Kreml muss auf Kritik von der Front reagieren 26.06.2026, 18:11 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Die russische Kriegsführung gerät auch bei der eigenen Truppe immer stärker in die Kritik - und zwingt den Kreml zu einer Reaktion. Der Kreml habe von dem Video eines Soldaten mit der Kritik und der Forderung nach einer Audienz bei Präsident Wladimir Putin gehört, bestätigte dessen Sprecher Dmitri Peskow auf Nachfrage von Journalisten zu dem Thema. "Man muss sich das erst einmal anschauen", sagte Peskow, wobei er von "merkwürdigen Formulierungen" im Video sprach.

Zuvor hatte das Video des aus der Region Woronesch stammenden russischen Ex-Frontsoldaten Alexander Lunin Wellen geschlagen. Der Mann hatte im eigentlich in Russland verbotenen Netzwerk Instagram erklärt, er müsse Putin bei einer Live-Audienz die "ganze Wahrheit über das, was bei uns im Land passiert", sagen. An der Front würden Soldaten von ihren Vorgesetzten ausgebeutet, gequält und verheizt, klagte er. "Wenn ich nicht in Kürze neben Ihnen live im Fernsehen auftrete, dann richtet die Armee ihre Waffen auf den Kreml", drohte er. Zugleich behauptete er, von ranghohen Militärs und Beamten zu der Forderung veranlasst worden zu sein. Innerhalb kürzester Zeit wurde das Video etwa zehn Millionen Mal aufgerufen und erhielt Hunderttausende Likes.

Probleme in Russland nehmen zu

Russland führt seit mehr als vier Jahren Krieg in der Ukraine. Zuletzt kamen die Moskauer Truppen trotz hoher Verluste kaum noch voran. Die Unzufriedenheit im Land wächst auch wegen anderer kriegsbedingter Probleme, etwa den dauernden Internetabschaltungen oder der sich zuletzt drastisch ausweitenden Benzinkrise infolge ukrainischer Drohnenangriffe auf die russische Ölindustrie.

Im April hatte die eigentlich auf Lifestyle-Themen spezialisierte Bloggerin Viktoria Bonja die Probleme im Land angesprochen und damit enorme Aufmerksamkeit erzeugt. Der Kreml sah sich damals gezwungen, mit der Aussage zu reagieren, dass an der Überwindung der Schwierigkeiten gearbeitet werde. Allerdings sind die von Lunin angesprochenen militärischen Probleme für den Kreml noch heikler, da Putin seit Jahren behauptet, der Krieg verlaufe nach Plan.

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