Historiker Christopher Clark hält Trump für 'furchterregend' 18.03.2026, 06:22 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Der australische Historiker Sir Christopher Clark schätzt die derzeitige weltpolitische Lage als sehr gefährlich ein. Ein großer Risikofaktor sei das unberechenbare Verhalten von US-Präsident Donald Trump, sagte Clark der Deutschen Presse-Agentur in Köln. Dieser verfüge über große Macht und ein enormes Zerstörungspotenzial, führe den Krieg gegen den Iran aber offenbar ohne Plan. "Das ist furchterregend", sagte der auch einem breiten Fernsehpublikum bekannte Clark.

Die iranische Regierung sei zwar seit Jahrzehnten ein Faktor der Unsicherheit im Nahen Osten. Gegen die eigene Bevölkerung sei sie wiederholt menschenrechtswidrig vorgegangen. "Man kann jedoch Regime nicht einfach ausschalten und ihr Regierungspersonal ermorden, weil sie schrecklich sind", kritisierte der Geschichtsprofessor aus Cambridge. "Es gibt viele schreckliche Regime auf der Welt. Wo soll das enden?"

Clark kritisiert brutalen Kommunikationsstil von Hegseth

Auffallend an der Trump-Regierung sei auch der brutale Kommunikationsstil. Besonders abschreckend sei die Rhetorik von Verteidigungsminister Pete Hegseth, der sich selbst Kriegsminister nennt. Der ehemalige Fernsehkommentator hatte unter anderem gesagt, der Krieg gegen den Iran habe nie ein fairer Kampf sein sollen: "Wir schlagen auf sie ein, während sie am Boden liegen, und genau so sollte es auch sein."

Clark sagte dazu: "Kein amerikanischer Minister vor ihm hätte jemals die Öffentlichkeit so angesprochen. Manche sagen, das sei doch zumindest eine ehrliche Sprache und nicht mehr so eine Heuchelei wie früher. Ich bin da völlig anderer Meinung. Erstens wird von dieser Regierung vieles vertuscht und verschleiert. Was hinter den Kulissen wirklich passiert, werden wir vermutlich erst viel später erfahren. Und zweitens ist eine gewisse Heuchelei durchaus zu bevorzugen. Denn sie entsteht, wenn man sich zumindest grundsätzlich einem Wertekodex verpflichtet fühlt, auch wenn man ihm nicht immer gerecht wird."

Dadurch, dass man sich zu Normen bekenne, schaffe man Grundlagen für gemeinsames Handeln. "Die jetzige US-Regierung operiert von vornherein ohne Werte und Normen. Da sage ich: Zurück in die Epoche der Heuchelei bitte!"

Clark sagte, er werde immer wieder gefragt, ob die derzeitige Weltlage Parallelen mit jener von 1914 vor Beginn des Ersten Weltkriegs aufweise. Clark hat die damaligen Beziehungen der Großmächte und Bündnisse in seinem internationalen Bestseller "Die Schlafwandler" beleuchtet. "Die heutige Lage ist völlig anders als die von 1914", stellte er klar. "Wir haben es zum Beispiel nicht wie damals mit zwei gegnerischen Bündnisblöcken zu tun, sondern mit einer Situation, die schwer überschaubar ist und viele Unwägbarkeiten mit sich bringt." Ein Unterschied sei auch, dass es damals keinen so klaren Aggressor gegeben habe wie heute mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Clark hält Nato für so schwach wie noch nie

"Ein Punkt, der mir Sorgen macht, ist das schwindende gegenseitige Vertrauen innerhalb des westlichen Bündnisses", sagte Clark. "Die Nato sieht heute schwächer aus als irgendwann sonst in ihrer Geschichte, hauptsächlich natürlich durch den Vertrauensentzug durch die Vereinigten Staaten, insbesondere dieses Präsidenten - wobei man vorher unter Obama und Biden auch schon eine gewisse Abkühlung feststellen konnte."

Je mehr die Kohäsion der Nato nachlasse, desto mehr müsse jeder Staat versuchen, sich auf eigene Faust abzusichern. "Die Zahl der Akteure vermehrt sich und dadurch auch die Komplexität und Unberechenbarkeit des Systems als Ganzes", analysierte Clark. Die Gesamtausgaben für Verteidigung seien derzeit vermutlich höher als zu irgendeinem anderen Zeitpunkt seit dem Endes des Kalten Krieges.

Clark war in Köln, um beim Literaturfestival Lit.Cologne sein neues Buch "Skandal in Königsberg" vorzustellen. Darin geht es um einen Skandal rund um zwei lutherische Prediger in der preußischen Stadt zur Zeit des Biedermeier Mitte des 19. Jahrhunderts.

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