Geringste Investitionsquote in Deutschland seit 1990 24.03.2026, 06:09 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Unternehmen, Staat und Privatleute haben nach offiziellen Daten 2025 unter dem Strich so wenig in Bau, Maschinen, Geräte und Infrastruktur investiert wie nie seit der deutschen Wiedervereinigung 1990. Die sogenannte Nettoanlageninvestitionsquote lag gemessen an der Wirtschaftsleistung bei minus 0,23 Prozent, wie aus Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums und des Statistischen Bundesamts hervorgeht. Abgefragt und ausgewertet hat die Daten der Linken-Abgeordnete Cem Ince.

Gemeint sind Anlageninvestitionen, sei es von privater oder staatlicher Seite, abzüglich der Abschreibungen. Die abgefragten Daten, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen, zeigen einen jahrzehntelangen Abwärtstrend der Investitionen im Vergleich zum Bruttoinlandsprodukt.

Die durchschnittliche Nettoanlageninvestitionsquote betrug demnach von 1991 bis 1999 noch 7,31 Prozent, im Zeitraum 2000 bis 2009 im Jahresschnitt noch 2,88 Prozent, zwischen 2010 und 2019 dann 2,29 Prozent. In den Jahren zwischen 2020 und 2025 waren es durchschnittlich 1,02 Prozent, wie aus den Daten hervorgeht.

"Deutschland fährt auf Verschleiß"

Der Sozial- und Wirtschaftspolitiker Ince monierte: "Deutschland fährt auf Verschleiß. Marode Schulen, kaputte Straßen, eine Infrastruktur im Niedergang. Was viele Menschen längst im Alltag spüren, belegen auch die Zahlen. In unserem Land wird seit Jahren zu wenig investiert." Er verband dies mit der erneuten Forderung nach einer Vermögensteuer und einer Investitionsoffensive.

Auch das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln beobachtet die anhaltende Investitionsschwäche mit Sorge. "Bei den Bruttoanlageinvestitionen sehen wir schon seit Jahren preisbereinigt einen negativen Effekt", sagte IW-Geschäftsführer Hubertus Bardt der dpa. "Gerade beim Bau gab es auch im vergangenen Jahr eine reale Reduktion, die nicht ausgeglichen wurde durch die ersten Tropfen aus dem Sondervermögen."

Neue Dynamik fraglich

Mehr als 80 Prozent der Investitionen stammten aus dem Privatsektor, und dort fehle angesichts der konjunkturellen Lage die Zuversicht, sagte Bardt. "Wenn jetzt die öffentlichen Investitionen aus dem Sondervermögen verstärkt fließen, wirkt das sicher positiv, aber es ist fraglich, ob das eine echte Dynamik in der Privatwirtschaft auslöst", meinte Bardt. "Die Unternehmen sind nicht optimistisch. Wer jetzt investiert, der kümmert sich um reine Ersatzinvestitionen."

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