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Heringsfischerei in der Ostsee - Kritik an EU-Plänen wächst 30.08.2026, 10:25 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Die von der EU-Kommission vorgeschlagenen Einschränkungen bei der Heringsfischerei in der westlichen Ostsee stoßen bei Fachverbänden und in Mecklenburg-Vorpommern auf scharfe Kritik. "Bestandsschutz ist notwendig, aber er muss dort ansetzen, wo er tatsächlich etwas bewirkt", sagte Agrarminister Till Backhaus (SPD) der Deutschen Presse-Agentur dpa. "Es wäre unverhältnismäßig, die ohnehin minimale Heringsquote unserer kleinen Küstenfischerei weiter zu kürzen, während ein erheblicher Teil der Fänge auf denselben Bestand im Skagerrak und in der Norwegenrinne erfolgt."

Kleine Küstenfischerei wäre massiv betroffen

Hering darf in der an Deutschland grenzenden westlichen Ostsee bereits jetzt weitgehend nicht gezielt gefischt werden. Allerdings gilt eine Ausnahme für Fischer, die passiv in Küstennähe Hering fangen, etwa mit Stellnetzen. Diese Ausnahme soll nach Vorstellung der Kommission nun aber 2027 wegfallen. Das betrifft die kleine Küstenfischerei, die den Großteil der deutschen Ostseefischer stellt.

"Die kleine handwerkliche Fischerei komplett zu verbieten und die Ausnahmegenehmigung für die passive Fischerei für diese verhältnismäßig geringe Menge zu streichen, wäre das absolut falsche Signal", sagte ein Sprecher des Deutschen Fischerei-Verbandes der dpa. Die dort entnommen Mengen seien für die Bestandsentwicklung des westlichen Herings unerheblich, für die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit der Betriebe aber von großer Bedeutung.

Backhaus: "Auch beim Dorsch brauchen wir Augenmaß."

Backhaus betonte: "Auch beim Dorsch brauchen wir Augenmaß." Die tatsächlichen Fänge seien inzwischen verschwindend gering, eine ausreichende Beifangquote sei aber notwendig, damit überhaupt noch auf andere Arten gefischt werden könne. Er erwarte von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU), dass Deutschland im Fischereirat für diese Interessen eintrete. "Wir brauchen wirksamen Bestandsschutz - aber keine Symbolpolitik, die unsere letzten Küstenfischer trifft, ohne den Beständen messbar zu helfen."

Die EU-Kommission hatte zudem vorgeschlagen, die Beifang-Regelung zu verschärfen. So sollen auch die Zuteilungen unvermeidbarer Beifänge von Dorsch in der westlichen Ostsee und in der östlichen Ostsee deutlich sinken, um 88 Prozent auf 31 Tonnen beziehungsweise 51 Prozent auf 211 Tonnen. Beifänge sind nach Angaben der EU-Kommission ein Problem, da sie gefährdete Arten wie den Dorsch in der Ostsee bedrohen können.

Minister beraten Ende Oktober über EU-Empfehlungen

Die Kommission erarbeitet jedes Jahr auf Basis von wissenschaftlichen Empfehlungen des Internationalen Rates für Meeresforschung Vorschläge dazu, wie viel Fisch aus EU-Meeren gefangen werden darf. Final beschlossen werden die Mengen aber von den Fischereiministerinnen und -ministern der EU-Länder. Die Gesamtmenge wird in nationale Quoten aufgeteilt. Die Minister müssen sich nicht an die Empfehlungen der EU-Kommission halten. Ende Oktober befassen sie sich mit dem aktuellen Vorschlag.

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