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EU-Kommission

Milliarden-Kosten durch Stickstoffbelastung 15.07.2026, 16:42 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Stickstoffbelastung durch die Landwirtschaft verursacht in der EU nach Einschätzung der Europäischen Kommission jährlich Kosten in Höhe von 68 bis 182 Milliarden Euro. Dabei geht es unter anderem um Kosten für die Trinkwasseraufbereitung. Das geht aus der ersten umfassenden Evaluierung der europäischen Nitratrichtlinie von 1991 hervor.

Die Richtlinie schreibt Grenzwerte für Nitrat im Wasser vor und verpflichtet die EU-Staaten, Maßnahmen zum Schutz der Gewässer vor Nitratbelastungen durch landwirtschaftliches Düngen umzusetzen. Nitrat ist eine Stickstoffverbindung, die Pflanzen direkt aufnehmen können. Da Pflanzen sie nur begrenzt aufnehmen können, belasten Überschüsse Böden, Gewässer und die biologische Vielfalt.

Die Richtlinie habe für eine Kostensenkung in Höhe von 10 bis 22 Milliarden Euro pro Jahr gesorgt, heißt es in der Untersuchung. Dem stünden 2,8 bis 3,1 Milliarden Euro an jährlichen Umsetzungskosten für landwirtschaftliche Betriebe und Behörde gegenüber. Dabei geht es unter anderem um die Überwachung der Wasserqualität und die Durchsetzung der Vorgaben. Die Kosten für landwirtschaftliche Betriebe machen dabei nach Angaben der Brüsseler Behörde weniger als 1 Prozent der Produktion aus.

Flexiblere Sperrfristen werden geprüft

Die Vorgaben trugen dazu bei, in vielen Teilen der EU die Belastung zu senken, wie die EU-Kommission mitteilte. Es gebe aber Potential für Vereinfachungen und eine Senkung des Verwaltungsaufwands für Landwirte. Dazu soll es Absprachen mit den Mitgliedstaaten geben - unter anderem zu einem besseren Umgang mit überschüssigem Dünger und einer hohen Viehdichte sowie zum Verwaltungsaufwand speziell für kleine Betriebe. Denkbar seien auch weniger starre Sperrfristen.

Die EU-Kommission prüft zudem wie bereits angekündigt, unter welchen Bedingungen bestimmte aufbereitete Gülleprodukte künftig rechtlich wie Mineraldünger behandelt werden könnten. Umweltschutzstandards sollen demnach weiter eingehalten werden. Dazu soll im Laufe des Jahres eine vorläufige wissenschaftliche Bewertung vorgelegt werden.

Bauernverband will mehr Flexibilität

Der Deutsche Bauernverband sprach sich für eine Flexibilisierung der Vorgaben für Betriebe, die nachweislich gewässerschonend wirtschaften, aus. "Die Richtlinie muss stärker auf Ergebnisse statt auf starre Vorgaben ausgerichtet werden und den erheblichen Fortschritten in der landwirtschaftlichen Praxis Rechnung tragen", teilte Generalsekretärin Stefanie Sabet zudem mit.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sah in der Evaluation ein "starkes Signal für den Gewässerschutz". "Europa braucht keine schwächere Nitratrichtlinie, sondern ihre vollständige und wirksame Umsetzung in allen Mitgliedstaaten."

Grundwasser ist zu stark belastet

In der Landwirtschaft wird Nitrat als Mineraldünger oder in Form von Gülle für mehr Pflanzenwachstum verwendet. In vielen Regionen Deutschlands ist das Grundwasser durch den Eintrag von Dünger aus der Landwirtschaft zu stark belastet.

Nitrate an sich sind für den Menschen nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) relativ unbedenklich. Bakterien können sie aber in Lebensmitteln oder beim Verdauungsprozess in gesundheitsschädliches Nitrit umwandeln.

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