bedarf nimmt zu." In seinem Unternehmen verdienten sich mittlerweile immer mehr Ruheständler etwas hinzu.

Die aktuelle Debatte um Arbeitszeit und Renten hält Dräger für berechtigt. "Ich selber propagiere, sich ruhig mit Mitte 50 eine Auszeit zu nehmen oder die Stundenzahl zu reduzieren und im Gegenzug nach Eintritt des gesetzlichen Rentenalters noch weiterzuarbeiten bis 70", sagt Dräger. "Das ist für alle von Vorteil: Die Rentner müssen keine Sozialabgaben mehr zahlen, sie haben dadurch mehr Geld in der Tasche und auch der Arbeitgeber spart. Da geht noch mehr."

Bürokratie

Der 63 Jahre alte Dräger leitet in sechster Generation das von der Familie gegründete Unternehmen Drägerwerk DE0005550636 mit dem Hauptsitz Lübeck. Dort arbeiten mehr als 5.000 der weltweit rund 17.000 Beschäftigten.

"Wenn ich in Berlin bin, wird dort oft über Brüssel geklagt", sagte Dräger mit Blick auf EU-Richtlinien. "Vor kurzem habe ich mir aber in Brüssel ein eigenes Bild verschafft und auch mit handelnden Akteuren gesprochen. Die klagen über Berlin und sagen: Wir wollen hier die Bürokratie abbauen. Wir haben erkannt, dass wir da ein bisschen zu weit gegangen sind. Aber da werden Leute aus einigen Ministerien von Berlin nach Brüssel geschickt, um hier Sand ins Getriebe zu streuen und Entbürokratisierungsbemühungen zu hintertreiben." Dräger nennt das mit deutschem Steuerzahlergeld bezahlte Schikane.

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