Hohe Strompreise sollen massiven KI-Ausbau nicht ausbremsen 18.03.2026, 14:35 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Mit neuen Anreizen und mehr Nachhaltigkeit soll Deutschland als Datenstandort in Europa gestärkt werden. Das sieht die nationale Strategie der Bundesregierung zum Bau und Betrieb neuer Rechenzentren vor, die am Mittwoch im Bundeskabinett verabschiedet wurde. Nach den Plänen der schwarz-roten Koalition soll sich bis 2030 die Leistung von allgemeinen Rechenzentren gegenüber 2025 mindestens verdoppeln, obwohl die Strompreise in Deutschland deutlich höher sind als in den Nachbarländern. Die Kapazitäten für künstliche Intelligenz sollen sich sogar mindestens vervierfachen.

"Strompreis ist zu hoch"

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) räumte ein, dass die Energiekosten ein Hindernis sind. "Richtig ist, dass der Strompreis bei uns hoch ist, zu hoch. Daran wird gearbeitet." Auf die Herausforderung gebe es aber keine einfachen Antworten. Wildberger wies auf eine große Nachfrage hin, in Deutschland Rechenzentren zu bauen.

Die Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, Katherina Reiche (CDU), wies auf der Pressekonferenz Forderungen von Digitalverbänden zurück, für Rechenzentren den verbilligten Industriestrom zugänglich zu machen. Welche Sektoren vom Industriestrompreis partizipierten, werde von der Europäischen Kommission festgelegt. "Wir können das nicht entscheiden." Die Kommission habe als Kriterium ausgegeben, dass der verbilligte Industriestrompreis nur von Bereichen beantragt werden könne, die im internationalen Wettbewerb stünden und Güter ins Ausland exportierten, auch außerhalb der Europäischen Union. "Die Kommission ist der Auffassung, dass das für Rechenzentren nicht zutrifft. Insofern haben wir momentan keinen Handlungsspielraum."

Wildberger und Reiche betonten die Bedeutung der Rechenzentrumsstrategie. Mit der stärkeren Nutzung von Cloud-Computing und Anwendungen Künstlicher Intelligenz steige der Bedarf an Rechenleistung vor Ort. Außerdem gebe es aus Sicherheitsgründen ein Interesse, Daten in Deutschland speichern und verarbeiten zu können statt auf Servern im Ausland.

USA und China halten rund 70 Prozent weltweit

Im internationalen Wettbewerb liegen allerdings die USA uneinholbar vorn, auch weil dort die Topunternehmen der Branche (Amazon AWS, Google Cloud, Microsoft Azure) beheimatet sind. Derzeit beträgt die Rechenzentrumskapazität in den Vereinigten Staaten rund 60 Gigawatt. China kommt auf rund 20 Gigawatt. Damit halten die "Großen Zwei" zusammen etwa 70 Prozent der weltweiten Kapazität.

Deutschland verfügt dagegen lediglich über eine Rechenzentrumskapazität von knapp drei Gigawatt in rund 2.000 Anlagen, von denen rund 500 Megawatt auf KI entfallen. Mit diesen Zahlen liegt Deutschland aber noch vor Ländern wie Großbritannien, Japan, Frankreich und Irland. Künftig soll die Gesamtkapazität in der Bundesrepublik auf mindestens sechs Gigawatt ausgebaut werden, von denen mindestens zwei Gigawatt KI-Anwendungen vorbehalten sein sollen.

28 konkrete Maßnahmen

Das Strategiepapier sieht 28 konkrete Maßnahmen vor, mit denen vor allem die Planung und Genehmigung neuer Rechenzentren beschleunigt werden soll. Gleichzeitig soll sichergestellt werden, dass ihr Ausbau nachhaltig erfolgt, etwa indem sie mit erneuerbarer Energie betrieben werden.

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