Nach russischer Liste

Verfassungsschützer warnt Firmen 19.04.2026, 17:10 Uhr von dpa-AFX Jetzt kommentieren: 0

Thüringens oberster Verfassungsschützer sieht bestimmte Unternehmen und deren Führungskräfte im Zuge des Ukraine-Kriegs potenziell durch Russland gefährdet. "Nicht jedes Unternehmen ist akut bedroht. Aber das Risiko ist klar erhöht und ernst zunehmen", sagte Thüringens Verfassungsschutzpräsident Stephan Kramer dem "Handelsblatt".

"Am höchsten erscheint mir das Risiko für Unternehmen, die klar erkennbar in Lieferketten für die Ukraine-Unterstützung eingebunden sind, etwa bei Drohnen-, Munitions-, Luftverteidigungs- oder Logistikprojekten", so Kramer. Auch Logistik- und Technologiedienstleister seien relevant, weil sie zentrale Schnittstellen darstellten.

Kramer warnt vor Cyber-Angriffen und Sabotageversuchen

Militärische Angriffe gegen diese Unternehmen auf deutschem Boden hält Kramer zwar für unwahrscheinlich. "Das wäre eine ganz andere Eskalationsstufe. Aber das Risiko hybrider Angriffe ist substanziell erhöht, also Cyber-Angriffe, Ausspähung, Sabotageversuche, Drohkommunikation und Einflussoperationen", so der Verfassungsschützer.

Mit Blick auf Personen sind aus Kramers Sicht besonders Führungskräfte der Rüstungsindustrie gefährdet. Er verwies im Interview etwa auf Rheinmetall-Chef Armin Papperger. Der Chef des größten deutschen Rüstungskonzerns gilt spätestens seit dem Bekanntwerden angeblicher russischer Anschlagspläne auf ihn im Jahr 2024 als besonders gefährdet. Rheinmetall gehört zu den wichtigsten Waffenlieferanten der Ukraine.

Liste mit Firmen als "potenzielles Ziel für russische Streitkräfte"

Hintergrund von Kramers Äußerungen ist, dass das russische Verteidigungsministerium vor einigen Tagen Adressen deutscher und anderer europäischer Rüstungsfirmen veröffentlicht hat. Dies war verbunden mit scharfer Kritik an Europa wegen der Ankündigung neuer Drohnenlieferungen an die Ukraine.

Russlands Vizechef des nationalen Sicherheitsrats Dmitri Medwedew bezeichnete auf der Plattform X die aufgeführten Unternehmen zudem als "Liste potenzieller Ziele für die russischen Streitkräfte". Wie schnell solche Schläge Realität würden, hänge von der weiteren Entwicklung ab, drohte er.

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